Reittherapie in Südafrika

| 26. 08. 2014 | 2 Kommentare
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Ein Volunteer hilft bei der Reittherapie in Südafrika beim Healing Through Horses Projekt.

Die gemeinnützige Organisation you2africa sitzt in Constantia, einem Vorort von Kapstadt (Südafrika) und organisiert Freiwilligenarbeit-Projekte sowie High School Aufenthalte für internationale Teilnehmer. Eines dieser Projekte ist die Reittherapie „Healing Through Horses“, bei der man körperlich und geistig behinderten Kindern beim Reitunterricht hilft. Die Institution wurde bereits 2002 von Toby Dixon, einem Reisebegeisterten aus Schottland, gegründet. Toby beruft sich auf eine 20-jährige Erfahrung im Bereich Jugendtourismus und hat selbst 1998 als Volunteer mit dem Nobelpreisträger Desmond Tutu zusammen gearbeitet. Welche Aufgaben ein Volunteer bei der Reittherapie in Südafrika übernehmen kann, was so besonders an you2africa ist und warum auch du Freiwilligenarbeit in Kapstadt machen solltest, hat Kristin vom w&t/magazin erfragt.

Ein Freiwilligenarbeits-Projekt nahe Kapstadt

w&t/magazin: Hallo Toby! Erzähl doch erst einmal wie es zur Entstehung von you2africa kam?

Toby Dixon: Alles begann, als ich selbst 1998 unter der Obhut von Desmond Tutu im Bereich HIV Prävention Freiwilligenarbeit geleistet habe. Ich hatte durch das Volunteering eine Arbeit gefunden, die ich liebte und die mich veränderte. Ein wenig später kam ich dann zur Non-Profit Organisation SARDA (South African Riding For The Disabled), welche kostenlose Reittherapie für körperlich und geistig behinderte Kinder anbot. Die Organisation benötigte jedoch mehr Helfer für ihr Projekt und so begann ich zunächst einmal Freunde für mehrere Wochen zu mir einzuladen. Da jedoch nicht immer Freunde zu mir kommen konnten, überlegte ich mir meine eigene Non-Profit Organisation zu gründen um Leute aus aller Welt an Projekte zu vermitteln und die Projekte damit zu unterstützen. Im Jahr 2000 begann ich also die ersten Volunteers aus Schweden zu bekommen und zu vermitteln. Ich bot Ihnen Kost und Logis und sie konnten sich in dem Projekt engagieren. Heute haben wir insgesamt 38 Projekte an denen jährlich ca. 3000 Volunteers teilnehmen!

w&t/magazin: Wow, was für ein wundervoller Start für you2africa! Solch einen Einsatz wie you2africa zeigen nur wenige Organisationen. Wie bist du denn überhaupt nach Südafrika gekommen? Und welchen Beweggrund gab es für dich dort zu bleiben?

Toby Dixon: Geboren und aufgewachsen bin ich in Schottland, nach meinem Tourismus-Studium hat mich jedoch das Reisefieber gepackt und somit kam ich 1997 nach Kapstadt. Nachdem ich mich sowohl in die Stadt, das Land und eine südafrikanische Frau verliebte, wollte ich auf keinen Fall wieder zurück nach Schottland. Es war jedoch sehr schwierig eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Form eines Visums zu bekommen und so begann ich zunächst als Volunteer zu arbeiten. Ein Jahr später habe ich dann mein Visum erhalten und war unglaublich froh mein Leben hier gestalten zu können.

Reittherapie Südafrika - Volunteer Unterbringung

Die Unterkunft der Volunteers in dem Reittherapie-Projekt mit einem atemberaubenden Ausblick.

w&t/magazin: Du scheinst wirklich tolle Erfahrungen vor Ort gemacht zu haben und machen wir uns nichts vor: wer wäre jetzt gerade nicht gerne in Kappstadt? Wo genau befindet sich das Projekt denn und wie sind die Volunteers untergebracht?

Toby Dixon: Das Projekt befindet sich auf einer großen Farm in Constancia, einem südlichen Vorort von Kappstadt. Die Gegend besitzt noch viel unberührte Natur, was nicht nur für die Volunteers, sondern auch für die teilnehmenden Kinder und Pferde gut ist. Die Volunteers wohnen entweder in unserer Gasthütte, welche sich direkt an unserem Wohnhaus befindet, oder sie kommen auf Wunsch in eine Gastfamilie die auch in unmittelbarer Nähe wohnt. In der Gastfamilie essen sie gemeinsam mit der Familie, während sie in den Gasthütten Lebensmittel bekommen, um sich selbst zu verpflegen. Wir achten sehr darauf, dass die Volunteers nicht mehr als 5 Minuten Fußweg bis zu den Pferdestellen haben, schließlich haben sie immer einen anstrengenden Tag vor sich. Außerdem wollen wir sie im Blick haben, denn auch wenn es hier nicht sehr gefährlich ist, wir sind für die Volunteers verantwortlich und wollen uns gut um sie kümmern!

Als Volunteer gilt: Safety First!

w&t/magazin: Apropos Sicherheit: Viele Leute sagen Kappstadt sei eine der gefährlichsten Städte, wie sicher ist es für die Volunteers vor Ort?

Toby Dixon: Ich weiß, dass viele Eltern sich große Sorgen um ihre Kinder machen die zu uns nach Kapstadt kommen. Ich kann den besorgten Eltern nur immer wieder sagen, dass Constancia ein reicher Vorort von Kappstadt ist und man sich hier wirklich sicher fühlen kann. Natürlich haben wir auch strikte Regeln für die Volunteers an die sie sich zum Schutze ihrer Sicherheit halten müssen. Zum Beispiel dürfen Volunteers nachts nur in einer Gruppe und per Taxi oder Chauffeur raus, Zug und Bus sollten vermieden werden und auch tagsüber an freien Tagen sollten sie nach Möglichkeit in einer Gruppe bleiben.

w&t/magazin: Es ist wirklich gut zu wissen, dass ihr euch sehr um das Wohl und die Sicherheit eurer Volunteers kümmert. Wie sieht denn der Tagesablauf eines Volunteers aus?

Toby Dixon: In dem Reittherapie-Programm (Healing Through Horses) dreht sich der ganze Tag natürlich so gut wie nur um die Pferde. Die Volunteers arbeiten montags bis freitags von 8.30 Uhr bis ca. 17.30 Uhr und am Wochenende haben sie Freizeit. Die Arbeit beginnt morgens um 8.30 Uhr mit der Vorbereitung der Pferde, (d.h. Putzen, Satteln, Auftrensen) bis dann um 9.00 Uhr die erste Reitstunde mit den Kindern beginnt. Hier haben die Volunteers die Aufgabe den Kindern bei der Vorbereitung zu helfen, z.B. Hilfe beim Helmaufsetzen und Aufsitzen des Kindes auf das Pferd. Dann führen die Volunteers die Pferde oder halten die Kinder fest. Um 11.00 Uhr beginnt dann die nächste Reitstunde bei der die Volunteers wieder die gleichen Aufgaben haben. Nach dieser Reitstunde werden die Pferde dann abgesattelt, abgetrenst und wieder geputzt, danach haben die Volunteers eine große Mittagspause bis ca. 14.00 Uhr. Bevor die nächste Reitstunde um 15.30 Uhr beginnt werden die Pferde wieder vorbereitet und danach natürlich wieder versorgt. Auch wenn die Aufgaben sehr monoton klingen, jede Reitstunde ist ein anderes Erlebnis – sowohl für die Kinder als auch für die Volunteers. Die Kinder befinden sich alle auf einem unterschiedlichen Niveau, manche benötigen eventuell garkeine Sitzhilfe, andere wiederum können vielleicht garnicht alleine auf einem Pferd sitzen. Wie man merkt ist das natürlich körperliche Arbeit, die man nicht unterschätzen sollte. Die meisten Volunteers sind nach der Arbeit erschöpft und froh sich im Bett ausruhen zu können, schließlich ist man den ganzen Tag lang auf den Beinen.

w&t/magazin: Das klingt nach einer anstrengenden aber unglaublich erfahrungsreichen Arbeit! Werden Erfahrungen mit Pferden und/oder Kindern vorausgesetzt?

Toby Dixon: Nein, auch Leute ohne jegliche Erfahrung mit Pferden oder Kindern können hier teilnehmen. Natürlich ist es toll wenn man bereits Erfahrungen hat und diese ausbauen kann, allerdings kann man hier auch einiges lernen. Da man selbst nur sehr selten die Gelegenheit bekommt zu reiten, wird Reiterfahrung also nicht benötigt. Das Reiten ist ein Punkt über den viele Volunteers traurig sind, da sie gerne mehr ausreiten würden. Leider ist es uns oftmals jedoch nicht möglich ihnen Pferde zum Reiten anzubieten, denn diese werden tagsüber für die Reittherapie der Kinder genutzt und müssen sich ausruhen.

Vorbereitung für das Reithherapie-Projekt

Reittherapie Südafrika - Therapieprojekt "Healing through Horses"

Ein Volunteer bei der Reittherapie in Südafrika.

w&t/magazin: Ich denke das wird für die meisten Volunteers jedoch verständlich sein. Was denkst du wie lange ein Volunteer bei euch bleiben sollte und was kannst du für Tipps zur Vorbereitung geben?

Toby Dixon: Der Mindestaufenthalt bei uns beträgt 4 Wochen, schließlich müssen sich die Kinder und Pferde an den Volunteer gewöhnen und auch der Volunteer muss sich zunächst einmal hier eingewöhnen. Es dauert schon allein 1-2 Wochen, bis ein Volunteer sich an Südafrika und die Arbeit hier gewöhnt hat und erst dann scheint man wirklich angekommen zu sein. Als Grundlage sage ich immer: Desto länger man bleibt, desto mehr Erfahrungen und Eindrücke bekommt man. Wie soll man ein Land und seine Kultur innerhalb von 2 Wochen kennenlernen und verstehen? Es scheint mir unmöglich zu sein in so kurzer Zeit so viel mitnehmen zu können. Auch ich lerne immer noch dazu und ich lebe hier schon seit einer gefühlten Ewigkeit.
Zur Vorbereitung haben wir ein „orientation manual“, eine Art Guide indem hilfreiche Tipps und Tricks stehen. Außerdem nutzen wir die ersten drei Tage nach der Ankunft um den Volunteers Kapstadt und die Kultur Südafrikas näher zu bringen. Wir machen verschiedene Ausflüge, unter anderem natürlich nach „Cape Point“, starten Bowling Events, besuchen ein nettes Restaurant oder auch eine Bar. Uns ist wichtig, dass die Volunteers Spaß an ihrem Aufenthalt hier haben, schließlich kommen sie hier her um einen „once in a lifetime“ Trip zu haben und genau das wollen wir ihnen ermöglichen.

w&t/magazin: Da kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Die Vorbereitung und Ausflüge klingen toll! Gibt es besondere Anforderungen oder Sprachkenntnisse die ein Volunteer mitbringen sollte?

Toby Dixon:Natürlich wäre es toll wenn ein Volunteer ein fortgeschrittenes Level in Englisch mitbringen kann, allerdings ist das keines falls eine Voraussetzung. Man sollte einfach offen sein für Neues und bereit sein etwas dazu zu lernen. Die Leute die hier hin kommen haben oftmals eine interessante Geschichte und wollen sich hier neu entdecken und etwas an andere zurückgeben. Auch ich habe mich nach einer schweren Kindheit in Schottland bei der Freiwilligenarbeit neu entdeckt. Besondere Anforderungen an die Volunteers haben wir jedoch nicht. Sie sollten Spaß an der Arbeit haben, viele neue Freunde in ihr Herz schließen und die Zeit hier in vollen Zügen genießen.

w&t/magazin: Wie viele Volunteers können denn gleichzeitig an dem Healing Through Horses Projekt teilnehmen?

Toby Dixon: Das Maximum liegt bei 6 Teilnehmern die gleichzeitig hier am Healing Through Horses Projekt teilnehmen. Die Teilnehmeranzahl ist bewusst so niedrig gesetzt worden, um die Reittherapie dauerhaft nachhaltig gestalten zu können und den Volunteers den jetzigen Service weiterhin bieten zu können.

Warum am Reitherapie-Projekt in Südafrika teilnehmen?

w&t/magazin: Das klingt doch alles wirklich unfassbar toll, also ich würde bei Gelegenheit direkt in den Flieger steigen… Zum Schluss noch eine letzte Frage: Warum nun Freiwilligenarbeit mit you2africa in Kapstadt beim Healing Through Horses Programm leisten?

Toby Dixon: Weil es dieses Projekt in der Gestaltungsweise nur zweimal auf der Welt gibt, einmal in Argentinien und einmal bei uns in Südafrika. Das Projekt ist also schlichtweg einzigartig! Auch Kapstadt ist eine einzigartige Stadt die man nicht nur besuchen, sondern erleben sollte. Ich denke you2africa ist etwas ganz besonderes, denn wir sind eine der wenigen Non-Profit Organisationen auf dem Markt, bei der fast die Hälfte der gezahlten Gelder direkt in das Projekt fließen. Wir verdienen uns also keine goldene Nase an dem Geld was die Volunteers für die Freiwilligenarbeit bezahlen. Wir tun unsere Arbeit aus Liebe und Überzeugung für die Gemeinde und die bedürftigen Kinder!

Mehr Fotos vom Healing Through Horses Projekt:

 Für mehr Informationen über you2africa:

>> www.you2africa.com

Erfahrungsberichte aus dem Reittherapie-Projekt

>> Freiwilligendienst in Südafrika – Zwei Erfahrungsberichte

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Kategorie: Allgemein, Berichte & Interviews, Freiwilligenarbeit

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Schon als Kind war Kristin mit ihren Eltern oftmals im europäischen Ausland unterwegs. Durch einen Verwandten mit Wohnsitz in den USA kam sie in den Genuss schon früh die West Coast der Vereinigten Staaten zu erkunden. Mit 16 ging sie dann für ein Jahr in die USA nach Quincy (Illinois) wo sie in einer Gastfamilie lebte und eine amerikanische High School besuchte. Ihre Liebe zu den USA fand kein Ausmaß und sie fliegt seitdem jedes Jahr wieder „über den großen Teich“. Nach dem Abi wollte sie jedoch andere Sprachkenntnisse erlangen und Kulturen kennenlernen und ging für 4 Monate nach Buenos Aires, Argentinien. Dort hat sie Freiwilligenarbeit geleistet und bedürftigen Kindern Englisch beigebracht. Doch Südamerika ist groß, einige weitere Reiseziele waren Las Frailes (Ecuador), der Machu Picchu (Peru), sowie die Iguazu Wasserfälle an der Argentinisch-Brasilianischen Grenze. In ihrem Praktikum bei der INITIATIVE auslandszeit baut sie ihre redaktionellen Fähigkeiten aus und erweitert ihre Sicht über die verschiedenen Auslandszeiten. Ihr nächster Auslandsaufenthalt soll ein Praktikum in British Columbia, Kanada werden.

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