Teil 1 | Nachhaltig Reisen als Work and Traveller Warum und wie?

| 11. 08. 2017 | 0 Kommentare

Reisen bedeutet Freiheit, Entdeckung, Lebenserfahrung, Freude und: Reisen bedeutet Verantwortung. Denn du hinterlässt einen Fußabdruck, egal, ob du als Work and Traveller in Europa oder Neuseeland unterwegs bist. Deine Auslandszeit hat in irgendeiner Weise Auswirkungen auf soziale, kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Begebenheiten der betroffenen Regionen. Als Backpacker sind die negativen zumeist automatisch geringer als bei All-Inclusive-Touristen beispielsweise. Dennoch ist es in Zeiten des möglichen Klimawandels und anderen globalen Problemlagen sehr wichtig, sich für diese Auswirkungen zu sensibilisieren und sie bei deiner geplanten Work and Travel Reise soweit wie möglich einzudämmen. Es ist wichtig, nachhaltig zu reisen. Was aber bedeutet das eigentlich konkret? Und wie kann ich Nachhaltigkeit umsetzen? Dieser zwei-teilige Artikel schafft Abhilfe.

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Durch nachhaltiges reisen die Aussichten noch mehr genießen

Exkurs: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit (sustainability) ist in aller Munde. Nachhaltigkeit ist im Trend. Fast schon inflationär wird von dem Begriff interessensgeleitet und inzwischen sehr medienwirksam überall auf dem Globus Gebrauch gemacht. Es ist aber keine dahergelaufene Modeerscheinung, die ein paar Jahre anhält und dann wieder abgelöst wird. Nachhaltigkeit wird heute vielmehr als eines der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts diskutiert. Man kann „Nachhaltigkeitswissenschaften“ mancherorts sogar studieren. Eine einheitliche wissenschaftliche Definition gibt es dagegen nicht. Das zeigt, wie komplex das Thema ist und eben nicht nur ein Modewort darstellt.

Ursprünglich stammt der Begriff aus dem rein forstwirtschaftlichen Bereich. Im Duden existiert er bereits seit 1915 und wird mit dem rein rechnerischen Prinzip erklärt: Es darf „nicht mehr Holz gefällt werden […], als jeweils nachwachsen kann“.  Analog zur Ökologie wird Nachhaltigkeit als ein Prinzip definiert, wonach „nicht mehr verbraucht werden darf, als [eine Ressource] jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“ (Duden). Das Prinzip ist so klar wie simpel: nicht mehr nehmen, als da ist. So kann eine nachhaltige, also eine „längere Zeit anhaltende Wirkung“ (Duden) erzielt werden. Nachhalten bedeutet also langfristig Denken, Dinge konservieren.

Nachhaltiger bzw. sanfter Tourismus und seine Relevanz

Nachhaltigkeit wird als gesellschaftliche Herausforderung gezählt, weil erkannt wurde, dass sich vom Menschen verursachte Umweltprobleme wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenausbeutung auf die Lebensgrundlage des Menschen zurückwirken. Darüber hinaus wurden soziale Schieflagen transparent, die sich regionalbedingt in sozialen Ungleichheiten, Landenteignungen oder Armut beispielsweise äußern und durch unsere globalisierte Welt verursacht wurden und werden. Hierfür ist die Reiseindustrie zu einem nicht unwesentlichen Teil mitverantwortlich, was nur wenigen bewusst ist. Man bedenke nur die Zunahme des internationalen Flugverkehrs und somit auch die Zunahme der CO2 –Emissionen oder der Bau von Hotelanlagen, für den Wälder abgeholzt, mitunter Einheimische vertrieben und schwindende Ressourcen genutzt werden sowie viel Energie benötigt wird. Auch touristische Angebote wie Bootstouren beeinträchtigen Lebensräume, benötigen Ressourcen und stoßen CO2 aus; um nur einige Beispiele zu nennen. Die UNEP (United Nations Environment Programme) beziffert den Anteil des Tourismus-Sektors an den globalen Kohlendioxidemissionen mit 5% und wird vor dem Hintergrund für den Klimawandel mitverantwortlich gemacht. Gleichzeitig steigt die Zahl der Touristen weltweit jedes Jahr. Selbst 2010, kurze Zeit nach der Finanzkrise, wurden Rekordwerte verzeichnet. 2011 stieg die Zahl dann prozentual stärker an als die Einnahmen durch den Tourismus. Reisen wird also immer billiger. Dies geht oft zu Lasten der Umwelt oder einheimischen Bevölkerung.

Es handelt sich zusammengefasst also um existenzielle Probleme, die den gesamten Globus betreffen. Deshalb hat die von der UN (United Nations) einberufene Weltkommission für Umwelt und Entwicklung Nachhaltigkeit bereits 1983 definiert und zur globalen Politisierung beigetragen. Der Kommission zu Folge kann Nachhaltigkeit erst durch die Verknüpfung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Belangen gewährleistet werden. Übertragen auf nachhaltigen Tourismus – synonym auch Bio-oder Ökotourismus – bedeutet das konkret, eine für die ansässige Bevölkerung wirtschaftlich und sozial gerechte, kulturell angepasste sowie ökologisch tragfähige Reise. Daher wird auch oft vom „sanften“ Tourismus gesprochen. Negative soziale und Umweltauswirkungen zu reduzieren und deine Reise dabei gleichzeitig zu intensivieren, das bedeutet nachhaltiger Tourismus.

Grundsätze und Anwendbarkeit

Du als Backpacker kannst genau hier ansetzen: Gestalte deine Reise umweltfreundlich und fair; für die Umwelt, für die lokale Bevölkerung und für dich selbst. Dadurch wird sie automatisch intensiviert und ereignisreicher, denn es gehört zum einen viel Vorbereitung dazu und zum anderen erlebst du vor Ort viel bewusster. Du agierst nicht primär als Außenstehender, wenngleich du das irgendwie zunächst noch bist. Im Kern geht es darum, Teil eines Ganzen zu werden; Teil der Natur und Teil der Kultur. Für die Umsetzung hilft es schon einmal, sich die Grundsätze, die der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung sehr kurz und prägnant aufgestellt hat, zu verinnerlichen:

  1. Nimm‘ dir Zeit
  2. Tausch‘ dich aus
  3. Bedenke den Nutzen für Einheimische (Ergänzung von uns: und für dich selbst)
  4. Achte auf faire Preise
  5. Respektiere die Umwelt

Für letzteren Punkt gilt zudem der weiterführende Grundsatz: Reduce, reuse and recycle! (Reduziere, wiederverwenden und -verwerten!)
Wie nachhaltig deine Reise ist, bestimmst du selbst. In voller Konsequenz ist das trotzdem nicht immer möglich, weil es oft auch mit höheren Kosten verbunden ist. Daher musst du abwägen, was geht und was nicht. Der erste Schritt aber ist schon mal die Bewusstseinsschaffung, denn Handeln beginnt mit deinen Gedanken und der Reflexion dessen. Dazu hat dir im besten Falle schon mal dieser Artikel verholfen. Für den nächsten Schritt, dem Einholen von Informationen und Planen konkreter Maßnahmen, ist unser zweiter Teil zum Thema gedacht. Mit zehn Praxistipps zeigt er plakativ auf, wie du als Work and Traveller deine Reise nachhaltig gestalten kannst. Und dann kommst du zum Einsatz!

Dir fallen noch weitere Tipps ein?

Wenn dir noch weitere Tipps einfallen, hinterlasse diese auch gerne über unsere Kommentarfunktion (siehe unten).

Hier weiterlesen:

>> Teil 2 | Nachhaltig Reisen als Work and Traveller: 10 einfache Praxistipps

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Kategorie: Allgemein, Reise, Specials, Tipps & Tricks, Work & Travel

Isabel Dwinger

Über den Autor ()

Reisen? Das geht immer für Isabel Dwinger! Ob Work and Travel in Australien, Freiwilligenarbeit in Costa Rica, ein Praktikum in Spanien oder aber verschiedene Projekte wie die Bachelorarbeit in Ecuador oder eine Exkursion nach Madagaskar im Rahmen ihres Geographie-Studiums; in jeder Lebenssituation findet sie Wege ins Ausland. Darüber hinaus wirft sie auch gerne von zu Hause aus (kritische) Blicke auf derartige Aufenthalte und teilt ihre Erfahrungen am liebsten mit der Öffentlichkeit. Daher ist sie schon seit vielen Jahren Autorin für die Initiative Auslandszeit.

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