Work & Travel USA: „Ich habe mich wie im Film gefühlt“

Viele verbinden die Vereinigten Staaten immer noch mit dem amerikanischen Traum. In punkto Praktika oder Work and Travel lässt sich dieser allerdings nicht so einfach verwirklichen, wie viele sich das vorstellen. Bisher greifen wenige Plattformen im Internet diese Thematik auf, vielen fehlt es zudem an Ausführlichkeit und Aktualität. Auf www.work-and-travel-usa.de gibt es Informationen zu den verschiedenen J-1 Programmen, Visavoraussetzungen, Erfahrungsberichte uvm. Laura Stephan, 26 und Betreuerin der Plattform, war selbst als Camp Counsellar in den USA und hat ihren Aufenthalt mit Work and Travel ausklingen lassen. In einem Interview hat Sie uns davon berichtet und erklärt was www.work-and-travel-usa.de so besonders macht.

w&t/magazin: Laura, du bist unsere Expertin für Work and Travel in den USA, nicht zuletzt, weil du selbst nach deinem Abitur als Camp Counsellar gearbeitet hast. Warum hast du dich damals genau dafür entschieden?

Laura: Ich wollte die Zeit zwischen Abi und Studium nutzen um etwas zu erleben, etwas von der Welt zu sehen.  Das mit dem Feriencamp in Amerika hatte ich zum ersten Mal in der Zeitung gelesen – eine ehemalige Teilnehmerin hat berichtet. Das Camp war perfekt für mich, weil der Zeitraum auf den Sommer begrenzt war (ich wollte nicht zuviel Zeit bis zum Studium „verschenken“), außerdem konnte ich mir mit dem Taschengeld das Reisen finanzieren und die Tatsache, dass ich zunächst eine feste Anlaufstelle habe mit Verpflegung und Unterkunft und Leuten in meinem Alter hat mir eine gewisse Sicherheit gegeben u. auch meine Eltern beruhigt. Ein Work & Travel, bei dem ich alles selbst organisiere und noch keine feste Anlaufstelle habe und alleine von Job zu Job reise konnte ich mir mit 19 noch nicht vorstellen.

w&t/magazin: Gerade Ferienfreizeiten spielen ja auch in vielen US-Filmen wie beispielsweise American Pie oder Camp Rock eine Rolle, hat man sich das so vorzustellen?

Laura: Definitiv. Ich habe mich immer wie im Film „Ein Zwilling kommt selten allein“ gefühlt: Die kleinen Hütten, die Landschaft mit See, die vielen unterschiedlichen Sportangebote und die Mädels die abends zusammen in Ihren Hütten auf Ihren Betten hockten und irgendwelche Streiche ausheckten.  Ich war nämlich in einem reinen Mädchencamp. Der einmalige Besuch des benachbarten Jugencamps oder das vorbeipaddeln mit dem Kanu hat die Mädchen immer völlig aus dem Häuschen gebracht. Ganz so extrem wie in Camp Rock oder American Pie war es aber nicht, da ich in keinem Specialized Camp war.

w&t/magazin: Was war dein bestes Erlebnis während deiner Campzeit?

Laura als Camp Councelorin in einem Summercamp in den USA
Laura war als Camp Councelorin in einem Summercamp in Maine (USA).

Laura: Es gibt zwei Erlebnisse, die mir am besten gefallen haben: Einmal der Campingausflug auf eine einsame Insel in einem Naturschutzgebiet. Wir sind mit dem Boot dorthin gefahren und dann auf einem offenen Transporter durch die Landschaft zu unserem Zeltplatz gefahren. Wir haben verschiedene Aussichtspunkte und Tiere beobachten können und hatten zu drei Betreuern nur eine kleine Gruppe von den jüngeren Mädels zu betreuen. Wir haben unsere Zelte aufgeschlagen am Lagerfeuer gekocht, gesungen und Spiele gespielt. Super idyllisch und Natur pur ;) Das 2. Erlebnis war die Zeit, als die Kinder gerade abgereist waren und wir Counsellor noch eine Woche das Camp winterfest gemacht haben. Wir sind alle zusammen auf 2-3 Hütten gezogen. Es war als wären wir jetzt die Campteilnehmer. Wir haben bis spät in die Nacht gequatscht und Spaß gehabt.

w&t/magazin: Musstest du bestimmte Voraussetzungen mitbringen, oder hast du vorher schon mal was Ähnliches gemacht?

Laura: Ich musste verschiedene Zeugnisse über meine Persönlichkeit und Arbeitsweise vorlegen, sowie spezielle sportliche Fähigkeiten mitbringen. Da ich selbst Leichtathletik gemacht und in der Schule auf der Kanu-AG war habe ich mir von meinen Trainern Zeugnisse ausstellen lassen. Außerdem habe ich damals selbst als Leichtathletik-Trainerin für 7-9-Jährige gearbeitet. Das war bestimmt ein Vorteil, aber nicht ausschlaggeben. Wichtiger waren die eigenen sportlichen Leistungen/ Erfahrungen.

w&t/magazin: Wie lange hast du damals gearbeitet und mit wieviel konntest du dann dein Reisebudget aufstocken?

Laura: Ich habe insgesamt 9 Wochen im Camp gearbeitet. Die Kinder waren 6 Wochen da und dann hatten wir noch die Vorbereitungszeit vorher (da habe ich z.B. einen Kanu-Kursus und 1.Hilfe Kursus belegt) und dann die Zeit nach der Abreise der Kinder, als wir das Camp winterfest gemacht haben. Zum Ende habe ich für meinen gesamten Aufenthalt einen Check über 1200 US-Dollar bekommen. Das ist verhältnismäßig viel, da ich die alleinige Verantwortung für den Kanubereich hatte. Normal ist ein Taschengeld von 600 bis 950 US-Dollar. Insgesamt habe ich für meinen kompletten Campaufenthalt, inkl. Flug und anschließendes Reisen nur 120 € auf meinen Lohn draufzahlen müssen!

w&t/magazin: Dein  Camp war in Maine, was konntest du dort noch so anstellen?

Laura: Da das Camp sehr abgelegen lag, konnte man leider nicht so viel anstellen, weil die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel sehr schlecht waren. Außerdem hatten wir nur einen ganzen Tag und einen halben Tag pro Woche frei. Wir haben dann die freie Zeit genutzt um einfach mal rauszukommen aus dem Camp. Entweder wir sind mit dem Fahrrad in die Innenstadt gefahren und haben dort ein bisschen am See entspannt. Oder wir sind mit dem Taxi in das nächste Shoppingcenter gefahren, wo es einen Walmart, ein paar Shops und ein Kino gab. Einmal hatte ich das Glück mit einer anderen Betreuerin, die aus Maine kam mit dem Auto mit ihr nach Hause, nach Portland, der Hauptstadt von Maine zu fahren.

Laura hat auf ihrem Trip entlang der Ostküste auch Washington besucht.
Nach der Zeit im Camp war Laura entlang der Ostküste unterwegs.

w&t/magazin: Nachher bist du rumgereist, wie genau war deine Reiseroute und was waren deine Highlights?

Laura: Ich bin einmal die Ostküste entlang von Maine bis Miami gereist. Stationen waren Boston, New York, Washington D.C., Charleston (in South Carolina), St. Augustine (Florida) und Miami Beach. Meine Highlights waren eindeutig die südlicheren Städte. Ich fand das Flair und die Architektur in Miami Beach super spannend und man konnte stundenlang im Meer baden, was so warm wie eine Badewanne war. Ein Highlight war auch auf jeden Fall Charleston, angefangen mit der sehr abenteuerlichen Reise dorthin auf der einiges schief ging: Bus ausgebucht, 6 Stunden warten auf neuen Bus, zwielichtige Menschen, die ihre Ortskenntnisse anbieten und dann Geld für Weg zeigen verlangen, das viel zu späte ankommen in der Hostel, das Bett was ich gebucht hatte belegt und Übernachtung auf der Couch im Männerdorm. Die netten Traveller in der Hostel, die klassische amerikanische Hausparty im Haus nebenan inkl. Bier aus Plastikbechern und Polizeieinsatz, die Hängematte vorm Haus, das romantische Städtchen mit Märkten, alten Herrenhäusern und Pferdekutschen haben das ganz dann wieder wettgemacht.

w&t/magazin: Was sollte man für ein Typ sein, um Spaß daran zu haben?

Laura: Man muss auf jeden Fall offen und kontaktfreudig sein. Wenn man schwer auf andere Leute zu gehen kann, wird das Camp eine sehr harte und einsame Zeit. Außerdem sollte man stresserprobt sein. Man hat wenig Freizeit und trägt viel Verantwortung, ist den ganzen Tag für die Kids im Einsatz. Das Leben in der freien Natur sollte man auch mögen, man ist praktisch bei jedem Wetter permanent draußen und man sollte sich auf relativ primitive Unterkünfte einstellen.

w&t/magazin: Hast du seitdem noch einmal woanders Work and Travel gemacht?

Laura: Work & Travel nicht, aber ich war während meines Studiums für ein Auslandssemester in Argentinien. Und das Jahr nach dem Camp habe ich meinen Rucksack wieder gepackt und habe auf einer Interrail-Tour durch Großbritannien einige von meinen ehemaligen Kollegen aus dem Camp besucht.

w&t/magazin: Man ist ja bei Work and Travel in den USA nicht so frei wie in NZ oder Australien. Hast du das als Belastung empfunden?

Laura: Im Gegenteil. Für mich war das eher beruhigend. So hatte ich die Chance, die Amerikaner, das Land, die Sprache erstmal in einem kleinen Umfeld kennenzulernen. Ich hatte die Sicherheit, dass ich einen festen Lohn habe, feste Anlaufstellen für den Notfall, und eine feste Gruppe an Kollegen, in der ich auch schnell Freunde gefunden habe. Das hat mir viele Selbstbewusstsein und Mut gegeben um anschließend dann erst mit ein paar Kollegen und dann ganz alleine durch die USA zu reisen. Auch hatte ich ein großzügiges Budget für die Reise und musste mir keine Gedanken machen wie ich zu neuem Geld komme. Ich konnte das Reisen voll und ganz genießen.

w&t/magazin: Hättest du dir damals gewünscht, auch so ein Infoportal wie Work and Travel USA zu haben?

Laura: Ja, auf jeden Fall. Das mit dem Visumsantrag war schon sehr kompliziert, obwohl mich meine Organisation sehr gut beraten hat. Aber da hätte ich mir schon gewünscht etwas mehr  Informationen im Netz zu bekommen. Ich habe damals der Organisation ganz blauäugig vertraut. Das hätte auch schief gehen können. Mir war auch gar nicht bewusst, was ich noch für andere Möglichkeiten an Work & Travel in den USA gehabt hätte. Vielleicht hätte ich mich dann auch für ein anderes J1-Programm entschieden.  Zumindest hätte ich auch ein paar unterschiedliche Anbieter miteinander verglichen. Aber all dieses Hintergrundwissen hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht…

Laura am Strand von Florida
Laura hätte sich damals auch schon ein Portal gewünscht was ihr die komplizierten Visakriterien erklärt.

w&t/magazin: Was ist an dem Portal so besonders?

Laura: Das Portal ist besonders, weil es ganz objektiv aufzeigt, welche Möglichkeiten es für Work & Travel in den USA gibt und welche Voraussetzungen man mitbringen muss. Bei meiner Recherche für das Portal bin ich auf ganz viele unterschiedliche Seiten gestoßen, die noch viele Fragen offen gelassen haben und die teilweise unterschiedliche Informationen hatten.  Insbesondere der Teil zum Visum ist sehr ausführlich und geht ins Detail, weil das Visum der ausschlaggebende Punkt ist ob man an einem Work und Travel Programm teilnehmen kann oder nicht. Das Portal soll einfach umfassend und korrekt informieren und man soll sich nicht dazu gedrängt fühlen bei einem bestimmten Veranstalter buchen zu müssen. Es ist praktisch eine Handlungsanleitung wie man sein Work & Travel in den USA am besten plant. Ich denke es ist auch besonders, weil ich dort meine eigenen Erfahrungen mit einbringen kann und weiß welche Informationen wichtig sind.

w&t/magazin: Das Portal ist ja bereits online und liefert viel Input, was können Interessierte künftig noch alles erwarten?

Laura: Die einzelnen Themenbereiche sollen auf jeden Fall noch mit zusätzlichen Informationen und Beispielen ergänzt werden. Außerdem  wird es noch Expertentipps von Christian Wack von Smaller Earth (unser J1-Spezialist) geben.  Im Magazinteil ist noch Platz für aktuelle Themen und Berichte oder auch Erfahrungsberichte von anderen Work & Travellern. Wenn alles glatt läuft gibt es auch bald einen Test mit dem ihr checken könnt, welches J1-Programm für euch in Frage kommt. Hinzu kommt noch eine Facebook Gruppe, in der man mit anderen Interessierten über das Thema diskutieren kann.

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