Remote Office im Ausland: Recht, Steuern & Planung
Remote Jobs bzw. der Wunsch nach Remote Work ist in aller Munde – sowohl auf Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite: Digitalisierung verändert die Berufswelt und führt zu neuen Arbeitsmodellen. Eines dieser Arbeitsmodelle ist das Remote Office als Grundlage für Remote Work. Beschäftigte können von jedem beliebigen Ort aus, wie zum Beispiel aus dem Ausland arbeiten. Einzige Voraussetzung: ein Internetanschluss. Angestellte bei deutschen Unternehmen, aber auch Selbstständige, die für verschiedene Unternehmen tätig sind, können aus dem Remote Office arbeiten. Wir erklären, was es beim Remote Office zu beachten gilt und wie du dich beim Arbeiten aus dem Ausland zurechtfindest.
Kurz zusammengefasst
Remote Work bedeutet ortsunabhängiges Arbeiten – auch aus dem Ausland. Home-Office ist nur eine Unterform davon (Arbeiten von zu Hause). Für die Arbeit im Ausland brauchst du in der Regel die Zustimmung deines Arbeitgebers, solltest die 183-Tage-Regel für die Steuerpflicht im Blick haben und außerhalb der EU ein passendes Visum (z. B. Digital-Nomad-Visum) klären. Alle Details zu Planung, Kosten, Recht und Steuern findest du im Folgenden.
Begriffsdefinition: Remote Work vs. Home-Office
Was ist Remote Work?
Remote Work bedeutet, dass du ortsunabhängig arbeitest – ganz egal, ob du dich in deiner Wohnung, in einem Café, einem Coworking Space oder in einem anderen Land befindest. Du bist an keinen festen Arbeitsort gebunden und kannst flexibel entscheiden, von wo du arbeitest. Diese Form der Arbeit ist die Basis für das Leben vieler digitaler Nomaden und Workation-Fans.
Was bedeutet Home-Office?
Home-Office meint hingegen konkret das Arbeiten aus dem eigenen Zuhause. Im Alltag wird der Begriff oft als Synonym für Remote Work verwendet, doch das ist nicht korrekt. Home-Office ist eine Unterform der Remote Work – nämlich die, bei der der Arbeitsplatz in die eigenen vier Wände verlegt wird.
Warum ist der Unterschied wichtig?
Die Unterscheidung ist vor allem dann relevant, wenn du planst, aus dem Ausland zu arbeiten. Denn während Remote Work grundsätzlich auch das Arbeiten im Ausland umfasst, ist „Home-Office im Ausland“ eine rechtlich komplexe Sonderform mit besonderen Anforderungen.
Remote-Jobs: Job-Angebote für Remote Work
Planung, Kosten, Visa: Das musst du im Vorhinein beachten
Wenn du dich entschieden hast, im Ausland zu arbeiten, kann das mit Kosten verbunden sein. Denn einerseits musst du die nötige Technik für ein Remote Office parat haben und in Stand halten. Andererseits können sich die Lebenshaltungskosten und Steuern stark von denen in Deutschland unterscheiden. Sinnvoll ist eine Steuererklärung nach dem Umzug, denn häufig gibt es noch Geld vom Staat zurück. Eine Steuer-App erleichtert die Steuererklärung.
Das sind weitere Möglichkeiten, um Kosten im Remote Office zu sparen:
Vergleich der Kosten für Internetanbieter, besonders wenn große Datenmengen transferiert werden müssen
Vergleich der Mobilfunkanbieter und deren Tarife
Nutzung von Flatrates, auch für Telefongespräche nach Deutschland
Energieeinsparung in der Wohnung im Ausland mit den entsprechenden Maßnahmen
Nutzung von günstigen Mietwagen oder Carsharing-Angeboten
Nutzung von Sparmöglichkeiten bei öffentlichen Verkehrsmitteln
Deutschland endgültig den Rücken kehren
Aus einem temporären Aufenthalt im Ausland kann ein langfristiger Wechsel des Wohnsitzes werden. Dann solltest du dich ummelden und deinen Hauptwohnsitz von Deutschland in das jeweilige Land verlegen. Welche Bedingungen gelten, hängt vom jeweiligen Land ab. Mitunter ist eine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis erforderlich. Auch an verschiedene Versicherungen wie Kranken- oder Unfallversicherung im Ausland solltest du denken.
Dauer / Aufenthaltslänge
Spätestens wenn du länger als ein paar Wochen im Ausland bleiben willst, solltest du dich mit dem richtigen Aufenthaltstitel beschäftigen. Unser Guide zum Digital Nomad Visum zeigt dir, welche Optionen es für Remote Worker gibt und welche Voraussetzungen du dafür mitbringen musst.
Formelle Bedingungen für Remote Office
Für Staaten außerhalb der EU brauchst du ein aktuelles Visum. Für die jeweiligen Länder gelten unterschiedliche Bedingungen. Ist dein Wohnsitz in Deutschland bist du dort auch noch steuerpflichtig. Zusätzlich gelten steuerliche Regelungen für die Arbeit im Ausland. Um Fixkosten für Strom, Miete usw. gering zu halten, kannst du die Wohnung in Deutschland für die Zeit des Auslandsaufenthalts untervermieten.
Alle Details zu Kosten, AÜG-Regelung und Onboarding findest du im Ratgeber zum internationalen Recruiting und Onboarding von Remote-Mitarbeitern.
Wie funktioniert das Arbeiten im Remote Office?
Viele Menschen träumen davon, nicht im Büro zu arbeiten, sondern fernab des alltäglichen Trubels. Das Remote Office macht das möglich. Der Unterschied zum Home Office besteht darin, dass die Arbeit von zu Hause oder einem anderen Ort die Regel ist. Wer aus dem Remote Office arbeitet, hat oft keinen eigenen Arbeitsplatz in den Büroräumen des Unternehmens. Die Menschen, die sich für diese Arbeitsform entscheiden, werden auch als Jobnomaden oder digitale Nomaden bezeichnet. Ihr Aufenthalts- und Arbeitsort ist flexibel: Sie arbeiten im Café, am Strand, in Co-Working Spaces oder direkt von ihrem Wohnsitz im Ausland.
Damit die Zusammenarbeit aus dem Ausland und gegebenenfalls einer anderen Zeitzone funktioniert, solltest du dich mit Vorgesetzten und Kollegen beraten. Bereits bevor du beginnst, aus dem Remote Office zu arbeiten, gilt es, die Eckpunkte des Arbeitsalltags abzustecken. Feste Zeiten für Meetings, Videokonferenzen oder Telefongespräche sind hier eine Lösung. Der Austausch von Nachrichten per Messenger-Dienst dient der schnellen Kommunikation, wenn wichtige Fragen zu klären sind. Regelmäßige Feedbacks sind ebenfalls empfehlenswert, um die Funktionalität des Gemeinsamen Arbeitens zu reflektieren.
Übrigens: Wenn dein Arbeitgeber keine Niederlassung in deinem Wunschland hat, kann das Employer of Record Modell eine Lösung für eine rechtssichere Festanstellung sein, denn hier nimmst du deinen bestehenden Job einfach mit ins Ausland.
Vor- und Nachteile des Remote Office
Remote Office bietet verschiedene Vorteile:
Möglichkeit zum selbstständigen Arbeiten
Flexibler Arbeitsort
Freie Zeiteinteilung
Familienfreundliches Arbeiten
Mehr Motivation im Job durch Work-Life-Balance
Diese Arbeitsform hat aber auch Nachteile. Da der Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzten eingeschränkt ist, kann es zur sozialen Isolation kommen. Die Arbeitsabläufe sind mitunter gestört, da der Informationsfluss oft eingeschränkt ist. Für diejenigen, die sich für dieses Arbeitsmodell entschieden haben, sind die Aufstiegschancen zumeist nur begrenzt. Diese Arbeitsform ist nicht für alle Berufe und Branchen geeignet.
Spannende Jobs, die sich für Remote Office anbieten
Grundsätzlich ist das Remote Office für Büroberufe geeignet. Alternativ ist auch eine Tätigkeit im Ausland bei Niederlassungen großer deutscher Unternehmen möglich. Typische Berufsgruppen für das Remote Office sind Software- oder Produktentwickler, Programmierer, Übersetzer, Webdesigner, Fotografen, Texter, SEO-Spezialisten, Content Manager oder Social Media Manager. Einige dieser Jobs sind gut bezahlt, gerade dann, wenn der Arbeitgeber ein größerer Tech-Konzern ist. Auch verschiedene andere Tätigkeiten wie Controlling oder Kundenmanagement sind aus dem Remote Office möglich. Einen aktuellen Überblick über passende Remote Jobs und ihre Voraussetzungen findest du in unserem großen Guide.
Special: Home-Office im Ausland
Wie Remote Work bzw. Remote-Office im Ausland stellt auch die Arbeit aus dem Home-Office im Ausland eine attraktive Alternative des „New Work“ für Arbeitnehmer im und aus dem Ausland dar. Schließlich ermöglicht es in der modernen Arbeitswelt die Technologie vielen Menschen, von überall aus zu arbeiten, wie bspw. auch aus dem Ausland. Dies hat das Konzept des Home-Offices weit über die Grenzen eines Landes hinaus erweitert. Doch während dies auf den ersten Blick eine attraktive Option für Arbeitnehmer sein mag, birgt es potenziell erhebliche rechtliche und steuerliche Herausforderungen für die Arbeitgeber. Doch insbesondere steuerlich und arbeitsrechtlich gibt es hier Einiges zu beachten!
Zustimmung des Arbeitgebers
Wer aus dem Ausland arbeiten möchte, braucht in der Regel die ausdrückliche Zustimmung des Arbeitgebers. Es gibt kein generelles Recht auf Home-Office im Ausland. Viele Unternehmen verlangen sogar eine Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag, wenn der Wohnsitz (auch temporär) ins Ausland verlagert wird.
Steuerliche Pflichten und Belastungen beim Arbeiten im Ausland
Wenn ein Arbeitnehmer von einem anderen Land aus arbeitet und beispielsweise Verträge abschließt, könnte dies nach dem Recht des betreffenden Landes als Betriebsstätte angesehen werden. Das hat zur Folge, dass das Unternehmen steuerlichen Pflichten und Belastungen ausgesetzt sein könnte. Diese reichen von Registrierungs- und Deklarationspflichten bis hin zu Anforderungen an die Gewinnabgrenzung, die im Falle einer Nichtbeachtung Strafen und Bußgelder nach sich ziehen können. Es ist daher dringend ratsam, dass Arbeitgeber vorab die entsprechenden nationalen Rechtsvorschriften und etwaige Doppelbesteuerungsabkommen prüfen. Insbesondere sollte überprüft werden, ob die Tätigkeit des im Ausland ansässigen Arbeitnehmers im Aufenthaltsland eine Steuerpflicht auslöst. Ein wesentlicher Schritt in diesem Prüfprozess ist die Klärung, ob zwischen dem Aufenthaltsstaat des Arbeitnehmers und dem Sitzstaat des Unternehmens ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Wenn ja, muss im nächsten Schritt geklärt werden, ob die Steuerpflicht aufgrund der Regelungen dieses Abkommens möglicherweise entfällt. Diese Abkommen sind darauf ausgerichtet, die doppelte Besteuerung von Einkommen zu verhindern, die in beiden Vertragsstaaten erzielt werden könnten.In Anbetracht der potenziellen Komplexitäten ist es für Arbeitgeber dringend zu empfehlen, sich von Experten auf dem Gebiet des internationalen Steuerrechts beraten zu lassen. Unternehmen sollten auch Richtlinien für das Arbeiten aus dem Ausland entwickeln, die klare Anweisungen und Grenzen setzen, um ungewollte rechtliche und steuerliche Konsequenzen zu vermeiden.
Die 183-Tage-Regelung
Ein besonders wichtiger Punkt ist die sogenannte 183-Tage-Regelung: Wer sich mehr als 183 Tage im Jahr im Ausland aufhält und dort lebt, wird in der Regel auch dort steuerpflichtig – selbst wenn das Gehalt weiterhin von einem deutschen Arbeitgeber gezahlt wird. Insbesondere wenn ein sogenannter „gewöhnlicher Aufenthalt“ besteht, kann eine Steuerpflicht im Aufenthaltsland entstehen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten deshalb prüfen, wo die Steuerpflicht greift und ob ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Aufenthaltsland besteht.
Arbeitsrechtliche Fragen im Ausland
In vielen Ländern gelten andere arbeitsrechtliche Vorschriften. Arbeitszeiten, Kündigungsschutz, Urlaubstage – all das kann sich unterscheiden. Wer längerfristig im Ausland bleiben will, sollte diese Unterschiede genau prüfen.
Fazit: Planung für das Remote Office ist das A und O
Die Arbeit aus dem Remote Office bietet dir die Möglichkeit, die Welt zu sehen, Zeit mit deiner Familie zu bringen und gleichzeitig flexibel zu arbeiten. Damit dein individuelles Arbeitsmodell nicht zur Kostenfalle wird, solltest du im Vorhinein die Finanzierung planen. Die Tipps zum Kosten sparen helfen dir, den Traum vom selbstbestimmten Arbeiten zu leben.
FAQ: Häufige Fragen zu Remote Work und Home-Office im Ausland
Was ist der Unterschied zwischen Remote Work und Home-Office?
Remote Work ist ortsunabhängiges Arbeiten. Home-Office ist eine Sonderform davon – nämlich das Arbeiten von zu Hause aus.
Kann ich einfach so aus dem Ausland arbeiten?
Nein, du brauchst die Zustimmung deines Arbeitgebers und musst rechtliche sowie steuerliche Fragen klären.
Welche Länder eignen sich für Remote Work?
Länder mit guter Infrastruktur, Workation-Angeboten und digitalen Visa – etwa Portugal, Thailand oder Spanien.
Welche Risiken gibt es?
Steuerliche Pflichten, Sozialversicherung im Ausland, arbeitsrechtliche Unterschiede und potenzielle Sicherheitsrisiken.
Was muss ich vorbereiten?
Eine solide technische Ausstattung, ein geeigneter Standort und eine vertragliche Regelung mit dem Arbeitgeber.