„So ein spannendes Leben will ich auch haben“

| 28. 05. 2014 | 2 Kommentare
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Felicia Hargarten hat ihr Notebook immer dabei und füttert von unterwegs ihren Blog „travelicia.de“

Viele träumen von einem Leben, wie es Felicia Hargarten führt. Sie reist als Digitaler Nomade zusammen mit ihrem Freund durch die Welt und arbeitet von unterwegs aus, füttert unter anderem ihren sehr erfolgreichen Blog „travelicia.de“. Um anderen den Einstieg in ihre Welt zu ermöglichen, organisiert sie Wochenenden für Frauen unter dem Titel „Solo auf Reisen“ und Konferenzen in Berlin für Digitale Nomaden.

Work and Travel Magazin:
Du bist seit mehr als zehn Jahren als „Backpacker“ unterwegs. Gab es damals einen bestimmten Anlass?
Felicia Hargarten:
Mit Anfang 20 hatte ich meine zweieinhalbjährige Ausbildung als Veranstaltungskauffrau in Köln abgeschlossen. Nach der Abschlussprüfung wurde ich von meinem Ausbildungsbetrieb der „Koelnmesse“ einer internationalen Messegesellschaft als Projektassistentin im Marketing übernommen.

Einige Monate später bin ich mit einer Freundin nach Ägypten in den Urlaub gefahren. Wir sind eine Woche lang mit einem Schiff über den Nil geschippert. Das war ziemlich cool. Unsere Reiseleiterin war 26 und hat uns viel von ihren Abenteuern auf den Meeren der Welt erzählt. Sie war mit soviel Enthusiasmus dabei dass es mir nicht mehr aus dem Kopf ging – so ein spannendes Leben will ich auch haben! Diese Geschichte erklärt vielleicht warum ich im späteren Verlauf meines Lebens mehrmals auf einem Schiff arbeiten wollte.

Dann brauchte ich wieder eine neue Herausforderung und wollte mich weiter entwickeln. Die Angst stieg in mir hoch, dass ich sonst 40 Jahre in derselben Firma hängen bleiben würde. Ich schmiedete zusammen mit meiner Freundin einen Weltreiseplan.

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So kann sie von den schönsten Flecken der Welt berichten – wie den Philippinen, ihrem Lieblingland

Wir setzten unseren Plan tatsächlich in die Tat um und flogen nur neun Monate später auch schon los. Die Reise ging mit einem Around-the-world Ticket nach Thailand, Australien, Chile und Argentinien. Als Backpacker ohne großen Plan und mit einem Rucksack und Working Holiday Visum für Australien ausgestattet. Für meine Rückkehr hatte ich mich schon mal als Studentin eingeschrieben: Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus. Der Travel-Virus hatte mich von da an allerdings fest in der Hand. Direkt nach dem Studium bin ich alleine nach Costa Rica und Panama gereist.

Work and Travel Magazin: Seitdem bist du immer wieder viel gereist, auch jeweils für längere Zeit. Woher kommt diese Reise-Leidenschaft? Liegt das Weltenbummler-Gen in der Familie?
Felicia Hargarten:
Meine Eltern reisen auch sehr viel und gerne. Daher könnte es tatsächlich sein dass es in der Familie liegt. Noch heute können sie ganz gut mit mir mithalten und waren schon in Neuseeland, Namibia, Indien, Thailand oder sogar in der Arktis.

Work and Travel Magazin: Aber Deutschland ist weiter deine Heimat?
Felicia Hargarten:
Ganz genau. Einen Sinn, darin komplett auszuwandern, sehe ich bisher noch nicht. Berlin ist als Homebase toll. Es ist eine sehr internationale Stadt, in der man auch auf andere Reisende und auch viele Selbständige trifft. Solange ich die Möglichkeit habe. zwischendurch unterwegs zu sein, ist alles gut. Ganz ausschließen, dass ich irgendwann doch mal irgendwo bleibe, will ich aber nicht.

Work and Travel Magazin: Hast du ein Traumland?
Felicia Hargarten: Die Philippinen sind für mich das Paradies.

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Sie lebt zwar als Digitale Nomadin, ist aber nicht einsam – ihr Freund ist stets dabei

Work and Travel Magazin: Du reist stets mit deinem Freund. Die meisten digitalen Nomaden sind ja eher allein unterwegs. Würdest du das als großes Glück bezeichnen, dass du deine Erfahrungen direkt mit jemandem teilen kannst?
Felicia Hargarten:
Auf jeden Fall. Das ist schon super, dass es so gut zusammen passt. Auch international gibt es einige reisende Paare unter den Bloggern.

Work and Travel Magazin: Gibt es auch Nachteile, wenn man zu zweit reist?
Felicia Hargarten:
Man ist sicherlich nicht so kommunikativ zu anderen Reisenden wie ein Solo-Reisender. Außerdem geht man natürlich mehr Kompromisse ein als alleine.

Work and Travel Magazin: Was vermisst du am meisten, wenn du auf Reisen bist?
Felicia Hargarten:
Regelmäßigen Sport und Schwarzbrot.

Work and Travel Magazin: Du betreibst eine Website, die sich an gleich gesinnte Weltenbummler richtet, wie kam es dazu?
Felicia Hargarten:
Vor einer Reise nach Thailand ermutigten mich Freunde auf einer Einweihungsparty einen Blog zu starten. Während der Reise kam ich auf die Idee, aus dem Blog etwas Größeres zu machen – nachdem ich das eBook „Vom Job in die Freiheit“ gelesen hatte. Hoch motiviert begann ich noch am nächsten Tag mit meinem Vorhaben. Mein Ziel war es, mit all meinen Erfahrungen anderen zu helfen, ihre Reiseträume zu verwirklichen. Es macht mir auch jetzt noch jeden Tag aufs Neue Spaß.

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Ungewöhnliche Begegnungen gehören da fast schon zum Alltag: Mit einem Affen…

Work and Travel Magazin: Wer hat dir damals Tipps gegeben, oder wie hast du deine Reisen organisiert?
Felicia Hargarten:
Generell bin ich ein Organisationstalent. Damals habe ich mir einfach alle Infos aus dem Internet zusammen gesucht und habe angefangen zu planen. Am schwersten habe ich mich immer bei der Auswahl der Reiseländer getan. Erst nach vielen Reisen habe ich gemerkt das weniger oft wirklich mehr ist und langsames Reisen mehr Sinn macht. Außerdem bin ich ein Insel- und Wasserliebhaber. Warum soll ich mir dann 20 Tempel angucken? Den Fokus auf das legen, was zu einem passt.

Work and Travel Magazin: Was war bisher die beste/schlimmste Erfahrung, die du gemacht hast?
Felicia Hargarten:
Ich erzähle jetzt einfach mal meine kurioseste Erfahrung. Ich war mit einer Freundin in China, genauer gesagt in Peking. Von dort wollten wir mit dem Zug nach Ulan Bator in die Mongolei fahren. An einem Abend waren wir draußen unterwegs und hielten an einem öffentlichen Platz vor einer Kirche, auf dem jede Menge Chinesen im gleichen Style auf Musik tanzten. In China der absolute Trend! Einen Tag später sitzen wir im Zug auf dem Weg in die Mongolei in einem Vierer Schlafabteil. Neben uns saß eine Mutter mit ihrer Tochter, die beide aus Großbritannien kamen, aber in Südafrika lebten. Nach einigen Stunden klickte die Mutter wie wild auf ihrem Fotoapparat rum und meinte: Ich hab dich auf einem Foto. Und tatsächlich: Sie hatte ein wirklich sehr krasses Bild von mir gemacht, zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns ja noch gar nicht gekannt hatten. Da war ich lachend mitten im Bild vor den ganzen tanzenden Chinesen.

Work and Travel Magazin: Du kannst mittlerweile als Bloggerin von überall in der Welt arbeiten, hast du denn auch Erfahrungen mit Jobsuche vor Ort gemacht. Kannst du da Tipps geben?
Felicia Hargarten:
Also meine Erfahrung war, dass man einen Job genau dann findet, wenn man nicht krampfhaft danach sucht. Vielmehr muss man seinen Blick weiten und die sich spontan ergebenden Möglichkeiten ergreifen. Meist ist man so festgefahren und sucht den einen bestimmten Job in einem bestimmten Ort, so dass man alles darum herum schlichtweg verpasst. Wie auch in Deutschland ergeben sich viele Jobs durch Zufälle oder Beziehungen.

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…oder beim Tauchen mit einem Seepferdchen

Work and Travel Magazin: Du bist bei deinen vielen Reisen Experte für Reisegepäck. Was sollte man unbedingt dabei haben und was ist absolut überflüssig?
Felicia Hargarten:
Das kommt natürlich sehr auf das Reiseziel an und was man genau vorhat: Expedition nach Patagonien oder Surfen auf Bali? Bei einer normalen Backpacking-Reise in ein warmes Gebiet sollte mit dabei sein: Der gültige Reisepass, eine kleine Reiseapotheke und eine Kreditkarte, mit der man weltweit kostenlos Geld abheben kann. Außerdem finde ich ein Sarong-Tuch und ein Buff-Tuch wirklich nützlich. Absolut überflüssig sind zu viele Klamotten, Schuhe oder Kosmetikgegenstände.

Work and Travel Magazin: Gibt es Länder, wo du nie hinreisen würdest?
Felicia Hargarten:
Grundsätzlich schließe ich kein Land von vornherein aus. Natürlich gibt es aber Regionen, die mich nicht ganz so interessieren, wie zum Beispiel einige Länder in Zentralasien oder Zentralafrika.

Work and Travel Magazin: Zusammen mit deinem Freund organisiert du auch eine Konferenz für digitale Nomaden. Wie kam es dazu?
Felicia Hargarten: Wir haben einfach gemerkt, wie viele Leute sich für diesen Lifestyle interessieren und nachfragen. Wir sind super gut vernetzt in der Szene, so dass wir dachten, am besten ist es doch, alle an einen Tisch zu holen und sich auszutauschen. Vom Anfänger, Fortgeschrittenen bis hin zum Profi. Deshalb veranstalten wir am 10. Mai im Betahaus Berlin die erste Konferenz für Digitale Nomaden, die DNX, sowie ein „Solo auf Reisen“-Wochenende für Frauen. Ich habe einige Jahre als Eventmagerin für ein großes Online-Unternehmen gearbeitet. Veranstaltungen organisieren und Menschen zusammen bringen kann ich nicht nur gut, sondern macht mir auch noch Spaß.

Work and Travel Magazin: Die Konferenz für Digitale Nomaden war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Gibt es einen Trend, dass immer mehr Leute von so einem Leben träumen. Was glaubst du, woran das liegt?
Felicia Hargarten: Die traditionelle Arbeitswelt wandelt sich enorm. Der neuen Generation sind Freiheit und Selbstbestimmtheit wichtiger als ein hohes Gehalt. Konsumgüter anzuhäufen erachten viele nicht mehr als befriedigend. Erlebnisse oder Dinge zu tun, die einem persönlich wichtig sind, rücken mehr in den Vordergrund. Durch das Internet sind außerdem die Einstiegshürden einfacher geworden, sich im Internet ein Business aufzubauen und selbst zu vermarkten. Die Selbständigkeit wird eine echte Alternative in Zeiten, in denen der Angestelltenjob auch nicht mehr so sicher ist, wie er mal war.

Wer mehr über Felicia erfahren und ihre Trips verfolgen möchte, sollte einen Blick auf ihren Blog www.travelicia.de werfen. Dort gibt es auch Infos über das „Solo auf Reisen“-Wochenende für Frauen und die nächste Konferenz für Digitale Nomaden in Berlin am 4. Oktober 2014.

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Kategorie: Berichte & Interviews, Blogger, Work & Travel

Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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