Samuel Schneider: Ein Schauspieler im Portait

| 23. 04. 2014 | 2 Kommentare
Ben (Samuel Schneider) geht seine eigenen Wege im neuen Film Exit Marrakech

Auf der Überholspur: Samuel Schneider

Das Fernweh verfolgt ihn privat, aber auch beruflich: Zuletzt brillierte er im Vater-Sohn-Drama „Exit Marrakech“ an der Seite von Ulrich Tukur, der am 8. Mai als DVD erscheint, sein nächstes Projekt führte ihn wieder in die Fremde: Für den studentischen Film „Couchmovie“ musste er in seiner Rolle als Matti nach Paris. Kein Problem für den 19-jährigen Berliner Samuel Schneider, der das Reisen in die Wiege gelegt bekommen hat. Derzeit hat aber weder das Drehen noch das Reisen Priorität, sondern das Abitur, das er in diesem Jahr an einem Berliner Gymnasium ablegen will.

Zwölf Jahre Schauspielerfahrung, aber nie „Kinderstar“

Caroline Link und Samuel Schneider am Set

Mit Oscar-Preisträgerin Caroline Link am Set von Exit Marrakech

Im April wird Samuel 20 und kann dann auf ein Dutzend Jahre Schauspielerfahrung zurückblicken. Angefangen hat er im Alter von acht Jahren, als ihn ein Freund zu einem Schauspiel-Coaching mitnahm. 2005 folgten zwei Jahre Theater am Berliner Ensemble gespielt, bis ihm 2009 seine erste große Kinorolle an der Seite von Jürgen Vogel und Meret Becker in „Boxhagener Platz“ angeboten wurde. 2012 ging es mit Oscar-Preisträgerin Caroline Link für Dreharbeiten nach Marokko, der Film läuft noch in einigen Programmkinos, die DVD erscheint am 8. Mai. Obwohl er bereits so früh angefangen hat, war er nie ein „Kinderstar“, sondern hat von Beginn an in Erwachsenen-Filmen mitgespielt. „Damals war ich auch beim Casting von Vorstadtkrokodile, bin aber nicht genommen worden und war natürlich enttäuscht. Heute bin ich froh, dass es nicht geklappt hat“, sagt Samuel rückblickend. Denn im Nachhinein hat er mit vielen tollen Leuten zusammengearbeitet und konnte so langsam in die Filmwelt hineinschnuppern. Der Erfolg von „Exit Marrakech“ hat ihm viele Türen geöffnet: Kinotour, Filmfestivals inklusive der Berlinale, kreischende Fans auf dem roten Teppich, viele neue Facebook-Freunde, aber durch seine jahrelange Erfahrung in dem Business lässt er sich nicht so leicht davon verführen, wie jemand, der im selben Alter gleich in einem Blockbuster mitspielt. „Ich war durch Freunde früher schon einmal auf der Berlinale inklusive der Partys, habe also Stück für Stück Dinge erlebt, die ich verarbeiten konnte“, meint Samuel, der gleichzeitig auch ein wenig Mitleid für Leute wie Justin Bieber empfindet: „Der ist noch so jung, hat aber schon so eine wichtige Funktion als Vorbild. Da ist der Druck ganz schön groß.“

Als Couchsurfer für eine Nacht in Paris

couchmovie-paris-samuel-schneider

Couchmovie ist Samuels neuester Film – dort erlebt er als Couchsurfer Ben eine aufregende Nacht in Paris

Samuel merkt, dass er inzwischen auch anders wahrgenommen wird: „Die Leute gucken einen jetzt nicht mehr an, weil sie einen interessant finden, sondern weil sie wissen, wer du bist.“ Allerdings geht ihm das nur auf der Straße so, in der Schule wird er in Ruhe gelassen, eben auch, weil er seine Zeit nicht auf dem Pausenhof verbringt und bereits mit dem ersten Klingeln aus der Schule verschwunden ist.  „Exit Marrakech würde auch niemand aus meiner Schule gucken“, gibt Schneider zu bedenken. Seinen neuesten Film „Couchmovie“ dagegen schon. Couchmovie ist ein studentisches Filmprojekt, das in Anlehnung an den Kultfilm „L`Auberge Espanol“ eine Nacht einer Gruppe Couchsurfer in verschiedenen Ländern Europas beleuchtet. Samuel spielt dort den jungen Deutschen Matti, der in Paris bei Louise landet und eine aufregende Nacht mit Louise und ihrer Freundin verbringt. „Ich fand das Projekt cool, weil Studenten einem meist noch mehr Freiraum lassen, zudem hatte ich Lust in Paris zu drehen“, erklärt der Nachwuchsschauspieler. Dort konnte er dann auch seine in Marrakech aufpolierten Französisch-Kenntnisse anbringen.

Seine Eltern waren Hausbesetzer, als Freigeist erzogen

In Exit Marrakech brilliert er als Ben an der Seite von Ulrich Tukur

In Exit Marrakech brilliert er als Ben an der Seite von Ulrich Tukur

Seine vergangenen beiden Filmprojekte haben ihn beruflich ins Ausland geführt, aber auch privat reist der Berliner leidenschaftlich gerne: „Ich bin schon mit 15 angefangen allein zu verreisen.“ Seine Eltern, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater ist Türke, haben 1983 in Kreuz- und Schöneberg Häuser besetzt und ihn sehr frei erzogen. Seine ersten Reisen führten ihn zu seinen Verwandten in die Türkei, weitere Ziele bisher waren Kuba, Bali oder Brasilien. Dort hat er zuletzt eine Freundin besucht und mit ihr zusammen zwei Tage im Favela de Rocinha, Rios größtem Slum, gelebt. „Danach war ich noch für 20 Stunden alleine in New York, habe mich in ein Taxi gesetzt und bin zum Times Square gefahren. Das war ein richtiger Kulturclash.“ Durch seinen Beruf hat Samuel natürlich mittlerweile viele Kontakte sammeln können, die meisten hat er aber in London geknüpft. Dorthin ist er auch einfach mal spontan gereist und hat dort Leute aus aller Welt kennen gelernt, die er heute nach und nach besucht, wie eben die Freundin in Brasilien. „Wie man mit Leuten redet und sich verkauft, sollte man auch den Schülern beibringen. Da muss man nicht viel können, trotzdem öffnen sich alle Türen“, wünscht sich Samuel mehr Nützliches auf dem Stundenplan.

 Nach dem Abi in die USA, nach Ecuador oder Peru

Ben (Samuel Schneider) und die unendlichen Weite der Landschaft Marokkos.

Beruflich muss Samuel viel reisen, aber auch privat zieht es ihn oft in die Fremde. Fotos: Studio Canal Home Entertainment

Zuerst einmal muss er sich jetzt allerdings mit Musik und Englisch im Leistungskurs herumschlagen, zudem hat er Betriebswirtschaft mündlich und Deutsch schriftlich. Wegen der Schauspielerei hat er schon ein Jahr pausiert, aber jetzt möchte er noch einmal 100 Prozent geben. Die Kinotour im vergangenen Herbst mitten in der Klausurenphase hätte ihm da fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun hat die Schule Vorrang, Termine nimmt er nur noch am Wochenende wahr. Nach seinem Abitur träumt Samuel, der Jeff Bridges und Edward Norton zu seinen Vorbildern zählt, von einem Schauspielstudium in New York. Exit Marrakech läuft im Frühjahr ja auch in den Staaten an. „Alle sagen mir, ich hätte ein internationales Gesicht, warum soll ich es nicht auch dort versuchen?“ Aber er hätte auch Lust, im Sommer zu arbeiten: „Wenn ein toller Film kommt, mache ich den erst einmal.“ Ein weiterer Plan wäre, mit einem Freund nach Ecuador, Peru oder in die USA zu reisen. Wahrscheinlich wird er sich wie immer spontan entscheiden, und das war in der Vergangenheit nicht immer das Schlechteste.

 Samuel Schneider

  • wird am 7. April 20 Jahre alt
  • Filme: „Couchmovie (2013)“, „Exit Marrakech (2013)“, „Boxhagener Platz (2010)“
  • Theater: „Das Wintermärchen“ am Berliner Ensemble (2005)
  • ist im Kalender „Ikonen“ seines Freundes, dem Designer Kilian Kerner, und Star-Fotograf Jim Rakete zu sehen
  • spielt Schlagzeug, fährt Skateboard und Ski
  • verbringt Stunden in seinem Plattenladen in Prenzlauer Berg

Samuels Top 3-Reiseziele

  1. Kuba – das war wahnsinnig, man sollte aber möglichst in den nächsten fünf Jahren dorthin
  2. Bali – wird einen zutiefst berühren und man kann dort gut zur Ruhe kommen
  3. Madeira – das ist einfach eine sehr schöne Insel

Rezension „Couchmovie“ Rezension „Exit Marrakech“

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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