Als Frau alleine reisen in Asien Tipps für mutige Weltenbummlerinnen

| 08. 03. 2016 | 1 Kommentar

Atemberaubende Landschaften, faszinierende Kulturen, imposante Städte – Asien hat so einiges zu bieten. Wer sich allein auf den Weg in ein asiatisches Land machen möchte, sieht sich jedoch häufig mit Vorurteilen konfrontiert: Als Frau nach Asien zu reisen sei grundsätzlich gefährlich, man müsse mit lüsternen Blicken rechnen und sexuelle Belästigung sei nicht ausgeschlossen. Insbesondere von Ländern wie Indien wird uns Frauen abgeraten. Du willst das so nicht akzeptieren und dir die wundervollen Länder nicht entgehen lassen?

Reisfelder in Indonesien

In diesem Artikel beleuchte ich zwei asiatische Länder, die ich selbst im vergangenen Jahr besucht habe: Indonesien und Indien. Nachdem ich Indonesien als Backpackerin erkundet hatte, ging es nach Indien, wo ich eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin machte. Welche Highlights zeichnen die beiden fernöstlichen Länder aus? Wo lauern Fettnäpfchen? Welche wichtigen Regeln solltest du beachten, um unangenehme Situationen zu vermeiden?

Highlights im Überblick – Destination 1: Indonesien

Landschaft in Indonesien

Das aus über 17.000 Inseln bestehende Inselreich bietet eine perfekte Mischung aus Landschaft und Kultur. Eine der beliebtesten Inseln ist Bali – kein Wunder, denn hier ist das Reisen gerade für westliche Touristen sehr unkompliziert. Aber auch Sumatra, Java, Sulawesi und andere Inseln Indonesiens werden zu immer beliebteren Reisezielen.

Besondere Highlights Indonesiens sind die beeindruckenden Vulkane, wie zum Beispiel Bromo und Ijen auf Java, die artenreiche Unterwasserwelt, die man besonders gut auf Lombok und Sulawesi bestaunen kann, sowie imposante Tempel – allen voran der monumentale Hindu-Tempel Prambanan und die weltweit größte buddhistische Tempelanlage Borobodur. Während die kilometerlangen paradiesischen Strände der Gili-Inseln vor allem junge Menschen zum Feiern und Entspannen anziehen, treffen sich auf Sumatra Abenteurer und Naturliebhaber, um naturbelassene Dschungel zu durchqueren.  Ob Kultur, Strand oder Action – in Indonesien ist für jeden etwas dabei.

>> Auslandspraktikum in Indonesien / auf Bali

Highlights im Überblick – Destination 2: Indien

Taj Mahal in Indien

Indien hat viele Facetten und Gesichter. Der multiethische Staat ist das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt. Wer hierhin reist, taucht in eine faszinierende Kultur ein. Genau wie Indonesien hat auch Indien für jeden Geschmack etwas zu bieten: Architektonische Sehenswürdigkeiten, wie den paradiesischen Taj Mahal, surreale Felslandschaften, wie das traumhafte Hampi, und brodelnde Metropolen, wie Neu Delhi und Mumbai. Besonders eindrucksvoll sind auch die spirituellen Orte Indiens, allen voran Dharamsala, die Residenz des Dalai Lama am Fuße des Himalaya, und Rishikesh, eine Pilgerstadt am Fuße des Ganges, die besonders Yoga-Liebhaber anzieht und im Westen durch den Besuch der Beatles im Jahr 1968 bekannt geworden ist. Auch in Indien kann damit wohl jeder auf seine Kosten kommen – egal ob Yogi, Kulturfanatiker oder Abenteurer. Bereits an dieser Stelle sei jedoch betont, dass Indien – im Gegensatz zu Indonesien – eindeutig die Geister scheidet. Wer schon einmal in Indien war, weiß: Das Land ist bunt, es hat aber auch seine Schattenseiten, die nicht selten laut und dreckig sind. Einige Menschen fasziniert diese Vielfalt, andere schrecken vor ihr zurück.

3 typische Situationen – und wie du damit umgehst

Ganz egal, in welchem Land du dich bewegst: Überall können unangenehme Momente auftreten. Bestimmte Situationen erleben wir Frauen in asiatischen Ländern immer wieder – das gilt nicht nur für Indien und Indonesien, sondern beispielsweise auch für Taiwan oder Vietnam. Vermeide Fettnäpfchen in solchen Situationen von vornherein, indem du gekonnt reagierst.

1_kleinWahre Distanz!

„Madam, photo please!“ – Als westlich aussehende Frau wirst du diesen Satz in vielen asiatischen Ländern hören: von kleinen Kindern auf Schulausflügen bis hin zu Braut und Bräutigam auf Hochzeiten. Daran musst du dich gewöhnen, denn für viele Einheimische bist du als Westeuropäerin eine Seltenheit. Anfangs mögen dir diese mehr oder weniger offensiven Bitten schmeicheln, jedoch können sie schnell zur Last werden. Grundsätzlich gilt: Traue deinem Bauchgefühl und versuche, das richtige Maß an Nähe zu finden. Sei so freundlich wie möglich, aber so distanziert wie nötig.

2_kleinSei liiert!

„You have a boyfriend?“ oder „Are you married?“ – deine Antwort sollte hier stets “Yes” lauten. Das gilt sowohl für Indien als auch für Indonesien. Nicht nur, um dich selbst vor einer möglichen Anmache zu schützen, sondern auch um das Ansehen bei deinem Gesprächspartner zu wahren. In Indien wie in Indonesien ist Heirat ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Mein Tipp: Trage vorsichtshalber einen Ring und überlege dir für unangenehme Situationen eine authentische Geschichte zu deinem „Mann“ – auch wenn dieser in Wirklichkeit nicht existiert. Auf diese Weise kannst du dir die eine oder andere unerfreuliche Situation mit Sicherheit ersparen.

3_klein Zeige keine Haut!

Ganz klassisch: die Blicke der Männer. Wie überall auf der Welt wirst du auch in Asien mit Männerblicken konfrontiert sein. Wichtig ist hier: Sei freundlich und selbstbewusst, aber gehe nicht darauf ein. Besonders in Indien ist direkter Augenkontakt unbedingt zu vermeiden. Dass dich Männer anschauen, kann einerseits an deinem westlichen Aussehen liegen, andererseits aber auch an deiner Kleidung. Gerade in muslimischen oder weniger touristischen Teilen Indonesiens und in weiten Teilen Indiens gilt daher: Keine aufreizende Kleidung tragen – Hotpants und tief ausgeschnittene Tops lässt du also besser zu Hause. Je nachdem, an welchem Ort du bist, kann es sogar äußerst unangemessen sein, im Bikini am Strand zu liegen – ganz zu schweigen von „Oben ohne“. Auf der sicheren Seite bist du mit einer luftigen Hose, die bis zu den Knöcheln reicht, und einem langärmligen, lockeren Oberteil. Mein persönlicher Tipp: Habe immer ein großes Tuch dabei, das du dir zur Not umhängen kannst, wenn du dich nicht ausreichend bedeckt fühlst. Nachdem du einige Tage in einer neuen Stadt verbracht hast, kannst du die Situation besser einschätzen und deine Kleidung entsprechend anpassen.

Was die beiden Reiseziele unterscheidet

Während Indonesien inzwischen als sicheres Reiseland für Frauen gilt, kämpft Indien mit einem sehr schlechten Ruf. Tatsächlich gibt es in Indien sehr viel mehr Regeln zu beachten als in Indonesien. Nicht wenige Frauen, die durch Indien gereist sind, berichten von einem Gefühl der Unsicherheit. Dabei gibt es natürlich Gegenden, die grundsätzlich „gefährlicher“ sind als andere. Die wohl wichtigste Regel für solo reisende Frauen: Bei Nacht nicht alleine auf die Straße gehen.

Indonesien dagegen bietet dir viele Orte, an denen du als Frau weitestgehend problemlos unterwegs sein kannst: Vor allem touristische Gegenden – insbesondere die Insel Bali – sind bekannt für nette Einwohner und reisefreundliche Bedingungen. Auf Bali, beispielsweise in der Kulturhauptstadt Ubud, oder auch auf den Gili Islands (Lombok), sind viele Backpacker anzutreffen. Hier findest du sehr schnell Anschluss – allerdings in erster Linie zu anderen Touristen.

Zwei ideale Orte für Reiseanfängerinnen: Bali und Goa

Du hast den Entschluss gefasst und möchtest gerne nach Indien oder Indonesien reisen? Hier meine zwei Tipps, speziell für Reiseanfängerinnen:

Reisen in Indonesien

1 | Es soll Indonesien sein? Mein Ratschlag: Fliege zunächst nach Bali. Wenn dir der sehr partyreiche Süden zu unruhig ist, kannst du gen Norden nach Ubud ausweichen, um dort zu shoppen, leckeres Essen zu genießen oder die Kultur kennenzulernen. Besonders schön ist auch die umliegende Natur – lerne sie bei einer Radtour kennen, die du vor Ort im Reisebüro buchst.

2 | Oder doch lieber Indien? Ich empfehle: Wenn du unbedingt in die faszinierende Kultur Indiens eintauchen möchtest, kannst du deine Reise in Goa beginnen. Der portugiesisch beeinflusste kleinste indische Bundesstaat ist für westliche Touristen kulturell sehr gut zugänglich. Obwohl die Kleiderordnung hier weitaus weniger streng ist als im restlichen Indien, solltest du jedoch nicht vergessen, dass du landestypische Regeln trotzdem beachten musst.

…und zum Schluss

Zu hundert Prozent vor Gefahren schützen kannst du dich nirgendwo. Ein gewisses Risiko gehört zu jeder Reise dazu. Jedoch hat jedes Land kultureigene Regeln und regionaltypische Fettnäpfchen. Egal in welche Region du reisen möchtest – informiere dich vorab über Land und Leute, um ein passendes Ziel auszuwählen und dich bestmöglich darauf vorzubereiten. Handle stets selbstbewusst und bestimmt! Vergiss aber dabei auch nicht, deine Reise zu genießen!
Und nun wünsche ich euch Weltenbummlerinnen viel Spaß, wenn ihr Deutschland das nächste Mal den Rücken zukehrt und euch auf in die Ferne macht!

Du willst Indien im Rahmen eines Auslandsprogramms erleben?

Für diesen Fall, gibt es verschiedene Programmmöglichkeiten, die für dich interessant sein könnten. Du kannst dich zum Beispiel im Rahmen von Freiwilligenarbeit in einem sozialen Projekt engagieren oder im Tier- und Umweltschutz tätig werden. Besonders Volunteer-Organisationen bieten auch sogenannte Volunteer-Rundreisen an, bei denen du in meist 2-3 Wochen das Land erkundest und zusätzlich in verschiedene Freiwilligen-Projekt hinein schnuppern kannst. Die Metropolen Indiens bieten außerdem gute Einsatzbereiche für Auslandspraktika. Weitere Informationen zur Freiwilligenarbeit, Volunteer-Rundreisen & Auslandspraktika findest du hier:

>> Freiwilligenarbeit & Volunteer-Rundreisen in Indien

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>> Auslandspraktika in Indien

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Kategorie: Allgemein, Reise, Tipps & Tricks

Patrizia

Über den Autor ()

Patrizia Girndt liebt es, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Die Reiselust wurde ihr bereits in die Wiege gelegt: Schon als kleines Kind nahm ihre Familie sie mit nach Australien und als Schülerin verbrachte sie einige Monate in Namibia. Die Abiturzeit nutzte sie, um zunächst die Lebensweise der Kanadier im Rahmen eines Praktikums kennenzulernen und dann unser Nachbarland Frankreich während eines Summer-Jobs zu erkunden. In ihrem Studium „European Studies“ und „Interdisziplinäre Medienwissenschaft“ zog es sie dann nach Kenia in ein Waisenheim, nach Russland in eine Sommerschule und nach Indonesien zum intensiven Eintauchen in die Kultur. Nach Abschluss ihres Masters reiste sie schließlich nach Indien, um dort eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin zu absolvieren. Seit 2013 ist sie als freie Texterin tätig. Ihre liebsten Themen sind Interkulturelle Kompetenz & Gesundheit. Um andere Menschen mit ihrer Leidenschaft für Yoga anzustecken, bloggt sie unter: Reflections on Yoga.

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