„Wir haben gehofft, mehr vom Kiwi Way-of-life, mitzunehmen“

| 21. 12. 2013 | 0 Kommentare

Work und Travel in Neuseeland: Interview mit Claudia und Jeremias von www.ganzrechtsunten.de

Claudia und Jere in Neuseeland Arbeit

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Warum habt ihr euch damals für Neuseeland entschieden?
Wir hatten ursprünglich überlegt, in einem weit entfernten Land ein Auslandssemester zu absolvieren, aber Studieren ist scheinbar überall teurer als in Deutschland und von Freunden erfuhren wir, dass meist wenig Zeit sei, das Land kennen zu lernen, in dem man studiert. Also anstatt für ein teures Studium zu bezahlen, nahmen wir uns ein Jahr Urlaub vom Studium und entschieden uns für Work & Travel. Neuseeland und Australien waren hier die typischen Travelländer und Neuseeland schien uns die interessantere Variante – ein Land, das man in einem Jahr auch wirklich anschauen kann, mit gemäßigten Temperaturen und keinen giftigen oder gefährlichen Tieren.

„Neuseeland braucht keine Farbverstärker“

Ist das Land euer Traumland? Viele kennen es ja nur aus Filmen wie „Der Hobbit“, ist das Bild richtig, dass diese Filme vermitteln?
Nachdem wir angekommen waren und das erste Mal den Arthurs Pass auf der Südinsel überquert hatten, war uns klar, dass Neuseeland noch viel beeindruckender war, als das Filme wie „Herr der Ringe“ oder Avatar zeigen könnten. Wir waren Medienstudenten und wussten, dass man mit den richtigen Filtern und Effekten nahezu jedes Land interessant erscheinen lassen kann. Aber Neuseeland braucht keine Farbverstärker, es ist einfach auf allen 100 Kilometern anders schön, anders aufregend. Irgendwann ist man fast übersättigt von so vielen grünen Farnen, blauen Wasserfällen, dunkelgrauen Schotterhängen, weißblauen Gletschern und rotgelben Stränden. Die Filme zeigen halt immer nur einen Ausschnitt und wir könnten verstehen, wenn Neuseeland Kulisse von vielen weiteren tollen Filmen wird.

„Der Blog war ein Experiment, durch den wir zwei sehr gute Freunde gewonnen haben“

Leben genießen in Neuseeland

Zwischendurch blieb auch genügend Zeit, das Leben zu genießen

Ihr habt einen Blog geschrieben, der sich speziell an die vielen Work-and-Traveller aus Deutschland richtet, wie kam es damals dazu?
Der Blog war ein Experiment. Wir waren Medienstudenten mit Ehrgeiz. Zum einen wollten wir natürlich unseren Verwandten und Freunden eine Möglichkeit geben, unser Abenteuer zu verfolgen, zum anderen uns selbst eine Erinnerung an die Reise schaffen. Und als Medienschaffende setzten wir uns das Ziel, mit den Suchbegriffen „Neuseeland“ und „Blog“ bei Google als erstes Suchergebnis zu erscheinen ohne eines der Wörter im Blognamen zu führen. Das haben wir tatsächlich geschafft und der Blog hat sich zu etwas entwickelt, dass wir so nicht vorher gesehen hatten: Andere uns unbekannte Traveller wurden darauf aufmerksam und schrieben uns Nachrichten. Manche kamen dann nach Neuseeland uns wollten sich mit uns treffen, weil sie das Gefühl hatten uns zu kennen. So haben wir auch zwei sehr gute Freunde gewonnen, mit denen wir uns immer noch regelmäßig treffen. Mitten im Urwald auf einer Wanderung im Busch Neuseeland (Queen Charlotte-Track) trafen wir Leser, die uns erkannten. Es war nicht immer einfach, den Blog ständig zu führen, vor allem in den vier Winter-Monaten, in denen wir in Nelson arbeiteten und den Alltag im Land auf der anderen Seite der Erde erlebten – da fehlten dann etwas die spannenden Themen und man musste die Augen etwas weiter aufmachen, um Spannendes berichten zu können. Aber wenn man noch einmal mit den unerfahrenen Augen eines Deutschen schaut, sieht man dann beispielsweise die spannende Holzarchitektur oder die unterschiedlichen Arbeitseinstellungen der Neuseeländer, über die man berichten kann. Manchmal waren die Probleme technischer Natur, da das Internet in Neuseeland nicht wahnsinnig gut ausgebaut ist und teuer werden kann. Um so besser, dass wir relativ bald mit dem Blog durch Werbeeinnahmen auch ein wenig Geld verdienten.
Das größte Hindernis, den Blog zu schreiben war aber immer wieder der innere Schweinehund. Man muss sich die Zeit dafür nehmen, was nicht immer leicht ist. Im Endeffekt sind wir aber total froh, dass wir den Blog richtig durchgezogen haben und uns immer wieder motivieren könnten, etwas dafür zu tun. So helfen wir anderen Travellern, die sich auf die Reise vorbereiten wollen. Außerdem haben wir eine tolle Dokumentation der Reise, die uns dabei hilft, uns an die bisher beste Zeit unseres Lebens zu erinnern.

„Wir wären lieber zum Frühling hingefahren“

Jere und Claudia mit Bus

Jere und Claudia sind antizyklisch gereist und konnten so ihren Bus nachher sogar teurer verkaufen

Warum habt ihr die Reise gerade zu dem Zeitpunkt gemacht?
Der Zeitpunkt unserer Reise ergab sich aus unserem Studium. Wir hatten den Master begonnen und uns zeitgleich entschieden, dass wir den Studentenstatus aus finanzieller Hinsicht nutzen wollten, die Reise anzutreten, da beispielsweise die Flüge als Student sehr viel preiswerter sind und wann ist man noch einmal im Leben so unabhängig und frei? Vom direkten Zeitpunkt her wären wir lieber zum Frühling hingefahren, aber wir flogen am 1. März und so stand uns erst der neuseeländische Herbst und Winter bevor. Wir hatten ja gerade den deutschen Winter hinter uns. Es war dann aber doch sehr gut so. Denn wir sind entgegen der eigentlichen Reisezeit gereist und konnten so unser Auto im Dezember beispielsweise für die doppelte Summe wieder verkaufen. Außerdem ermöglichte der Winter uns, in diesem Land heimisch zu werden und er ist ja wirklich bei Weitem nicht so kalt, wie in Deutschland, zumindest, wenn man nicht ganz im Süden überwintert.

Habt ihr euch euren Aufenthalt selbst organisiert oder wart du mit einer Organisation unterwegs?
Wir hatten lange überlegt, ob wir mit einer Organisation reisen sollten – sicherheitsbewusst, wie wir Deutschen halt sind. Und genau da setzen die Geschäftsmodelle ja an. Allerdings vermitteln diese Organisationen oft gar keine Jobs selbst, sondern unterstützen nur bei der Suche. Das bekommt man auch selbst hin. Und um Leute kennen zu lernen, muss man eigentlich auch nur ein wenig aufgeschlossen sein und in Hostels absteigen. Wir hätten uns sehr geärgert, wenn wir das Geld für die Organisation ausgegeben hätten. Vorbereitungen wie den Flug im Reisebüro oder das erste Hostel übers Internet buchen, erhöhen ja bereits die Vorfreude. Und bei Dingen wie Visum beantragen oder vor Ort ein Konto eröffnen muss man sich immer sagen: Das haben schon ganz andere geschafft. Bis hin zur neuseeländischen Steuererklärung ist alles machbar und nicht mal ein Bruchteil so schwer wie in Deutschland. Zudem sind die Neuseeländer unheimlich freundlich und so war es auch kein Problem nach der Reise unser Konto in Neuseeland per Telefon noch einmal frei zu schalten, um unsere Steuer zurück zu überweisen – alles am Telefon mit ganz vielen zuversichtlichen Worten der entspannten neuseeländischen Bankangestellten. Da kann sich die Service-Wüste Deutschland noch eine gehörige Portion abschneiden.

Landschaft Neuseeland

Neuseeland hat landschaftlich viel zu bieten – das genoss Claudia mit einem Ausritt

Wie lange im Vorfeld habt ihr euch darauf vorbereitet? War das so passend? Wie genau habt ihr euch vorbereitet?
Wir haben ein halbes Jahr vorher begonnen, alles vorzubereiten. Das Wichtigste ist ja erst einmal das Visum, der Flug  – oft preiswert, wenn man ihn früher bucht –  und dann noch die Krankenversicherung. Bei der Krankenversicherung lohnt es sich manchmal sogar zu einer anderen Versicherung zu wechseln, weil die eine Langzeit-Auslandsversicherung dann im Paket billiger anbieten. All das kann dann Zeit kosten, aber im Prinzip hatten wir nie Zeitnot. Ein Freund, der uns am Anfang begleitete, machte es alles ziemlich knapp, aber auch er schaffte es noch problemlos. Wichtig ist, dass man vorher wirklich genug Geld zusammenkratzt. Denn mit den Arbeiten dort, kann man oft kaum etwas ansparen. Wer also reisen will, sollte vorher die Zeit in Deutschland für ein paar Nebenjobs nutzen, um etwas anzusparen. Auf die Reise direkt haben wir uns fast nicht vorbereitet. Durch unseren Blog wissen wir, dass viele Reisende vorher Blogs lesen und Bücher über Neuseeland studieren. Wir haben es aber einfach auf uns zukommen lassen und uns inhaltlich nicht groß vorbereitet. Wichtig war uns, was wir mitnehmen und formal vorbereiten müssen. Alles andere war das Abenteuer. Und es war gut.

„Wir haben bei Weitem nicht alles gesehen, aber irgendwann braucht man auch immer wieder Pausen vom Reisen“

Wie viel Zeit hattet ihr vor Ort eingeplant?
Da der Herbst bevor stand, hatten wir uns ursprünglich eine Woche zur Eingewöhnung zugestanden, um in dieser Zeit den Jetlag zu überwinden und ein Auto zu kaufen. Dann sollte der März und April noch zum Reisen reichen, um uns anschließend ein Winterquartier im Norden der Südinsel zu suchen. Unsere Eingewöhnungsphase dauerte etwas länger, wir gingen es ganz gemütlich an und stressten uns nicht. Irgendwann fuhren wir los, umkreisten die Südinsel, suchten uns Nelson zum Überwintern, wooften ein wenig und suchten uns dann Arbeit für den Winter in einer Fischfabrik (Jere) beziehungsweise in einem Restaurant

(Claudi). Anschließend reisten wir wieder. Alles in Allem waren wir zehn Monate in Neuseeland. Wir haben ein paar Mal die Südinsel umrundet und hatten dann gar nicht mehr so viel Zeit für den Norden. Wir haben bei Weitem nicht alles gesehen, aber irgendwann braucht man auch immer wieder Pausen vom Reisen, um das Gesehene zu verarbeiten. Dieses Langzeitreisen hat eine ganz andere Qualität als eine Reise von beispielsweise drei Wochen.

Paddeltour Neuseeland

Auch auf einer Paddeltour erkundeten die beiden das Land

Auf was muss man sich einstellen, wenn man in dieses Land reist?
Einstellen muss man sich auf die vielen Deutschen viel mehr, als auf die netten Kiwis. Und man muss auf den Deutschen in einem selbst gefasst sein, der oft an der lockeren Lebensweise und der ruhigen Gangart, der Vielfältigkeit und Interkulturalität schlucken muss. Doch wenn man es annimmt, kann man sich sogar einen kleinen Teil nach Deutschland retten. Was nicht immer leicht zu schlucken ist, im wahrsten Sinne des Wortes ist das Essen. Es ist meist nicht besonders gut, zumindest, wenn man etwas aufs Geld achten muss. Selbst die Grundnahrungsmittel schmecken anders, wie beispielsweise der Käse, und zurück in Deutschland wird man sich bewusst, in was für einem Gourmetland wir hier doch leben. Es hilft jedoch, wenn man durch Arbeiten bei Einheimischen unterkommt und die einen mit Apple Crumble und Roast verwöhnen. Richtig zubereitet kann man auch aus dem faden Käse und der geschmacksfreien Wurst noch etwas machen.

Jeder findet hier seinen Lieblingsort: Vom Hippie bis zum Adrenalin-Junkie

Würdet ihr sagen, dass ist für jeden etwas? Oder was sollte man für ein Typ sein, um Spaß daran zu haben und gegebenenfalls auch erfolgreich zu sein?

Schafe Neuseeland

In Neuseeland kommen auf 1000 Einwohner mehr als 10.000 Schafe, kein Wunder, dass Jere gleich eine ganze Meute angetroffen hat

Nach den unzähligen Reisenden, die wir in Neuseeland kennen gelernt haben, gehen wir davon aus, dass jeder dort klar kommen kann. Als Deutsche haben wir im Allgemeinen schon den riesigen Vorteil, eine recht gute Englischausbildung zu haben und auch die, die in der Schule schlecht waren, werden merken, dass sie meist besser darin sind, als die Hälfte der Franzosen, die sich auch irgendwie durchs Land schlagen. Spaß kann jeder haben, der sein Heimweh zur Seite schiebt und diese Reise als ein einzigartiges Erlebnis wahrnimmt. Umso offener man ist, umso einfacher ist es für die Mitmenschen, doch wir haben auch Einzelgänger erlebt, die durchaus klar kommen und ihre Nische dort finden. Die verschiedenen Teile von Neuseeland geben dem langhaarigen Hippie genau so einen Lieblingsort, wo er hängen bleiben kann, wie dem geselligen Adrenalin-Junkie, der sich gerne von Klippen stürzt. Leider sind die Neuseeländer sogar freundlich zu den auffallenden Partygängern, die sich betrinken und am Tag im Bus schlafen, der sie durch die beeindruckendsten Landschaften fährt, die sie auf diesem Planeten sehen können.
Würdet ihr euch jetzt wieder genauso entscheiden?

Ja, wir würden alles noch einmal genau so machen, eventuell würden wir vorher noch mehr Geld ansparen, um noch ein wenig freier zu sein und auch die kostspieligeren Unternehmungen wie zum Beispiel Heli-Hiking auf den Gletschern mitnehmen zu können.

Relaxen an der Promenade

Auch ein entspannter Spaziergang an der Promenade war einmal drin

Habt ihr euren Plan beibehalten oder musstet ihr ihn vor Ort anpassen?
Wir hatten eigentlich keinen genauen Plan, nur wann wir reisen wollen und wann arbeiten. So sind wir an jedem Ort so lange geblieben, wie es uns gefiel oder das Wetter uns angenehm war – die entspannteste Art zu reisen! Am Ende hatten wir sehr viel weniger Geld als geplant, so dass wir viel für Unterkunft und Essen gearbeitet haben, was aber auch die beste Art ist, um Menschen aus dem Land kennen zu lernen.

Was war bisher die beste/schlimmste Erfahrung, die ihr gemacht habt?
Es gab keine wirklich schlimmen Erfahrungen, bis auf die Nachricht, dass mein Hund gestorben ist. Aber er war alt und ich hatte damit gerechnet, dass ich ihn in einem Jahr nicht wieder sehen werde. Schade war, als in unser Auto eingebrochen wurde, zweimal in einer Woche. Aber es wurde nichts geklaut, weil auch nicht viel drin war, so dass es letztendlich kein Problem war. Wir hatten riesiges Glück auf der Reise! Unser Auto hatte zwar ein paar Aussetzer, aber im Gegensatz zu vielen anderen Klapperkisten hat es gut durchgehalten. Zwischendrin hatten wir einen kleinen Reisekoller und unser Geld ging aus, doch wir schalteten einfach einen Gang runter und machten das Beste aus dem, was wir hatten – auch eine Erfahrung.

„Wir backten unser eigenes Brot“

Was habt ihr dort am meisten vermisst?
Das Essen – definitiv das Essen. Das ging sogar soweit, dass wir in einem deutschen Restaurant in Nelson essen waren, um mal wieder ein paar andere Geschmäcker auf die Zunge zu bekommen. Wir backten unser eigenes Brot und suchten uns auf den Märkten immer mal wieder eine teure Köstlichkeit aus.

Welches war die lustigste Vokabel, die ihr unterwegs gelernt hast?
Eine witzige Sache, die wir am Anfang nicht mitbekommen haben, war das neuseeländische „Sweet as“, was eine Art zustimmende Begeisterung ausdrücken soll und ich als Frau zu Beginn immer auf meinen Hintern bezog. Dann gab es noch eine witzige Begegnung bei der Autowerkstatt, wo man uns sagte, dass der „ear-filter“ ausgetauscht werden müsste. Wir haben einfach mal zugestimmt und erst später erfahren, dass die Neuseeländer selbst nicht den Unterschied zwischen ihren zwei Wörtern „Air“ und „Ear“ hören.

Restaurantjob Neuseeland

Claudi hat ihr Restaurantjob besonders gefallen

Wie unterscheidet sich das Arbeits(-Leben) von dem hierzulande?
Die Chefs in Neuseeland sind sehr viel entspannter. Mir hat ein Hostelbesitzer seine Lebensgrundlage für zwei Monate anvertraut ohne große Einweisung und Vorgaben. Er hat mir einfach vertraut und ist nach Kanada gereist. Das ist uns dann gleich noch einmal passiert und das ist typisch Neuseeländisch: Jeder kann alles relativ schnell lernen und Fehler sind zum lernen da. Ich liebe diese Einstellung. Ich habe einmal eine Sportklasse beobachtet, wo die Kinder Weitspringen üben sollten. Ist das hierzulande eine eher ruhige Angelegenheit mit Ansage der Werte und jeder schämt sich, ist es dort mit sehr viel Spaß und großen Begeisterungsstürmen der Lehrer und dem Anfeuern der Klassenkameraden verbunden. Loben und positive Dinge hervorheben ist hier zwar aus der Theorie als positive Verstärkung bekannt, wird in Neuseeland jedoch auch wirklich gelebt.

„Das Allerbeste war, als wir mit zwei Rasenmäherautos eine große Wiese mähen durften“

Welcher Job hat euch vor Ort am besten gefallen? 
Der Restaurantjob war spannend, weil er mich auch geistig gefördert hat.

Auch die monotone Arbeit in der Fischfabrik war für Jere eine gute Erfahrung, vor allem durch den Austausch mit supernetten Leuten aller möglichen Nationen.

Die Arbeiten bei den Familien waren abwechslungsreich und sie haben immer wieder ausgedrückt, wie sehr man sie durch die Arbeit unterstützt. Das Allerbeste war, als wir mit zwei Rasenmäherautos eine große Wiese mähen durften. Fun pur!

Welcher Job hat sich am meisten finanziell gelohnt? Und welcher überhaupt nicht?
Die Arbeit als Hostelchef war am besten bezahlt, aber viel sparen konnte man nirgends. Man bekommt meist den Mindestlohn oder erhält nur Unterkunft und Essen für die Arbeit. Aber das ist okay, denke ich. Denn man ist ja nicht wegen des Geldes dort.

Arbeit in Fischfabrik

Jeres Arbeit in der Fischfabrik war zwar monotan, dafür waren seine Arbeitskollegen international und sehr nett

Was brauchte man dafür für Voraussetzungen?
Für keinen der Jobs, die wir gemacht haben, brauchte man eine spezielle Voraussetzung. Es hilft, wenn man sein Englisch so viel wie möglich einsetzt, um es aufzubessern. Als Deutsche haben wir oft einen guten Ruf als zuverlässige fleißige Arbeiter. Die ganzen Saisonarbeiten, wie Weinpflücken oder Kiwipflücken haben wir nicht gemacht. Es sind oft Knochenjobs, die zwar Geld bringen, aber in denen man auch wirklich schnell und geübt werden muss.

Aber hier lässt sich auch oft etwas mehr verdienen.

Wie seid ihr an die Jobs gekommen?
Die meisten Jobs waren Glück, weil einer im Hostel etwas empfohlen hat. Jere hat sich bei einer Jobagentur beworben und die haben ihn an die Fischfabrik vermittelt. Ansonsten kann man das Woofing ausprobieren. Hier muss man sich nur eines der entsprechenden Hefte kaufen und bei den Familien anrufen oder eine Mail schreiben, allerdings bekommt man da kein Geld. Es kann aber den Einstieg erleichtern. Die Familien kennen dann eventuell wen, an den sie einen vermitteln können.

Auch die Plattform helpx.net hat uns gute Dienste erwiesen.

„Sich integrieren ist das Zauberwort“

Welche Tipps würdet ihr anderen geben, die Ähnliches vorhaben?
Seid offen, respektiert andere Länder und Kulturen und versucht, so viel wie möglich ins Gespräch mit anderen zu kommen. Man kann von jedem etwas lernen. Und lasst es nicht so raushängen, dass ihr deutsch seid. Manchmal sind die Neuseeländer schon ein bisschen von dem Ansturm der Deutschen genervt. Sich integrieren ist das Zauberwort.

Was sollte man unbedingt im Reisegepäck haben und was ist absolut überflüssig?
Also man sollte denken, die Insel müsste sich absenken, so viele Lonely Planets wurden dahin geflogen und dann dort gelassen! In den Hostels gibt es oft Book-Exchanges, wo man gegen das letzte gelesene Buch einen Reiseführer eintauschen kann oder man geht dort in einen der dort üblichen Second-Hand-Buchläden. Auf Englisch zu lesen, ist sowieso eine sehr gute Übung für die Sprache. Unbedingt mitnehmen sollte man eine Stirnlampe! Am Besten mit einer zusätzlichen roten Lampe, die zieht die Mücken nicht so an und ist etwas dunkler! Nichts ist für einen Reisenden nützlicher! Man macht sich ansonsten wahnsinnig unbeliebt, wenn man als letztes in das Sechs-Bett-Dorm kommt und das Licht anschaltet, wenn alle anderen schon schlafen.

Was nehmt ihr von der Reise für die Zukunft mit?
Wir haben gehofft, sehr viel mehr von der Lockerheit und der Gelassenheit, dem Kiwi Way-of-life, mitzunehmen. Aber leider holt es einen hier in Deutschland immer wieder ein. Die Erinnerungen helfen uns jedoch, in manchmal schlaflosen Nächten einzuschlummern und von der Schönheit dieses Landes zu träumen.

Interview: Simone Zettier

Von März 2010 ging es für Claudi und Jere ein Jahr nach Neuseeland, was sie beiden dort erlebt haben, und viel mehr praktische Tipps findet ihr auf ihrem Blog: www.ganzrechtsunten.de

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Kategorie: Blogger, Specials, Work & Travel

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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