Nina Sedano: „Für Männer ist es immer einfacher“

| 10. 08. 2014 | 0 Kommentare
Ländersammlerin Nina Sedano USA

Auch wenn die Einreise ein Abenteuer war: Um sich wie ein Hollywoodstar zu fühlen, muss jeder in die USA, so Sedano.

Die Ländersammlerin Nina Sedano hat als Frau alleine alle 193 UN-Staaten dieser Erde bereist, als Nächstes hat sich die Frankfurterin die Unesco Weltkulturerbe-Stätten vorgenommen. Reisen ist definitiv mittlerweile ihre Berufung. Im Interview verrät sie uns, wo sie sich vorstellen könnte, einmal länger zu leben, wie sie ihre Leidenschaft finanziert und welches Ziel ihr bisher am besten gefallen hat.

Work and Travel Magazin: Welche Weltkulturerbe-Stätten haben Sie denn bereits abhaken können und wie weit sind Sie da mit ihrer Liste?

Nina Sedano: Ich hake grundsätzlich nichts ab. Ich schaue mir etwas an. Etwa ein Drittel der Unesco Welterbe weltweit habe ich mir angeschaut, darunter fast alle in Deutschland.

„Ich plane meine Reisen nicht ins kleinste Detail“

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Nina Sedano, Die Ländersammlerin. Wie ich in der Ferne mein Zuhause fand. Die meistgereiste Frau Deutschlands erzählt, Eden Books 2014

Work and Travel Magazin: Nachdem Sie alle UN-Länder gesehen hatten, brauchten Sie daunbedingt ein neues Ziel? Mögen Sie es nicht, sich einfach einmal treiben zu lassen?
Nina Sedano:
Um alle Staaten der Vereinten Nationen zu bereisen, brauchte ich neue Ziele, war aber in vielen Orten und Ländern mehrfach. Ich plane meine Reisen nicht bis ins kleinste Detail, sondern bin flexibel und habe meist nur Flug nach A und von B zurück, dazwischen sehe ich, was ich mache.

Work and Travel Magazin: Viele Reisende schwören ja auch darauf, etwas länger an einem Ort zu verweilen, um Land und Leute noch besser kennen zu lernen. Was halten Sie davon und wie lang war Ihr längster Aufenthalt und wo waren Sie?
Nina Sedano: Ich war in England zwei Mal drei Wochen in St. Leonards-on-Sea/Hastings und vier Wochen in Barcelona zu Sprachkursen. In Paris habe ich sechs Wochen gelebt und gejobbt. Überall dort, wo ich Leute kennen lerne, bleibe ich auch etwas länger. Ich lerne persönlich ein Land besser kennen, in dem ich viel davon sehe und auch mit den Menschen in ihrer Sprache kommunizieren kann.

Work and Travel Magazin: Wo würden Sie gerne einmal länger leben, oder wird das immer Frankfurt sein, weil dort auch Freunde und Familie leben?

Nina Sedano: Ich würde gerne in England, Irland, Kanada oder Neuseeland leben. Ich war insgesamt etwa rund zehn Jahre nicht in Frankfurt.

Work and Travel Magazin:Sie reisen allen, haben Sie sich unterwegs auch einmal verliebt?

Nina Sedano: Vor der Beziehung und Ehe mit meinem Mann hatte ich einen Freund ich Griechenland.

„Ich hatte nie Sponsoren“

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Auf ihren Reisen kennt Nina Sedano keine Berührungsängste. Statt abgeschottet im Luxushotel wohnt sie oft bei Einheimischen – wie hier in Bhutan.

Work and Travel Magazin:Wie haben Sie Ihre vielen Reisen finanziert?
Nina Sedano:
Alles selbst bezahlt. Ich hatte nie Sponsoren und lebe seit fast 26 Jahren fast mit derselben Einrichtung in meiner Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung. Ich habe kein Auto, fahre in der Mainmetropole und Umgebung überall mit dem Fahrrad hin, habe nie geraucht, trinke wenig bis keinen Alkohol, viel Wasser und Tee, leiste mir nicht ständig ein neues, modisches Outfit, nutze kein Mobiltelefon, habe einen ollen Computer, bin genügsam, bescheiden auch in der Welt unterwegs, und gehe sorgsam mit Geld und nachhaltig mit allen Ressourcen um.

Work and Travel Magazin:Warum wurden keine Fotos im Buch veröffentlicht?
Nina Sedano:
Entscheidung des Verlags!

„Die Welt ist so wunderschön und hat so viel für uns Erdenbürger zu bieten, dass ich einfach davon nicht genug kriegen kann“

Work and Travel Magazin:Welches Ziel wollen Sie auf gar keinen Fall missen? Gab es auch Länder, von denen Sie im Nachhinein enttäuscht waren?

Nina Sedano: Osterinsel, Ngorongoro Krater und Serengeti, Taj Mahal, Angkor Wat, Tikal – um nur ein paar zu nennen. Denn die Welt ist so wunderschön und hat so viel für uns Erdenbürger zu bieten, dass ich einfach davon nicht genug kriegen kann. Ich bin von Ländern nur enttäuscht, wenn die Bürokratie so kompliziert ist, dass man vom Land kaum etwas sieht wie in Äquatorial Guinea.

Work and Travel Magazin:Hat es auch Vorteile, wenn man als Frau alleine reist?

Nina Sedano: Für Männer ist es immer einfacher. Nirgendwo wird eine Frau besser behandelt, weil sie eine Frau ist, sondern sie ist in vielen Ländern nach wie vor wenig wert. Bis auf vereinzelte Situationen wurde mit mir von anderen Erwachsenen  immer respektvoll umgegangen.

„Ich möchte meinen Lesern Lust auf mehr von unserer Welt machen“

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Mittlerweile war Sedano in all den eher schwer zu bereisenden Ländern, darunter Nordkorea.

Work and Travel Magazin: Wer hatte die Idee zu dem Buch? Haben Sie das Buch eher für sich selbst geschrieben, oder auch um anderen Mut zu machen?
Nina Sedano:
Die Idee zum Buch hatte ich selbst. Ich möchte meinen Lesern Lust auf mehr von unserer Welt machen – sie ist für mich das Wunder im Universum, da wir nichts annähernd Vergleichbares gefunden haben. Ich möchte auch allen Mut machen an einer schlechten Situation nicht zu verzweifeln,  sondern zu versuchen daraus irgendwie für sich das Beste herauszuholen und sein Leben für sich gut zu leben und selbst zu bestimmten. Angst lähmt nur.

Work and Travel Magazin: Hätten Sie diesen großen Erfolg erwartet?
Nina Sedano:
Mit diesem Erfolg auf der Spiegel Bestsellerliste zu stehen hätte ich im Leben nicht gerechnet, auch wenn ich es mir gewünscht habe, aber nicht alle Wünsche werden auch wahr.

Work and Travel Magazin: Ist ein weiteres Buch in Planung?
Nina Sedano:
Gerne würde ich mein Buch über Toiletten veröffentlichen, in dem ich das Thema in über 20 unterschiedlichen Kapiteln mit viel Humor angehe und beleuchte.

Work and Travel Magazin:Warum denken Sie, wagen heute immer mehr Leute, den Schritt, kündigen ihren Job um die Welt zu entdecken?
Nina Sedano:
Wer wie ich keine Familie und die Kapazitäten hat, könnte keinen besseren Weg in Zeiten der Globalisierung gehen als unsere Welt zu erkunden.

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Reisen wie die Einheimischen: Statt im Landrover macht Sedano es sich in Tibet auf dem Rücken eines Yaks bequem.

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Kategorie: Allgemein, Berichte & Interviews, Medien

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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