Yoga begeistert mich schon seit vielen Jahren: Bewegung, Konzentration und Entspannung – alles auf einmal, einfach fantastisch. Schon lange hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach Indien zu fliegen, um die Lehre dort an ihrem Ursprung zu erleben. Fernab vom Alltag. Ohne jeglichen Luxus.
Kurz vor Abschluss meines Studiums fasste ich dann all meinen Mut zusammen und machte meinen Traum zur Realität. Statt eines Yoga-Urlaubs oder eines Ashram-Besuchs entschied ich mich jedoch für eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin. Wenn schon, denn schon – dachte ich mir. Es war eine Entscheidung, die ich in keinem Moment bereute.
Aussteiger- und Yogaparadies: Goa
Kulturschock, adé! Da ich mich ganz bewusst alleine auf den Weg machte und es mein erstes Mal Indien sein würde, entschied ich mich für das westlich geprägte Goa. Der kleinste indische Bundesstaat an der mittleren Westküste Indiens ist nicht umsonst als „Aussteiger-Paradies“ bekannt: Die Menschen dort sind offen, freundlich und entspannt, die Strände sind gigantisch, die Partys unbeschreiblich. Doch Goa ist nicht nur für sein reges Nachtleben bekannt, sondern auch als Oase für Yogis aus aller Welt. Unzählige Yoga-Schulen bieten Wellness-Retreats, Massagen, Workshops und Ausbildungen an. Egal ob Anfänger/in, Wiedereinsteiger/in oder Profi – in Goa findet sich für jeden Yoga interessierten Menschen eine passende Auszeit.
Perspektivwechsel: von der Schülerin zur Lehrerin in 4 Wochen
Meine Wahl fiel auf Trimurti Yoga, eine Yoga-Schule, die bei der internationalen Yoga-Allianz registriert ist. Der Ansatz der Schule: Multistyle-Yoga mit professionellen Lehrerinnen und Lehrern aus verschiedenen Ländern, deren Unterrichtsstile von unterschiedlichen Traditionen geprägt sind.
Das Programm war allerdings „nicht ganz ohne“: Vier Wochen lang um sechs Uhr morgens aufstehen, bereits vor dem Frühstück mehrere Stunden in der Hitze Yoga praktizieren und meditieren, die anatomischen Grundlagen der Übungen verstehen, die fernöstliche Philosophie verinnerlichen und schließlich auch noch selbst Yoga unterrichten – natürlich auf Englisch.
Ein typischer Tagesablauf der Yoga-Ausbildung in Goa:
06:30 – 07:30
Atemübungen, Meditation und Mantras singen
07:30 – 09:00
Asanas Praxis (Yoga-Stunde)
09:00 – 10:00
Frühstück
10:00 – 11:20
Physiologie und Anatomie
11:40 – 13:00
Kunst des Lehrens
13:00 – 14:00
Mittagessen
14:00 – 15:30
Philosophie
15:45 – 17:15
Praktikum (Unterrichten in Kleingruppen)
17:30 – 19:00
Abend Asanas Praxis (Yoga-Stunde)
19:00 – 20:00
Abendessen
Insgesamt waren es 200 Stunden Unterricht in vier Wochen. Zum Abschluss wurde das theoretische und praktische Wissen geprüft: in drei Klausuren und einer praktischen Prüfung, in der jeder die gesamte Gruppe selbstständig unterrichten musste. Zu dem anstrengenden Tagesablauf und der enormen Menge an Informationen kamen die ungewohnten Lebensumstände: Ameisen und Spinnen im Badezimmer, Kakerlaken unter dem Bett und ein Hahn, der um drei Uhr morgens das erste Mal kräht. Guten Morgen, liebe Yogalehrlinge! Die ersten Wochen waren also nicht ganz leicht. Doch genau diese Lebensumstände gehören eben auch zu der Erfahrung, die ich nicht missen möchte: Sich selbst zurückzunehmen und auf das Wesentliche zu konzentrieren. Pizza, Kaffee, warme Dusche – wer braucht diesen Luxus schon wirklich?
Eine Ausbildung als Yogalehrer/in in Indien zu absolvieren bedeutet auch, an die eigenen Grenzen zu stoßen und diese Schritt für Schritt zu überwinden. Was ziemlich anstrengend klingt, wurde aber – nachdem ich anfängliche physische und psychische Hürden bewältigt hatte – mit der Zeit immer entspannter. Ich genoss die Yoga-Stunden, überwand meine Selbstzweifel und orientierte mich immer stärker an der Philosophie der indischen Lehre. Ich übte mich nicht nur in Genügsamkeit und Zufriedenheit, sondern auch in Disziplin und Achtsamkeit – und lernte dabei etwas für’s Leben. Denn Yoga ist nicht nur Sport oder Entspannung, sondern eine Lebenseinstellung, die positive Effekte auf Körper, Geist und Seelehat. Ich habe mein Durchhaltevermögen selbst auf die Probe gestellt, mein Selbstbewusstsein damit nachhaltig gestärkt und ganz nebenbei noch etwas für die Gesundheit getan. Außerdem habe ich viele nette Menschen aus aller Welt kennen gelernt und meine Englischkenntnisse aufgefrischt. Und das Beste: Mit dem Zertifikat darf ich nun überall auf der Welt Yoga unterrichten.
Sinnvoll kombinieren: Freiwilligenprojekte
Die einzige Entscheidung, die ich im Nachhinein bereue: Dass ich nicht länger in Indien geblieben bin. Daher empfehle ich allen, die eine Yoga-Ausbildung oder einen Yoga-Urlaub in Indien planen: Nutzt die Gelegenheit, schon einmal vor Ort zu sein und verbindet den Aufenthalt mit einer anderen „Auslandszeit“.
Indien ist so ein spannendes Land, in dem es viel zu entdecken gibt. Doch bei all den touristischen Angeboten – und gewissermaßen lassen sich auch Yoga-Aufenthalte darunter einordnen – dürfen wir nicht vergessen, dass es ein von Armut geprägtes Land ist. Freiwilligenprojekte sind eine gute Möglichkeit, um das Land und die Kultur aus einem anderen Blickwinkel kennenzulernen und sich sinnvoll einzubringen.
Weitere Informationen zur Freiwilligenarbeit in Indien:
Danke für deinen tollen Bericht Patrizia, ich selbst bin nämlich genau an der selben Yogaschule interessiert.
Darf ich fragen wie viel Vorkentnisse du in etwa hattest oder was du empfehlen kannst vorab „zu können“? Ich bin mir nicht sicher ob 1,5 Jahre Yogakenntnisse (ca. 3x die Woche) reichen… sportlich, motiviert und zielstrebig bin ich.
Aber das ist doch etwas ganz anderes.
Hat man auch einen „day off“ während der Ausbildung um beispielsweise Goa ein wenig zu erkundigen?
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Danke für deinen tollen Bericht Patrizia, ich selbst bin nämlich genau an der selben Yogaschule interessiert.
Darf ich fragen wie viel Vorkentnisse du in etwa hattest oder was du empfehlen kannst vorab „zu können“? Ich bin mir nicht sicher ob 1,5 Jahre Yogakenntnisse (ca. 3x die Woche) reichen… sportlich, motiviert und zielstrebig bin ich.
Aber das ist doch etwas ganz anderes.
Hat man auch einen „day off“ während der Ausbildung um beispielsweise Goa ein wenig zu erkundigen?
Vielen lieben Dank vorab!
Magdalena
hallo
herzlichen dank für den tollen Artikel.
Ich bin momentan auf der Suche nach einen Ort wo ich die Yoga ausbildung machen möchte, doch ich habe ein paar fragen dazu :
Kann man die Ausbildung dort machen , wenn man im englishen nicht gut ist. Also ich kann mich gut veratändigen , doch nicht sehr gut.
kann man mit dieser Ausbildung auch in Deutschland auch als Yogalehrer/in arbeiten?
und was hat dir die Ausbildung mit Verpflegung gekostet (:
und danke für den Tipp mit dem Freiwillige Projekte und Arbeiten werde ich auf alle Fälle machen.
lieben dank