Arbeiten im Hostel. So kann es gehen. Die kanadische Hostel Managerin Wendy im Interview

| 02. 05. 2015 | 4 Kommentare
Whaler on the Point Tofino

Arbeit mit Aussicht. Das Whalers on the Point in Tofino.

Hostels waren schon immer der zentrale Anlaufpunkt der Backpacker-Szene. Der Basar auf dem Reisetipps und Abenteuer ausgetauscht werden, neue Freundschaften geschlossen werden und Energie für den nächsten Trip getankt wird. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nötigen verbinden und in einem Hostel arbeiten? Aber geht das überhaupt so einfach? Was gibt es dort für Jobs und wie kommt man an diese heran? Ein Beispiel für ein Hostel in dem Work and Traveller nicht nur als Gäste gern gesehen sind, ist das Whalers on the Point im kanadischen Surfmekka Tofino. Das etablierte YHA-Gasthaus mit großer Geschichte und einem atemberaubenden Ausblick auf die Wildnis der pazifischen Westküste bietet Work and Travellern verschiedene Anstellungsmöglichkeiten. Im Gespräch mit der Managerin des Whalers on the Point, Wendy Hainstock, konnte Philipp vom w&t/magazin erfragen was es dort genau für Möglichkeiten gibt, was man an Kenntnissen mitbringen sollte und wie sich der Bewerbungsprozess gestaltet.

 

w&t/magazin: Wann wurde das Whalers on the Point gegründet?

Wendy: Unser Hostel wurde vor gut 15 Jahren gegründet. Das Haus selbst war vorher ein stattliches Herrenhaus und hat eine lange Geschichte hier in Tofino. Beim Umbau hat der Besitzer darauf geachtet den ursprünglichen Charme so gut es geht zu erhalten was aus meiner Sicht auch sehr gut gelungen ist.

 

Whalers on the Point

Kein schlechter Arbeitsplatz. Das Whalers in Tofino.

w&t/magazin: Was für Unterkunftstypen bietet das Hostel an?

Wendy: Wir sind ein typisches Hostel und Mitglied im YHA Hostelling International Verband. Wir bieten von daher die gesamte Bandbreite an Zimmertypen an – von Mehrbett Dorms über Einzel- und Doppelzimmer bis zu größeren Familienzimmern. Interessanterweise geht der Trend und die Nachfrage in der letzten Zeit verstärkt in Richtung Einzel- und Doppelzimmer. Die Mehrzahl unserer Gäste ist zwischen 18 und 34 Jahren alt.

 

w&t/magazin: Was für Jobs und Positionen gibt es im Hostel auf die man sich bewerben kann?

Wendy: Im Endeffekt gibt es zwei große Felder auf die man sich bewerben kann. Da ist zum einen das Housekeeping. Typische Tätigkeiten sind hier zum Beispiel die Herrichtung der Zimmer und Betten nachdem der Gast ausgecheckt hat, das Waschen und Sortieren der Wäsche und die Reinigung der Gemeinschaftsräume. Das zweite Feld ist der Front Desk. Hier checkt man Gäste ein, übernimmt Reservierungen und Buchungen und beantwortet Anfragen der Gäste. Zudem haben wir auch ein so genanntes Adventure Center in dem die Gäste Touren und Ausflüge in und um Tofino buchen können. Auch das übernimmt das Frontdesk-Personal.

 

Tofino View

Fireplace mit Aussicht.

w&t/magazin: Wie viele Angestellte habt ihr während der Saison?

Wendy: Wir haben meist zwei Personen im Frontdesk- Bereich, wobei eine Position Vollzeit ist. Daneben haben wir 3-4 Housekeeping-Angestellte, einige in Vollzeit und andere in Teilzeit. Daneben bieten wir auch so genannte Work Stays an. Hierbei arbeitet man für ein paar Stunden täglich und bekommt dafür kostenlose Unterkunft und jede Menge Spaß geboten.

 

 

w&t/magazin: Stellt ihr auch Traveller ein, die auf dem Working Holiday Visum in Kanada sind?

Wendy: Definitiv, und das auch durchaus häufig und für alle Positionen. Allerdings sollte man sich schon für ein Minimum von 3 bis 6 Monaten verpflichten. Ansonsten macht das Training und die Einarbeitung nicht viel Sinn. Aktuell haben wir Angestellte aus Deutschland, Belgien, England und natürlich Kanada. Bunt gemischt also.

 

w&t/magazin: Was sind eure Erfahrungen mit Work and Travellern?

Wendy: Ich finde das klasse und für uns hier ist das definitiv eine Bereicherung, sowohl kulturell als auch für unsere tägliche Arbeit. Zum Beispiel bekommen wir im Sommer sehr viele Gäste aus Deutschland. Bewerber mit Deutschkenntnissen sind von daher immer sehr willkommen. Von solchen Sprachkenntnissen profitieren wir ungemein.

 

Frontdesk Service Hostel

Die Jobs am Frontdesk sind durchaus begehrt.

w&t/magazin: Was sind die Anforderungen für eine Anstellung im Whalers on the Point? Was für Fähigkeiten muss man für das Arbeiten im Hostel mitbringen?

Wendy: Das Wichtigste sind sehr gute Englischkenntnisse. Das ist ein absolutes Muss. Daneben sind, wie bereits erwähnt, weitere Sprachkenntnisse ein großer Vorteil. Sofern man sich für eine Frontdesk-Position bewirbt, sollte man wegen der Arbeit mit unserem Reservierungssystem auch solide Computerkenntnisse mitbringen. Bewirbt man sich für den Housekeeping-Bereich, sollte man idealerweise bereits Erfahrungen in dem Bereich haben. Viele Kenntnisse heutzutage sind ja übertragbar, von daher fordern wir nicht zwingend Erfahrung im Hotellerie-Bereich. Erfahrungen im Kundenservice, egal in welchem Bereich, ist immer ein Vorteil. Ansonsten zählen insgesamt eine positive und offene Einstellung und ein hohes Maß an Flexibilität. Flexibilität zum einen weil hin und wieder auch Aufgaben anfallen, die nichts mit der Position zu tun haben. Zum Beispiel hilft das Frontdesk-Personal auch schon mal mit der Wäsche wenn wirklich Not am Mann ist. Und Flexibilität zum anderen weil man auch nach Feierabend schon mal von Gästen angesprochen wird. Zu Guter Letzt müssen wir uns auf unsere Angestellten verlassen können.  Gerade in der hektischen Hauptsaison ist verlässliches Personal enorm wichtig für uns.

 

Kanada Westcoast

Der Blick aus dem Gemeinschaftsraum.

w&t/magazin: Wann genau ist für euch Hauptsaison und wann sollte man sich am besten bewerben?

Wendy: Unsere Hauptsaison beginnt bereits im Mai und geht dann so richtig Ende Juni los. Die Monate mit den meisten Buchungen sind ganz klar Juli und August. Dieses Jahr waren wir jedoch schon früh im Jahr sehr gut gebucht. Unser erstes Personal stellen wir bereits im Januar ein. Dies ist dann meist jemand für den Frontdesk, der quasi das neue Jahr einläutet. So richtig geht die Einstellungsphase dann aber erst Mitte März los. Das wäre auch meine Empfehlung für den optimalen Bewerbungszeitpunkt. Außerdem ist mein Tipp bei den Bewerbungen hartnäckig zu sein. Hakt ruhig nach wenn ihr keine Antwort bekommt, denn wir sind oft sehr stark eingebunden so dass eine Bewerbung auch schnell einmal untergehen kann.

 

w&t/magazin: Wie genau gestaltet sich der Bewerbungsprozess? Nutzt ihr auch Skype oder bevorzugt ihr persönliche Vorstellungsgespräche?

Wendy: Die meisten Bewerber sind bereits im Land und kommen persönlich vorbei. Die Chance auf diese Art und Weise angestellt ist wesentlich höher denn nur so kann ich wirklich die Energie und Persönlichkeit meines Gegenübers spüren. Aber wir nutzen auch Skype. Tatsächlich bin ich gerade dabei jemanden anzustellen, mit dem ich ausschließlich über Skype kommuniziert habe.

 

Ausblick Hostel

In den Gemeinschaftsräumen ist immer etwas los.

w&t/magazin: Wie viele Stunden pro Woche arbeiten die Angestellten bei euch?

Wendy: Die Vollzeitangestellten arbeiten ganz regulär 40 Stunden die Woche. Das Ganze auf zwei Schichten verteilt: 7 bis 3 Uhr und 3 – 11 Uhr. Bei den Teilzeitkräften ist es unterschiedlich und kommt auf den Bedarf an. Bei den erwähnten Work Stays verhält es sich ähnlich. Dafür bieten wir eine relativ gute Bezahlung und viele Extras wie zum Beispiel vergünstigte oder kostenlose Touren, unsere legendären Community-Dinner und natürlich ganz viel Spaß in einem internationalen Umfeld.

 

w&t/magazin: Zu Guter Letzt: Was sind aus deiner Sicht die besten Argumente für einen Work and Travel Aufenthalt in Tofino?

Wendy: Tofino und die Westküste an sich sind einfach wunderschön. Die Natur ist atemberaubend und das zieht eine bestimmte Sorte von Menschen an. Dadurch hat sich hier in Tofino eine ganz besondere Atmosphäre, ein ganz besonderer Vibe etabliert. Relaxed, offen und einfach herzlich. Man lernt hier unglaublich schnell Leute kennen, jeder grüßt einen auf der Straße und jeder hat ein Lächeln auf den Lippen. Das macht das Leben und Arbeiten hier so angenehm und so speziell.

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Seit er sich erinnern kann, ist Philipp mit dem Virus Wanderlust infiziert. Schon während der Schulzeit hat er ein Jahr als Austauschschüler im Mittleren Westen der USA verbracht. Nach dem Abitur hielt ihn nicht mehr viel und es ging erneut in die USA um mit seinem Gastbruder das Land zu erkunden. Nach dem Studium in Münster und Malta ging es zunächst für ein halbes Jahr nach Australien. Auf dem Work and Travel Visum zog es ihn quer durch den siebten Kontinent, wo sich der Anteil an Work im Vergleich zu Travel nach eigener Aussage aber eher in Grenzen hielt. Nach gut sechs Jahren in der Marketingbranche war es erneut Zeit auszusteigen. Philipp kündigte und reiste für ein Jahr durch ganz Südostasien. Seine Reise dokumentierte er in Bildern und Reportagen auf seinem Reiseblog ESCapology.eu, welches er auch noch heute weiterführt. Daneben schreibt Philipp für verschiedene Online-Portale und hin und wieder Reisemagazine.

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