Insider-Tipps für das Jobben beim Work and Travel in Australien Gruppeninterview: Sechs Backpacker berichten von ihren Arbeitserfahrungen Down Under

| 10. 08. 2017 | 1 Kommentar

Work and Travel bedeutet, dass man das Jobben und Reisen im Ausland kombiniert. Als Working Holiday Maker finanziert man sich seine Reise durch Gelegenheitsjobs und kann zwischendurch oder im Anschluss dann das Land erkunden. Australien ist besonders beliebt für Work and Travel. Das Land ist bekannt für eine große Vielfalt an Backpacker-Jobs und aufgrund der vielen Strände, exotischen Tiere und Sonne satt eine der Lieblingsdestionationen für Work and Traveller. Aber ist in Australien wirklich alles so einfach, wie man sich das vorstellt? Gibt es wirklich überall in Australien gute Jobs? Wo findet man diese und wie stehen die Chancen? Jane vom work&travel/Magazin hat ehemalige Australien Work and Traveller gezielt in diesem Gruppeninterview dazu befragt.

Die Interviewteilnehmer:

Lisa mit Kangaroo

Lisa (24)

>> Oktober 2016 – Februar 2017

 

 

 

 

 

 

Malte in Sydney

 

 

Malte (29)

>> Juni 2007 – Juni 2008 (+ erneute Reise im Frühjahr 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

Work and Travellerin Julia

Julia

>> August 2005 – August 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

Jenny (32)

>> 2012 – 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

Jennifer

>> Oktober 2010 – März 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

Isabel

Silvester 2008/ 2009 – Juni 2009

 

Work and Traveller Cedric

 

 

 

 

 

 

Cedric (26)

2015 -2016

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppeninterview zum Thema „Work and Travel in Australien“

w&t/magazin: Wann warst du in Australien? Wie lange warst du dort? Was hast du dort gemacht?

Malte: Mich hat es nach meinem Abitur von Ende Juni 2007 bis Mitte Juni 2008 mit einem guten Schulfreund zu einem Work and Travel-Aufenthalt nach Australien verschlagen. Wir waren also fast genau ein Jahr mit unserem eigenen Auto unterwegs, haben in diesem gewohnt und damit den kompletten Kontinent umrundet. Fast 40.000 Kilometer hatten wir am Ende abgespult. Außerdem war ich Anfang dieses Jahres bei meiner Durchreise nach Neuseeland für insgesamt knapp zwei Wochen in Perth, Melbourne und Sydney. Das war schon ein tolles Erlebnis nach knapp 10 Jahren zurückzukehren und so einige alte Lieblingsplätze nach so langer Zeit wiederzuentdecken.

Jennifer: Ich bin im Oktober 2010 für etwa 6 Monate nach Down-Under gereist. Nachdem ich mein Abitur im Mai 2010 fertig gemacht habe, wollte ich für eine gewisse Zeit mal etwas anderes sehen und mich noch nicht für einen festen Berufs- oder Studienweg entscheiden. Also bin ich zusammen mit einer (damals noch flüchtigen) Bekannten los gereist, um in Australien mit einem Work and Travel Visum zu jobben. Wir hatten damals nur unseren Hinflug fest gebucht, da wir uns den Aufenthalt so flexibel wie möglich halten wollten. Zunächst sind wir in den noch relativ unbekannten Westen des Landes, nach Perth, geflogen, um uns von dort in Ruhe einen Job zu suchen und eine Reiseroute zu planen.

Julia: Ich war von August 2005 bis August 2006 mit dem Working-Holiday-Visum für genau ein Jahr in Australien und gehöre damit noch zu einer der frühen Work-and-Travel-Generationen in Down Under. Ich habe ziemlich genau sechs Monate gearbeitet und bin sechs Monate gereist. Einen Monat davon habe ich außerdem in Neuseeland verbracht, wo ich die Nord- und Südinsel bereist habe.

Cedric: Ich war von Anfang Oktober 2015 im Rahmen des Working Holiday Visums für ein Jahr in Australien. Direkt nach meiner Ankunft in Sydney habe ich mir ziemlich genau zwei Monate Zeit genommen, die Ostküste von Sydney bis nach Cairns zu bereisen. Von Cairns aus bin ich dann nach Melbourne geflogen, wo ich ca. sechs Monate meiner Zeit in Australien verbracht und gearbeitet habe. Zwischendurch habe ich einen Monat auf einer Farm gearbeitet, bevor ich zum Ende meines Jahres dann noch sechs Wochen mit einem Camper über die Great Ocean Road, durch das Outback, vorbei am Ayers Rock, hoch nach Darwin gefahren bin. Von Darwin aus ging es dann die wunderschöne Westküste bis nach Perth wieder hinunter, wo mein Australienabenteuer vorerst sein Ende gefunden hat.

Isabel: Über Silvester 2008/Neujahr 2009 flog ich mit meinem damaligen Freund für ein halbes Jahr nach Australien. Ganz klassisch waren wir mit dem Rucksack unterwegs und kauften uns ein Auto – einen weißen Mitsubishi Magna Station Wagon –, das unser Transportmittel und auch gleichzeitig Schlafplatz sein würde. Wir legten insgesamt 28.000 Kilometer zurück, nachdem wir den Kontinent einmal umrundeten und den „ kleinen Abstecher“ ins Zentrum zum Ayers Rock machten. Aber es wurde auch gearbeitet und zwar sogar ein Drittel der Zeit.

Lisa: Ich war von Oktober 2016 bis Februar 2017 in Australien. Ich habe bei Capitalis, einer Marketing Research Company in Northbridge gearbeitet, und Firma vor allem im Bereich der Marktforschung sowie bei Social Media-Aktivitäten unterstützt.

Jenny: Im April 2012 startete ich meine Reise nach Australien und war letztendlich insgesamt 2 Jahre dort. Ich habe meinen Aufenthalt durch verschiedenen Jobs finanziert und bin zudem viel gereist. Insgesamt führte mich der Weg einmal komplett um den roten Kontinent sowie quer durch die Mitte und auch immer wieder in die umliegenden Traumziele wie die Südsee oder Bali.

w&t/magazin: Welche Jobs hast du vor Ort ausgeübt? Hattest du Vorerfahrung in den Bereichen, in denen du tätig warst?

Malte: In der Zeit haben wir auf 6 verschiedenen, anbauenden Farmen gearbeitet. Die Tätigkeiten führten von einfachen Fruit-Picking-Aufgaben (Bananen, Zucchini, Pfirsiche, Weintrauben) zu auch durchaus verantwortungsvolleren Arbeiten. So waren wir z. B. in Kununurra in Western Australia für die Bewässerung einer riesigen Sandel-Holz-Plantage zuständig. Die Pflanzen haben einen immensen Wert und sind sehr sensibel. Daher war es damals schon sehr überraschend, dass uns diese Tätigkeit anvertraut wurde. Da wir direkt nach der Schule logischerweise keine Vorerfahrungen in anderen Bereichen hatten, haben wir ganz bewusst nach Jobs auf Farmen und Plantagen gesucht. Uns haben aber auch einfach diese typischen Backpacker-Arbeiten gereizt und wir wollten zudem möglichst viel Zeit an der freien Luft verbringen. Außerdem fühlten wir uns anfangs mit unserem Englisch noch nicht ganz so sicher und auch die Aussicht auf das 2. Visum war Ansporn diesen anstrengenden und teils monotonen Aufgaben nachzugehen.

Jennifer: Wir haben uns zunächst am WWOOFing probiert. Hier haben wir bei einem jungen Pärchen gewohnt und Ihnen bei ihrer Arbeit auf ihrer eigenen Farm an der Westküste geholfen. Das war ein schöner Einstieg, um das Land und die Leute ein wenig besser kennenzulernen, sich in die Sprache zu denken und um Kosten zu sparen – denn für deine Arbeit bekommst du Kost und Logie gestellt. Nach langer erfolgloser Suche haben wir im Anschluss einen Job in Adelaide gefunden. Hierbei haben wir Kinderspielzeug in Shoppingmalls verkauft. Dieser Job war schlecht bezahlt war und ein wenig unseriös, weswegen wir kurz vor Weihnachten dann die klassische Fruitpicking-Karriere gestartet haben. In Adelaide haben wir angefangen Kirschen zu pflücken, einige Wochen später dann Trauben in Mildura. Für keinen dieser Jobs brauchten wir Vorerfahrungen, wurden auch nie danach gefragt – wichtig ist ein «ausreichendes» Englisch (gutes Schulenglisch).

>> Welche Erfahrungen hast du gemacht? Wo hast du gejobbt? Gab es Probleme bei der Jobsuche? Hinterlasse uns gerne unten einen Kommentar! <<

Julia: Zu meinen besten Jobs zählte die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff. Für die Reederei „Captain Cook Cruises“ habe ich sowohl im tropischen Queensland als auch in Südaustralien gearbeitet. In Queensland haben wir Ausflüge zum Great Barrier Reef, paradiesischen Inseln und zum nördlichsten Punkt Australiens gemacht. In meiner Mittagspause konnte ich oft am Great Barrier Reef schnorcheln oder traumhafte Inseln erkunden. In Südaustralien sind wir auf dem größten Fluss des Landes, dem Murray River, durchs australische Hinterland geschippert. Der Job war super, weil Verpflegung und Unterkunft auf dem Schiff inklusive waren und ich mein gesamtes Gehalt sparen konnte. Außerdem habe ich eine Zeit lang in Cairns Eis verkauft, in Melbourne in einem Café sowie Restaurant gekellnert und in der Nähe von Perth Olivenbäume gepflanzt.

Cedric: Ich hatte tatsächlich nur einen richtigen Job über längere Zeit. Fast die gesamte Zeit über, in der ich in Melbourne gelebt habe, habe ich in einem Lagerhaus für eine Outdoor-Bekleidungsmarke gearbeitet. Hier war ich für das Kommissionieren, Verpacken und das Versenden der Waren zuständig. Darüber hinaus habe ich mich einen Monat lang im Fruit Picking, in meinem Fall Weintrauben, probiert. Außerdem habe ich aushilfsmäßig als Verkäufer auf einem Markt geholfen. Hier habe ich verschiedenste Hülsenfrüchte, getrocknete Früchte und eine Varietät an Rosinen verkauft.

Isabel: Ich war vorwiegend in der Gastronomie tätig. Zuerst in einem chaotisch geführten Restaurant und einer Duckstein Brauerei im Weinanbau- und Touristengebiet Swan Valley. Später landete ich „versehentlich“ bei der Air Force; ich hatte mich über das Internet für alle möglichen Gastro-Jobs beworben und anscheinend nicht gesehen, dass einer davon beim Militär war. Es war aber eine fabelhafte Zeit dort! Vorerfahrungen hatte ich keine, auch mein Englisch war schlecht. Daher ging es zu Beginn erst mal in die Küche, da ich obendrein auch von Wein keine Ahnung hatte. Mit der Zeit wuchs ich aber mit den Aufgaben. Den Betrieben war zumeist nicht die Vorerfahrung wichtig, sondern dass die Backpacker länger als ein paar Tage blieben. Fruitpicking war auch dabei, das überstand ich aber nur einen Tag.

Nadine auf einer Schaffarm in Australien

Lisa: Ich habe in Perth als Market Researcher gearbeitet und meine Firma bei Marketingentscheidungen unterstützt. Zu meinen Tätigkeiten in der Firma gehörten unter anderem das Erstellen und Auswerten von Fragebögen, das Führen von Telefoninterviews, die Vorbereitung von Präsentationen sowie die Pflege unserer Twitter- und LinkedIn-Seiten. Ich bringe bereits Vorerfahrungen in diesem Bereich mit, da ich an der Universität auch im Forschungsbereich arbeite und daher gute Statistikkenntnisse aufweise. Außerdem habe ich bereits ein Praktikum bei der INITIATIVE auslandszeit absolviert, für die ich einen Fragebogen zum Thema Freiwilligenarbeit im Ausland evaluiert sowie Näheres über Online-Marketing-Aktivitäten gelernt habe.

Jenny: Während meiner Zeit Down Under habe ich verschiedene Jobs ausgeübt. So habe ich in der Gastronomie, auf einem Campingplatz auf verschiedenen Farmen aber auch für insgesamt 6 Monate für eine Backpackeragentur gearbeitet, die Neuankömmlingen bei allen organisatorischen Dingen zur Seite steht. Hierbei kam mir meine touristische Ausbildung natürlich zu Gute. Auch in der Gastronomie hatte ich Erfahrung da ich immer schon entsprechende Nebenjobs gemacht habe. Kellnern, Kassensysteme, etc. waren nicht neu für mich. In Australien kommt einem das dann immer zu Gute.

w&t/magazin: Wie hast du deine Jobs gefunden? Wie sind/waren deine Erfahrungen vor Ort? Wovon hängt es ab, ob man schnell einen Job findet oder nicht?

Malte: Wir hatten meist mit privaten Jobagenturen in kleineren Orten im Inland Erfolg, die sich auf Jobs in der Landwirtschaft spezialisiert haben und daher gerne auch an Backpacker Arbeiten vermittelt haben. Dabei haben wir uns immer sehr an den bekannten Erntekalender für Australien gehalten und sind ganz bewusst in die Regionen gefahren, wo gerade viele Erntehelfer benötigt wurden. Unser großer Trumpf war dabei sicherlich auch unser eigenes Auto. So waren wir immer sehr spontan und flexibel und konnten in kürzester Zeit mehrere Hundert Kilometer zurücklegen, wenn dort jemand wegen eines Jobs nach uns gerufen hat. Was man auch ganz klar sagen muss, dass deutsche Backpacker zu unserer Zeit einen deutlich besseren Ruf hatten als beispielsweise Franzosen und Engländer und somit auch schneller eingestellt wurden. Sie galten einfach als fleißiger und pflichtbewusster.

Jennifer: Wir haben uns bei der Plattform (http://www.gumtree.com.au/) angemeldet, die perfekt für Backpacker ist. Dort kannst du Mitfahrgelegenheiten, Jobs oder aber auch z.B. Autos, die zum Verkauf stehen, finden. Hier haben wir zwei unserer Jobs gefunden. Auch Infoboards in Hostels oder Jobagenturen können sehr hilfreich sein. Ich denke es ist immer ein wenig Glückssache, wie schnell man einen Job findet. Man sollte sich jedoch vorher schon einmal erkundigen, wann es günstig ist wohin zu fahren (insbesondere bezüglich Erntezeiten). Man kann sich sonst auch bereits von zu Hause schlau machen und auf jeden Fall Freunde, die bereits dort waren, nach Kontaktdaten und Empfehlungen fragen.

Julia: Meinen ersten Job in einer Eisdiele in Cairns habe ich gefunden, indem ich einfach von Laden zu Laden gegangen bin und meinen Lebenslauf verteilt habe. Auf dieselbe Art fand ich meine Kellnerjobs in Melbourne. Meinen besten Job auf einem Kreuzfahrtschiff habe ich über Mundpropaganda gefunden. Eine Backpackerin erzählte mir davon und ich bin sofort zum Büro der Reederei gelaufen und habe meinen Lebenslauf dort abgegeben. Wenige Tage später luden sie mich zum Vorstellungsgespräch ein. Für dieselbe Reederei konnte ich dann wenige Monate später auch in Adelaide arbeiten. Meinen einzigen Landwirtschaftsjob – Olivenbäume pflanzen in Westaustralien – fand ich über eine auf Fruitpicking und Landwirtschaftsjobs spezialisierte Jobagentur. Die Jobvermittlung war total schnell und ich musste keine Provision bezahlen. Daher kann ich Jobagenturen und das persönliche Verteilen von Lebensläufen auf jeden Fall empfehlen, für mich waren das die effektivsten Strategien.

Cedric: Ich habe meinen Job über Freunde gefunden, die schon dort gearbeitet haben. Meiner Erfahrung nach ist es oft so, dass Stellen so besetzt werden. Jemand kennt jemanden, der jemanden kennt. Beim Fruit Picking oder auch für diverse andere Jobs kann man sich über entsprechende Angebote im Internet informieren und zum Teil auch gleich bewerben. Hier hilft es immer auch direkt bei dem potenziellen Arbeitgeber anzurufen und nachzufragen. Das klassische CV ausdrucken und verteilen funktioniert vor allem in der Gastronomie und dem Einzelhandel gut. Wenn man hartnäckig ist und sich nicht unterkriegen lässt und vielleicht durch Kreativität herausstechen kann, hat man sehr gute Aussichten schnell einen Job zu finden.

Isabel: Fruitpickingjobs suchten wir im Internet, die ersten Gastro-Jobs aber erfragten wir direkt vor Ort. Wir suchten heraus, wo die Restaurantdichte besonders hoch ist, reisten dorthin und klapperten dann die Läden mit CV in der Hand nacheinander ab. Das würde ich jedem empfehlen, denn so haben sie gleich ein Gesicht und Auftreten des Bewerbers vor Augen. Wobei wir den zweiten Gastro-Job bei der Air Force wieder übers Internet (Gumtree) fanden, das geht also auch. In allen Fällen dauerte es vom Fragen/Bewerben bis zum Jobbeginn aber nicht lange. Wir hatten zwar auch viele Absagen, verbrachten aber konsequent die Tage mit der Jobsuche. Sich persönlich vorstellen, nett auftreten, viel bewerben und eine formal ordentliche Bewerbung sind meines Erachtens nach der Schlüssel zum Erfolg.

Lisa am Schreibtisch bei ihrem Praktikum in Australien

Lisa: Den Job habe ich mir bereits in Deutschland besorgt, da es für mich wichtig war im Research- Bereich zu arbeiten und ich bereits vor meiner Ankunft eine gewisse Sicherheit haben wollte. Dafür habe ich viel recherchiert und alle Firmen in Australien angeschrieben, die für mich in Frage kommen. Ich habe Bewerbungsgespräche über Skype geführt und mich letztendlich für die Firma entschieden, die am ehesten meinen Vorstellungen entspricht. Es ist wichtig, dass das Englisch fließend ist, um einen guten Job zu bekommen, unabhängig davon, ob man sich vor Ort oder von zuhause bewirbt. Relevant ist auch zu recherchieren, inwiefern sich z. B. der australische Lebenslauf vom deutschen unterscheidet, um Fauxpas zu vermeiden. Außerdem sollte man für höherqualifiziertere Jobs einen Bachelorabschluss vorweisen.

Jenny: Die meisten Jobs habe ich durch Kontakte und übers Internet gefunden. Wichtig ist, dass man hartnäckig bleibt und man muss sich von der Konkurrenz absetzen können. Gerade in der Gastronomie habe ich es mehrfach erlebt, dass man zu einem Probearbeiten eingeladen wurde und sich dann behaupten musste. Wenn man in der Bewerbung angibt, dass man ein Tablett tragen und auch Cocktails mixen kann, dann sollte man das natürlich auch beweisen können. Australier machen gerne einen „Praxistest“ bevor jemand eingestellt wird. Generell ist der Arbeitsmarkt eher praktisch orientiert. Daher kann man seine Schulzeugnisse getrost zuhause lassen. Wichtiger ist ein Arbeitszeugnis von dem Ferienjob im Supermarkt, dann natürlich auf Englisch.

w&t/magazin: Wie gut sind/waren deiner Meinung nach die Jobchancen vor Ort?

Malte: Mein Aufenthalt ist natürlich schon ein paar Jahre her und auch wir haben damals nicht immer sofort einen Job gefunden. Aber ich denke, wenn man wirklich hartnäckig sucht und sich nicht zu schade ist über ein paar Wochen auch mal anstrengende und monotone Jobs nachzugehen, so können auch Backpacker ohne berufliche Vorerfahrung immer noch relativ schnell geeignete Jobs finden. Natürlich muss man dafür auch mal die Trampelpfade und Backpacker-Hochburgen an der Küste verlassen und sich in weniger populäre Orte im Inland aufmachen. Wer dazu bereit und motiviert ist, sollte sich keine allzu großen Sorgen bezüglich der Jobsuche machen.

Jennifer: Wir hatten leider etwas Pech, was die Jobsituation anging, da im Frühjahr 2011 die Jahrhundert-Flut in Queensland war und dadurch sich viele Backpacker in den gleichen Regionen getummelt und nach Jobs gesucht haben und darüber hinaus natürlich die ganzen Ernten der Region kaputt gegangen sind. Allgemein kommt es sehr auf deine Vorerfahrungen, Englischkenntnisse und Ansprüche an. Wenn du nicht wählerisch bist und auch dazu bereit bist etwas länger an einem Ort zu bleiben und auch für eintönige oder langweilige Jobs bereit bist, wirst du sicherlich immer etwas finden können. Schwieriger wird es natürlich auch, wenn man zu mehreren reist und dann abhängig von seinem Reisepartner ist. Nützlich ist es zum Beispiel auch, wenn man ein Auto hat – um beispielsweise Jobs außerhalb zu erreichen (besonders im ländlichen Bereich).

Julia: Ich habe immer einen Job gefunden, wenn ich einen brauchte und musste auch nicht lange suchen. Meinen ersten Job fand ich am ersten Tag der Jobsuche. Es war der erste Laden überhaupt, in dem ich in Australien meinen Lebenslauf abgab. Meinen zweiten Job fand ich noch während ich in der Eisdiele arbeitete. Jemand erzählte mir davon und ich bewarb mich einfach auf gut Glück. So wechselte ich von meinem ersten Job direkt zum zweiten Job. Danach hatte ich genug Geld, um mehrere Monate nur zu reisen. In Melbourne dauerte es etwas länger, einen Job zu finden. Wahrscheinlich lag das an der Größe der Stadt und der damit verbundenen großen Konkurrenz. Eventuell ist es mittlerweile schwieriger, einen Job in Australien zu finden, da es mehr Work and Traveller gibt. Ich denke aber, dass man zumindest in der Landwirtschaft wirklich immer etwas findet.

Cedric: Ich denke hier kommt es ein wenig darauf an, wo man sich befindet. Jobchancen gibt es überall, in manchen Städten und Regionen ist es hierbei vielleicht einfacher als in anderen. Generell ist es so, dass wenn man einen Job will oder braucht, man auch immer einen Job finden kann, egal wo man ist. Hier darf man unter Umständen nicht allzu wählerisch sein. Oft sind die Jobs leicht zu bekommen, die die Locals nicht so gerne machen.

Isabel: Schon bevor ich 2008 nach Down Under reiste, hieß es, die Jobsuche werde immer schwerer, da immer mehr Backpacker kämen und der Staat zu Gunsten seiner Bürger den Arbeitsmarkt strenger regulieren würde. Das mag stimmen. In einigen Branchen wie der Bergbaubranche beispielsweise ist das so. Das muss aber nicht auf alle zutreffen, denn letztlich ist jede Erfahrung individuell. Entgegen des allgemeinen Pessimismus fanden wir zum Beispiel immer einen Job. Grundsätzlich ist natürlich klar, je mehr Einwanderer kommen – ob nun temporäre oder permanente –, desto umkämpfter ist der Arbeitsmarkt. Daher wird es in Zukunft auch nicht leichter werden. Aber ich glaube, die Chancen hängen eben von der Branche und vor allem auch vom Bewerber ab. In Deutschland hat man auch Bewerberkonkurrenz.

Lisa: Dies ist für mich schwer zu beurteilen, da ich mir nur eine Stelle für die gesamte Zeit gesucht habe. Ich denke aber, dass es für High Level-Jobs eher schwieriger ist, weil deutsche Studiengänge nur selten bekannt sind und man schon mit vielen Absagen rechnen muss. Ich habe allerdings vor Ort Freunde, die recht schnell einen Job gefunden haben, für den kein abgeschlossenes Studium zwingend erforderlich war.

Jenny: Meiner Meinung nach gibt es genügend Jobs für Backpacker vor Ort. Jedoch sollte man bei der Jobsuche die Saisonzeiten und eigenen Qualifikationen beachten und sich vor allem nicht überschätzen. Es gehört immer auch die Überlegung hinzu: welchen Mehrwert biete ich meinem zukünftigen Arbeitgeber. Wenn man also wenig Arbeitserfahrung mitbringt, kann man auch nicht erwarten einen hoch qualifizierten Job auszuüben. Grundsätzlich sollte man bei der Jobsuche sehr flexibel sein. Wenn man merkt, dass man an einem Ort keinen Erfolg hat, dann muss man weiterreisen. Außerdem haben die Australier eine andere Mentalität als wir. Daher ist es wichtig hartnäckig zu sein und wenn es sein muss 10x nachzufragen. Es gehört ganz viel Eigeninitiative zur Jobsuche und auch die Fähigkeit sich „gut verkaufen zu können“.

w&t/magazin: Welche Branchen sind deiner Meinung nach besonders gut geeignet für Work & Traveller?

Malte: Natürlich stehen die Arbeiten auf Farmen und Plantagen ganz weit oben. Aber auch im Tourismus, in der Gastronomie und teilweise auch auf dem Bau haben Work and Traveller ohne große Vorerfahrungen sehr gute Jobchancen.

Jennifer: Ich denke insbesondere die Gastronomie ist eine gute Anlaufstelle – sofern du bereit bist eine gewisse Zeit an einem Ort zu bleiben. Hier ist es besonders beliebt in deutschen Gaststätten zu arbeiten. Männer haben nochmal mehr Möglichkeiten, da sie zum Beispiel super auf Baustellen arbeiten oder aber andere körperlich anstrengende Jobs erledigen können. Auch so genannte Roadhäuser (Motels/Hotels für Truckfahrer) sind beliebt, da sie sehr gut bezahlen und man in kurzer Zeit sehr viel Geld sparen kann. Hier muss man aber für 2-3 Monaten im Outback leben und arbeitet im Prinzip den ganzen Tag durch (und hat damit auch kaum Ausgaben). Viele nehmen das aber in Kauf, damit sie im Anschluss entspannt reisen können.

Julia: Neben Fruitpicking, Farmarbeit und anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten gibt es vor allem in der Gastronomie, im Tourismus sowie in der Baubranche viele Jobs für Work and Traveller. Diese Branchen eignen sich besonders, da man auch sehr kurzfristig einen Job finden kann und nicht so lange bleiben muss. Als Work and Traveller ist es wichtig, schnell einen Job zu finden und nicht so viel Zeit mit der Jobsuche zu verlieren. Denn auch wenn sich ein Jahr nach sehr viel hört, ist es leider schneller rum, als man am Anfang glaubt.

Cedric: Hier stechen vor allem Chancen in der Gastronomie, dem Einzelhandel und der Tourismusbranche heraus. Auch Call Center Stellen sind für Leute mit bereits sehr guten Englischkenntnissen gut geeignet. Dann gibt es sehr viele Jobmöglichkeiten im Door to Door Sales Bereich oder beim Fundraising für die verschiedensten Zwecke. Zuletzt kann man immer einen Job auf einer Farm finden und/oder beim Fruit Picking landen.

Isabel: Ich kann natürlich nur von meinen Erfahrungen ausgehen, die inzwischen acht Jahre zurückliegen. Aber „damals“ landeten Backpacker vorwiegend auf dem Feld (Fruitpicking) oder in der Gastro. Ich kannte auch viele, die in sog. Working Hostels tätig waren. Da kam man schnell ran. Aber auch das kann man pauschal nicht sagen, da dies auch von der Qualifikation des Work and Travellers abhängt. Ich hatte damals noch keine, weshalb ich in den beiden Branchen landete, das ist ja hier auch nicht anders. Bei jemandem, der bereits studiert oder eine Ausbildung gemacht hat, kann das schon wieder ganz anders aussehen.

Lisa: Wenn man relativ offen bezüglich des Jobs bzw. Praktikumsbereichs ist, wird man im Marketing- oder generell im BWL-Bereich schnell etwas finden. Wenn man einen spezifischeren Bereich sucht, wie z. B. in meinem Fall der Research-Bereich, sieht die Sache schon schwieriger aus. Generell denke ich, dass es einfacher ist einen Job zu bekommen für den keine Qualifikationen zwingend notwendig sind, wie. z. B. in der Gastronomie als Kellner/in.

Jenny: In Australien kommt es bei der Jobsuche oft nur auf die praktischen Erfahrungen an. Dem zukünftigen Arbeitgeber ist in erster Linie daran gelegen, dass der zukünftige Arbeitnehmer die Aufgaben beherrscht und umsetzen kann. Da viele Backpacker ohne nennenswerte Arbeitserfahrungen nach Australien reisen, darf man dann nicht davon ausgehen die Karriereleiter empor zu klettern. Bereiche in denen man auch ohne Arbeitserfahrung gut klar kommt sind u.a. die Gastronomie oder Farmarbeit. Denn um es mal ganz platt zu sagen: Tellerwaschen und Äpfel pflücken kann jeder. Je mehr Arbeitserfahrung man jedoch vorweisen kann, umso höher sind die Chancen einen qualifizierten Job zu ergattern. Außerdem kommt den Backpackern die Struktur des Arbeitsmarktes zu Gute. Dieser ist nämlich sehr schnelllebig. Jobs werden in der Regel binnen einiger Tage vergeben.

w&t/magazin: Gibt es Regionen, die du für die Jobsuche empfehlen kannst?

Malte: Es ist sicherlich nicht überraschend, dass man im weniger überlaufenden Western Australia durchaus schneller Jobs finden kann als an der proppenvollen Ostküste. Empfehlen kann ich da vor allem die Orte Margaret River im Südwesten und Kununurra im Nordosten Western Australias für die Farmarbeit. Aber auch sonst kann ein wenig Kreativität bei der Reiseroute nicht schaden. Wenn sich im australischen Winter beispielsweise fast alle Backpacker in den wärmeren, tropischen Norden reisen, könnte man sich dem erwehren und sich zum Beispiel in die Snowy Mountains oder nach Tasmanien in die Skigebiete aufmachen. Dort werden in den Bars, Hotels und Skiliften zur Hauptsaison fast immer helfende Hände gesucht.

Jennifer: Schlau ist es immer in die Regionen zu gehen, die nicht zu sehr überlaufen sind. Klar ist, dass Städte an der Ostküste (Melbourne, Sydney, Byro Bay etc.) sehr beliebt sind und fast jeder davon träumt dort einen Job zu bekommen – da hier das Leben am Strand und in der Sonne natürlich schöner ist als beispielsweise im Outback. Aus meinem damaligen Bekanntenkreis habe ich von vielen gehört, dass sie nördlich von Perth gute Jobs bekommen haben oder aber in der Region um Mildura im Fruitpicking tätig waren.

Julia: Meiner Meinung nach ist es besser, sich im australischen Winter im Norden aufzuhalten und im Sommer im Süden. So habe ich es zumindest gemacht und bin damit gut gefahren. Vor allem für Tourismus- und Gastronomie-Jobs ist das perfekt, denn in der Nebensaison gibt es in diesem Bereich keine Jobs für Work and Traveller. Prinzipiell ist es schlau, während der Hauptsaison, also zum Beispiel Dezember und Januar, zu arbeiten und in der Nebensaison zu reisen. Außerdem sollte man in Australien auf jeden Fall einen Erntekalender haben und immer wissen, was wann wo geerntet wird. Dann kannst du den Jobs in Australien quasi hinterher reisen. Auch in entlegenen Gebieten und kleinen Orten im Outback findet man mitunter gut bezahlte Jobs, da die Locals dort händeringend nach Arbeitskräften suchen.

Cedric: Ich bin der Meinung, dass es hier keine bestimmte Region gibt, die sich von anderen abhebt. Wenn man nicht zu wählerisch ist und sich ein wenig bemüht und sich hartnäckig zeigt, kann man überall einen Job finden.

Isabel: In der Gastro war alles rund um Perth perfekt. Hier gibt es Touristen, aber nicht so viele wie an der Ostküste, wo sich zahlreich Backpacker und Urlauber gleichermaßen tummeln. Das bedeutet zwar ein großes Jobangebot, aber auch noch mehr Nachfrage. Im urbanen Raum in Western Australia dagegen gab es ein moderates Angebot mit ein wenig Nachfrage. Beim Fruitpicking hängt die Wahl der Region natürlich von der Saison ab. Wir waren damals in Swan Valley, als die Weintrauben langsam überreif wurden. Es gab zwar noch Ernte, die war aber schlecht und der Job daher mies bezahlt. Informieren ist daher immer gut! Regionsunabhängig empfehle ich das Militär! Den Job in der Kantine kann jeder machen und er wird echt gut bezahlt.

Lisa: Perth kann ich insofern empfehlen, dass ich denke, dass die Jobs hochqualitativ und anspruchsvoll sein können. An der Ostküste, wo ich mich auch bei Firmen beworben hatte, wurden mir häufig nur Jobs als Fieldworker oder Ähnliches angeboten. In Perth habe ich dann zwei Firmen gefunden, die mir angeboten haben bei ihnen als Analyst zu arbeiten. Außerdem ist die Ostküste häufig begehrter bei Work & Travellern und somit gibt es dort mehr Konkurrenz bezüglich der Jobsuche.

Jenny: Generell gilt: Zu Silvester einen Job in Sydney zu finden ist nahezu unmöglich. Warum? Weil Sydney zu der Zeit überlaufen ist und die Konkurrenz untereinander viel zu hoch ist. Alle wollen schließlich das große Feuerwerk in Sydney sehen. Und so verhält es sich auch mit dem Rest des Landes. Für die verschiedenen Regionen gibt es immer wieder Zeitspannen, in denen es dann schwerer ist einen Job zu finden. Alle wollen natürlich auch am Strand arbeiten, denn es ist ja Australien, da gehört das ja dazu. Wenn man jedoch bereit ist auch mal ins Landesinnere zu reisen, weg von dem Trubel der Küsten, dann hat man sehr gute Chancen schnell einen Job zu finden. Mein Tipp also: Rein ins Landesinnere, rein ins Outback!

w&t/magazin: Hältst du Australien inzwischen für überlaufen – in Bezug auf Backpacker/Work & Traveller?

Malte: Wenn man in einem Supermarkt im Zentrum Cairns einkauft und um sich herum nur junge Menschen Deutsch sprechen hört, kann man das sicherlich so sehen. Man muss auch klar sagen, dass es gerade in den Orten an der Ostküste extrem viele Backpacker gibt und verständlicherweise nicht alle Australier davon so begeistert sind. Allerdings ist Australien auch ein so riesiges und vielfältiges Land, dass jeder, wenn er denn nur will, dem Trubel entkommen kann und z. B. im Outback oder weniger bekannten Nationalparks das typische und ursprüngliche „Down Under“ kennenlernen kann.

Jennifer: Ja, ich denke Australien ist mittlerweile überlaufen. Bereits 2010 war es unglaublich wie viele Deutsche man auf den Straßen trifft. Obwohl ich in meinem Freundeskreis fast die Einzige war, die damals so etwas gemacht habe, muss ich sagen, dass es mittlerweile nichts Besonderes mehr ist. Gerade Australien und Neuseeland sind hierbei sehr beliebt, da sie gute Einstiegsländer sind. Die Kultur unterscheidet sich nicht ganz so stark von unserer, das Land gilt als sicher und die Infrastruktur ist für Backpacker perfekt. Hinzukommt, dass Australien riesig und sehr weit weg ist, weswegen sich ein Aufenthalt für 1-2 Wochen als Jahresurlaub kaum lohnt und man mit einem Jahresvisum genügend Zeit hat den sehr vielseitigen Kontinent zu entdecken.

Julia: Leider war ich den letzten zehn Jahren nicht in Australien, von daher kann ich das schwer beurteilen. Es waren schon 2005/06 viele deutsche Work and Traveller unterwegs. Manchmal hat es mich genervt, wenn in meiner Umgebung zu viel Deutsch gesprochen wurde. Andererseits war es aber auch gut, wenn ich mich mal einsam gefühlt habe oder Unterstützung brauchte. Dann war immer jemand da, der mich verstanden hat und irgendwie weiterhelfen konnte. Bei der Jobsuche habe ich mich durch die vielen Work and Traveller jedoch nicht eingeschränkt gefühlt. Wenn man es wirklich möchte, gibt es in Australien außerdem immer Möglichkeiten, sich von den Backpackern abzuseilen und den Kontakt zu Einheimischen zu suchen. Beispielsweise über Couchsurfing, Help-Exchange-Netzwerke wie HelpX, WorkAway oder WWOOF oder indem man sich einen Job in einem kleinen Outback-Nest sucht.

Cedric: Ja. Fast egal, wo man in Australien ist, wird man auch anderen Backpackern über den Weg laufen.

Isabel: Australien war 2009 schon sehr überlaufen, ja. Vor allem in den Großstädten und an der Ostküste triffst du überall auf Work and Traveller und auch alle anderen Touristen. Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber damals war die Westküste ein echter Geheimtipp. Hier konnten wir mit unserem Auto mitunter direkt am Meer verweilen. Auch Wildcampen war an ausgewiesenen, einsamen und ultra schönen Stellen erlaubt. Ganze Wiesen oder Strände gehörten uns, auch auf Wanderwegen zu Wasserfällen traf man nur auf eine Handvoll Menschen. Ohne eigenes Auto gestaltet sich die Westküste aber zugegebenermaßen schwer und wenn sich alle diesen Tipp halten, wird natürlich auch die Westküste irgendwann überrannt sein. Dass ein Ort überrannt ist, kann aber auch zu netten Kontakten führen.

Lisa: Ja, sehr. Gerade deutsche Work & Traveller überlaufen Australien, man trifft sie gefühlt an jeder Ecke. Daher ist es am besten im Sommer zu kommen, da in dieser Zeit mehr Leute für Jobs gesucht werden als im Winter.

Jenny: Australien ist riesig. Es ist 22-mal größer als die Bundesrepublik Deutschland. Dabei leben dort nur knapp 23 Mio Menschen. Diese Menschen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Ballungszentren and den Küsten und das sind auch die Regionen, in denen sich viele Work and Traveller aufhalten. Diese Hotspots können zu Saisonzeiten tatsächlich überlaufen sein, dann hört man auf der Straße mehr Deutsch als Englisch. Das Schöne an einem Work and Travel Aufenthalt ist jedoch, dass man jederzeit die Wahl hat und seinen Aufenthalt nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann. Wenn es einem dort also zu trubelig ist, zieht man einfach weiter. Je weiter man sich ins Landesinnere bewegt umso mehr lässt man die feiernde Backpackergemeinde hinter sich und erlebt das „echte“ Australien.

w&t/magazin: Wie glaubst du, wird sich Work & Travel in den nächsten 5 Jahren entwickeln? Wird es spürbare Veränderungen geben?

Malte: Es wird natürlich spannend zu sehen sein, wie sich die Steuererhöhung für Backpacker in Australien auswirken wird. Ich glaube zwar nicht, dass es dadurch zu einem deutlichen Einbruch der Anzahl an Work and Traveller kommen wird. Dafür ist das Land Australien einfach viel zu reizvoll und wunderschön. Allerdings wird der jährliche, stetige Anstieg an Backpackern „down under“ sich sicherlich nicht so extrem fortsetzen. Was es in den nächsten Jahren bestimmt deutlich mehr geben wird, ist das ortsunabhängige Arbeiten vieler Backpacker. Junge Leute werden ihre digitalen Skills einsetzen, um auch von weit entfernten Orten als Freelancer für ihre deutschen Arbeitgeber tätig sein zu können. So müssen sie sich weniger Sorgen um die Jobsuche vor Ort machen und können das Leben im Land der Koalas und Kängurus vielleicht noch mehr genießen.

Jennifer: Ich denke, dass die Nachfrage nach Work and Travel Angeboten in der Zukunft weiter ansteigen wird. Es liegt nahe, dass Auslandsaufenthalte und Englischkenntnisse stetig an Bedeutung gewinnen und dass es fast zur Normalität geworden ist, sich nach dem Abitur eine Auszeit zu gönnen. Work and Travel ist hierbei recht einfach, weil man nebenher wertvolle Joberfahrungen sammeln kann, viel unterwegs ist und sich das Reisegeld vor Ort verdienen kann – man muss also nicht so viel Geld im Voraus zusammen gespart haben. Ich denke jedoch dass Australien ein bisschen an «Exoten«-Status verlieren wird und andere, weniger überlaufende Länder – beispielsweise Kanada oder Chile – Australien als #1 Backpacker Destination ablösen werden. Im Großen und Ganzen bin ich jedoch sehr froh, dass ich mich damals dafür entschieden habe. Australien ist wunderschön und vielfältig und das Arbeiten und Leben in Down-Under hat im Endeffekt sehr stark zur meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung beigetragen.

Julia: Ich glaube, dass sich immer mehr junge Leute für Work & Travel interessieren. Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse werden einfach immer wichtiger und Work & Travel ist meiner Meinung nach der spannendste Auslandsaufenthalt überhaupt. Allerdings kommen immer mehr Destinationen dazu, sodass sich die wachsende Zahl an Work & Travellern immer besser verteilt. Die Zahl der Work & Traveller in Australien wird daher zwar weiter steigen, aber nicht so extrem, dass es die Attraktivität der Destination zerstört. Daher denke ich, dass ein Work-and-Travel-Aufenthalt in Australien in fünf Jahren immer noch eine großartige Erfahrung und ein spannendes Abenteuer sein wird.

Cedric: Ich denke, dass vor allem Länder wie Chile, Kanada oder auch Japan für junge Leute noch interessanter werden, die sich den Traum von Work and Travel erfüllen möchten. Demnach kann ich mir vorstellen das es einen kleinen Shift von den beliebtesten Work and Travel Destinationen, wie Australien und Neuseeland geben könnte, hin zu den etwas weniger bekannten Ländern, die das Working Holiday Visum anbieten. Meiner Meinung nach wird das Konzept Work and Travel weiter an Beliebtheit gewinnen und viele junge Leute, vielleicht direkt nach dem Abitur oder nach einem Studium oder sogar als Auszeit vom Berufsleben mit Ende 20, ins Ausland ziehen.

Isabel: Ich denke, in Australien wird es immer viele Backpacker geben. Dafür ist das Land einfach vielzu interessant und außergewöhnlich. Aber der Mensch möchte natürlich auch exklusiv sein, Nischen finden und weitersuchen. Wenn Work and Travel in immer mehr Ländern möglich sein wird, wird es sich auch noch ein wenig verteilen. Nichts desto weniger bin ich überzeugt, dass Australien das Work and Travel Reiseziel Nummer eins bleiben wird. Der unwirkliche Kontinent ist eben auch einfach sehr einzigartig.

Lisa: Ich denke, dass immer mehr Leute kommen werden und dies womöglich dazu führen wird, dass es schwerer wird einen Job zu finden. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass irgendwann die derzeitig fremdenfreundliche Mentalität der Australier aufgrund des Work & Travel-Booms ins Negative umschwenkt.

Jenny: Gerade heute hat Australien eine Änderung bekannt gegeben, dass sie die Kosten für das Working Holiday Visum senken, die Altersgrenze hochsetzen und die Arbeitsdauer für einen Arbeitgeber zu arbeiten von 6 Monaten auf 12 Monate hochzusetzen. All das soll auch weiterhin Backpacker anlocken. Es wird auch weiterhin viele junge Leute ins Land locken, die auf der Suche nach dem großen Abenteuer nach der Schulzeit sind. Daran wird sich erstmal nicht viel ändern. Mit den geplanten Änderungen wird jedoch auch eine andere Zielgruppe angesprochen. Bereits qualifizierte Menschen, die auf der Suche nach einem festen Job sind, haben jetzt bessere Chancen. Generell bin ich davon überzeugt, dass der Trend nach Australien zu gehen, weiter bestehen bleibt. Für mich hat es die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon lange abgehängt. Live the Australian Dream!

Tags: , , ,

Kategorie: Allgemein, Auslandspraktikum, Erfahrungsberichte, Interviews, Tipps & Tricks, Work & Travel, Working Holidays

Avatar

Über den Autor ()

Nicht nur privat, sondern auch aus schulischer Sicht, zog es Jane schon früh ins Ausland. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie dabei vor allem dem europäischen Norden und dem englischsprachigen Ausland. Nach dem Abitur verbrachte sie deshalb direkt ein ganzes Jahr als Au-Pair in einer Gastfamilie in New Canaan, CT (USA). Im Anschluss studierte sie Anglistik und Germanistik in Düsseldorf. Geplagt vom Fernweh und dem ständigen Wunsch nach Abwechslung begann sie im Sommer 2012 die spanische Sprache zu lernen, da sie mehrere Länder in Südamerika bereisen möchte. In den letzten Jahren hat sie mehrwöchige Reisen nach Vietnam & Australien unternommen. Die Mitarbeit bei der INITIATIVE auslandszeit ermöglicht ihr die tägliche Auseinandersetzung mit spannenden Auslandszeiten und den verschiedensten Erfahrungen von Reisenden oder denen, die es noch werden wollen. Neben der Reiselust gehören Reiten, Joggen, Skifahren, Kochen und Fotografie zu ihren großen Leidenschaften.

Kommentare (1)

Trackback URL | Comments RSS Feed

  1. Avatar Marius sagt:

    Wow toller und ausführlich recherchierter Artikel, wirklich toll! Wir stellen gerade Packlisten zu vielen unserer Abenteuer zusammen. Falls ihr mal eine braucht meldet euch, würden gerne was mit euch machen. VG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.