Interview mit Christabel und Viola: „Für uns ist Neuseeland das perfekte Work & Travel-Land“

| 08. 10. 2013 | 1 Kommentar

Viola und Christabel

Christabel und Viola haben im vergangen Jahr Abi gemacht und sind dann los nach Neuseeland, um einmal auf eigene Faust die Welt zu erkunden und Selbstständigkeit sowie Lebenserfahrung zu gewinnen. Mittlerweile können sie kochen und backen, haben eine Metamorphose ins Backpackerleben vollzogen und können gar nicht genug davon bekommen – die beide überlegen, ihr Abenteuer noch um ein paar Monate zu verlängern.

Warum habt ihr euch für Neuseeland entschieden?
Für uns ist Neuseeland das perfekte Work & Travel-Land. Im Gegensatz zu Australien ist es viel kleiner und deshalb einfacher zu bereisen. Auf relativ engem Raum kann man viele verschiedene Naturphänomene beobachten, sodass einem nie langweilig wird.

Ihr schreibt einen Blog über euer Abenteuer, wie kam es dazu?
Zuhause haben wir schon in Blogs gestöbert und fanden es eine sehr gute Idee, unsere Erinnerungen nicht nur durch Videos und Fotos festzuhalten. Wir haben uns überlegt, dass wir die zahlreichen Erlebnisse, die wir hier haben, auch in ihren wertvollen noch so kleinen Momenten im Gedächtnis behalten wollen. Und als Hilfe haben wir unsere Blogeinträge, die im Übrigen auch unsere gesamte Fangemeinde in der Heimat stets auf dem Laufenden hält. Wir sehen uns schon in 50 Jahren vor einem Kamin sitzend und in unserem Buch zu blätternd…

Warum macht ihr die Reise gerade jetzt?
Wir haben vergangenes Jahr unser Abi gemacht und da wir noch nicht wussten, wie es danach weiter gehen sollte, haben wir uns entschlossen, ein Auslandsjahr zu  machen und auf eigene Faust die große weite Welt zu erkunden und an Selbstständigkeit und Lebenserfahrung zu gewinnen.

„Die intensive Auseinandersetzung mit dem Auslandsaufenthalt bewirkt eine tiefere Verbindung mit dem Land“

Habt ihr euch euren Aufenthalt selbst organisiert oder seid ihr mit einer Organisation unterwegs?Van
Wir haben uns eigentlich von Anfang an gesagt, dass wir die Reise ohne Organisation antreten wollen, eben weil wir die Herausforderung, alles eigenständig zu planen, annehmen wollten. Für uns war es eine gute Entscheidung. Hier haben wir jetzt auch von vielen Backpackern bestätigt bekommen, dass die Organisationen einem im Vorhinein zwar Arbeit abnehmen, aber vor Ort nicht mehr wirklich benötigt werden. Die zusätzlichen Kosten haben wir somit gespart und stattdessen vieles gelernt, was wir in der Zukunft bestimmt noch mal anwenden können.

Man muss schon eher der Typ Mensch sein, der gerne selbst was in die Hand nimmt, dann macht die ganze Vorbereitung auch Spaß. Außerdem bewirkt die intensive Auseinandersetzung mit dem Auslandsaufenthalt eine tiefere Verbindung mit dem Land.

Wie lange im Vorfeld habt ihr euch darauf vorbereitet? 
Wir haben vier Monate für die Vorbereitung gebraucht. Das hat für uns genau gepasst, parallel haben wir auch noch Geld verdienen können, um die Reisekasse zu füllen.

Wie genau habt ihr euch vorbereitet?
Die ganze Planung ist schon recht umfangreich gewesen, da wir viele Möglichkeiten in Betracht gezogen haben, wie zum Beispiel statt in Auckland in Christchurch zu beginnen oder nach Neuseeland noch nach Australien zu gehen. Besonders viel haben wir uns mit den Flugbuchungen und den Versicherungen befasst, Pro-Contra-Listen stapelten sich neben, auf und unter unserem Schreibtisch. Es kamen auch noch viele kleinere Sachen hinzu, an die man am Anfang gar nicht denkt, wie die Beantragung einer Kreditkarte, der BBH-Clubcard und des internationalen Führerscheins, Impfungen, Blog einrichten, Anlegen der Reiseapotheke und vielem mehr. Hilfe und Informationen bekamen wir von Internetportalen und Veranstaltungen von der Agentur für Arbeit oder auf der „Einstieg Köln“-Messe. Am meisten Spaß gemacht hat uns der Kauf der Ausrüstung, wie zum Beispiel des Reiserucksacks.

LandschaftWie viel Zeit habt ihr vor Ort eingeplant?
In Neuseeland werden wir siebeneinhalb Monate sein, und jeweils vorher und nachher noch eine Woche in Malaysia.

„Man muss sich auf Sandfliegen, viel Deutsche und ein herzliches Willkommen von Maori und Pakeha einstellen“

Auf was muss man sich einstellen, wenn man in dieses Land reist?
Sandfliegen, viele Deutsche und ein herzliches Willkommen von Maori und Pakeha!

„Wir haben die Metamorphose ins Backpackerleben vollzogen“

Würdet ihr sagen, das ist für jeden etwas? Oder was sollte man für ein Typ sein, um Spaß daran zu haben und gegebenenfalls auch erfolgreich zu sein?
Es gibt für jeden Typ Mensch eine Möglichkeit, die Reise passend zu gestalten. Man kann im Bus reisen und jede Nacht im Hostel schlafen, was nicht so eine große Lebensumstellung erfordert, oder aber man lässt sich auf etwas ganz Neues ein und hält es auch mal eine Woche ungeduscht im Auto oder Zelt aus. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass wir die Metamorphose ins Backpackerleben vollzogen haben und glauben, dass wir Neuseeland auf eine Art und Weise erleben können, wie es normale Touristen nicht können. Abenteuerlust und genügend Zeit sind auf jeden Fall schon mal eine gute Basis. Zudem ist Neuseeland ein wahres Paradies für die Menschen, die Outdoor-Aktivitäten mögen.
Wer sich das alleine nicht zutraut, sollte sich einfach einen guten Freund schnappen und zusammen losziehen, aber auch Aleinreisende sind niemals wirklich alleine!

Würdet ihr euch jetzt wieder genauso entscheiden?
Ja!

„Wir wussten oft nicht, wo wir die Nacht verbringen würden“

Habt ihr euren Plan beibehalten oder musstet ihr ihn vor Ort anpassen?
Wir hatten uns vorgenommen, ein Auto zu kaufen, damit Nord- und Südinsel zu bereisen und viel Spaß zu haben. An diesen Plan haben wir uns gehalten!

Alles von vorne bis hinten durchzuplanen, kann nicht wirklich funktionieren, weil viele unvorhergesehene Dinge geschehen, wie SandboardJobangebote, oder Leute, die man kennen lernt und mit denen man zusammen weiterreisen möchte, oder auch mal ein kaputtes Auto, das einem Sorgen beschert. Also ist es am einfachsten, flexibel zu bleiben und auch mal nur bis zum nächsten Abend zu planen. Wir wussten morgens oft nicht, wo wir die Nacht verbringen würden, doch gerade diese Freiheit macht das Work & Traveln so aufregend.

„Weihnachten mit acht Leuten im Auto am Strand war einer der besten Erfahrungen“

Was war bisher die beste/schlimmste Erfahrung, die ihr gemacht habt?
Wir können aus unseren vielen guten Erfahrungen nicht eine herauspicken, die wir als die Beste bezeichnen würden. Dafür gab es einfach zu viele Momente, die man als perfekt empfindet. Zu unseren Favoriten zählen aber auf jeden Fall der unbeschreiblich emotionale und faszinierende Maoriabend in Taupo, unser allererster Skydive, das Gefühl nach dem stundenlangen, zermürbenden Aufstieg endlich auf dem Gipfel des Mount Ngaurahoe zu stehen, Weihnachten in unserem Auto mit acht Leuten bei Regen am Strand und unser unerlaubter Aufstieg auf die Spitze des Leuchtturms am Cape Reinga und natürlich die Freunde fürs Leben, die wir hier gefunden haben. Und so kommen wir auch schon zur schlimmsten Erfahrung. Denn das Herumreisen beinhaltet auch das Abschiednehmen von Leuten, die einem wichtig geworden sind. Das ist immer nicht einfach und auch traurig, aber umso mehr freut man sich auf das Wiedersehen.

Was vermisst ihr am meisten, ich habe gelesen, dass ihr mittlerweile selbst Brot backt?
Deutsches Brot ist hier eine unglaubliche Marktlücke, wie kann man nur von Knatschbrot leben?  Fleisch ist natürlich auch so eine Sache. Wir mögen es zwar sehr gerne, aber verzichten meist darauf, um Geld für Sachen zu sparen, die wir zu Hause nicht haben, zum Beispiel den Skydive.

RebenWie unterscheidet sich das Arbeits(-Leben) von dem hierzulande?
Es geht hier deutlich weniger bürokratisch zu als in Deutschland. Während man zu Hause erst einmal ein polizeiliches Führungszeugnis, verschiedene Versicherungsnummern und alle möglichen anderen Bescheinigungen vorlegen muss, unterschreibt man hier einfach den Vertrag und schon ist man fertig. Die Arbeitsatmosphäre ist nicht großartig anders als bei den Jobs, die wir in Deutschland hatten, meistens geht es freundlich und respektvoll zu. Die Jobs, an die man hier am leichtesten kommt, sind in der Regel Farmjobs, da die Landwirtschaft noch eine große Rolle in Neuseeland spielt.

„Wir haben uns zu Menschenketten formatiert und die Wassermelonen übers Feld geworfen“

Welcher Job hat euch vor Ort bisher am besten gefallen? 
Wir haben zwei Mal während unseres Aufenthaltes für Geld gearbeitet. Das erste Mal mussten wir hauptsächlich Mandarinenbäume ausdünnen, aber wir haben auch bei der Ernte von Kumaras, Kürbissen und Wassermelonen geholfen. Letzteres hat uns am meisten Spaß gemacht, weil wir uns da zu Menschenketten formatiert haben und so die Wassermelonen übers Feld in die Kisten geworfen haben. Außerdem durften wir diejenigen, die heruntergefallen waren, aufessen. Im Gegensatz zum Traubenpflücken, was wir später drei Wochen lang gemacht haben, war das zwar anstrengender, aber auch actionreicher!

Welcher Job hat sich am meisten finanziell gelohnt? Und welcher überhaupt nicht?
Wir haben bei unseren Jobs immer ungefähr Mindestlohn bekommen. Das Traubenpflücken hat sich für uns dabei am meisten gelohnt, da wir in der Hauptsaison mehr als nur acht Stunden am Tag gearbeitet haben und zudem an den Ostertagen den anderthalbfachen Lohn durch den „public holiday pay“  bekommen haben. Jedoch mussten wir am Anfang auch die negativen Seiten der unregelmäßigen Arbeitszeiten erfahren, da die Menge an Arbeit von der Reife der Trauben abhängt.

„Körperliche Fitness ist von Vorteil“

BergWas brauchte man dafür für Voraussetzungen?
Um an die Jobs zu kommen brauchte man keine Bewerbung oder Ähnliches, man musste also nicht unbedingt schon Erfahrung mitbringen. Man benötigt aber immer um hier zu arbeiten seine IRD-number, die Steuernummer, die man ganz einfach in jeder Post beantragen kann. Wir können im Nachhinein sagen, dass körperliche Fitness von Vorteil ist, außerdem darf man keine Angst vor Schmutz und Schweiß haben.

Wie seid ihr an die Jobs gekommen?
Den ersten Job haben wir durch ein so genanntes working-hostel gekommen. Dies sind Hostels, die Jobs an Backpacker vermitteln, im Gegenzug wohnt man dann dort. So kann es dann halt sein, dass man relativ viel für die Unterkunft zahlen muss, weil man nicht mehr die Auswahl hat, aber man muss nicht sich selbst zu den möglichen Arbeitgebern aufmachen, um Jobs zu finden. Die Hostels sind auch immer genauestens über die aktuelle Arbeitssituation informiert.
Für den Job auf dem vineyard sind wir mit unserem Auto durch die gesamte Gegend gefahren und haben alle Weingüter abgeklappert und nach Jobs gefragt. Persönlich vorstellig zu werden, zeigt die Motivation und somit bekommt man schneller die Zusage.

„Nehmt unbedingt an einem Maoriabend teil“

Welche Tipps würdet ihr anderen geben, die Ähnliches vorhaben?
Seid Euch bewusst, dass es immer ein Risiko ist, ein neuseeländisches Auto zu kaufen, das über Jahre hinweg durchgereicht, aber nie wirklich in Stand gesetzt wird. Es kann halten, aber man hört immer wieder  von Leuten, deren Auto nicht den gesamten Aufenthalt in Neuseeland übersteht. Man kann das Risiko ein bisschen mindern, wenn man am Anfang in mechanical checks und so weiter investiert, aber es kann einem immer noch jemand reinfahren. Wir hatten bis jetzt jedoch Glück mit unserem Van und können das Reisen im eigenen Auto nur empfehlen!
Denkt daran, dass Ihr euch am Anfang um die Beantragung der Steuernummer und die Kontoeröffnung kümmert. Denn andernfalls könnt Ihr nicht arbeiten!
Fangt früh genug mit der Planung an, es kommt mehr auf einen zu als man denkt. Und den Rückflug kann man sich auch offen halten, es sei denn, man weiß schon, wie es nach dem Work & Traveln weiter gehen soll.
Es lohnt sich, die Kultur der Maori kennen zu lernen. Nehmt unbedingt an einem Maoriabend mit Konzert und Hangi teil, es ist eine gute Einführung in das Verständnis der ureingesessenen Bewohner Neuseelands von dem Zusammenspiel von Mensch, Natur und Göttern. Wir persönlich waren sehr gefesselt davon und können es jedem nur wärmstens ans Herz legen!

Was sollte man unbedingt im Reisegepäck haben und was ist absolut überflüssig?
Diese Antwort hängt ganz davon ab, auf welche Art man vor hat zu reisen. Wenn man nicht wandern gehen will, dann braucht man natürlich auch keine Wanderschuhe, kein Surfboard, wenn man nicht surfen gehen will. Für uns aber hat sich eins auf jeden Fall gelohnt: Panzertape, festes Schuhwerk, eine funktionierende  Taschenlampe und ein großer Backpack. Mit dem Panzertape haben wir alles geklebt, vom Auto über den Kochtopfdeckel bis hin zu den Schuhen. Wirklich praktisch! Die Schuhe haben wir für unsere vielen Unternehmungen in der Natur benötigt, unverzichtbar! Eine Taschenlampe wird vor allem im Winter immer nützlicher, wenn es schon früh dunkel wird. Und den Rucksack würden wir jedem Koffer vorziehen. Denn er ist nicht nur einfacher zu tragen, auch bei Mehrtageswanderungen ist man darauf angewiesen, um seine Sachen zu verstauen und zu transportieren.
Überflüssig sind zu viele Klamotten. Wir haben festgestellt, dass wir zu viele T-Shirts und Hosen dabei hatten. Da man eh nicht so oft zum Waschen kommt, trägt man alles länger als zu Hause. Zur Not findet man immer ein günstiges Kleidungsstück im Secondhandladen.

Was nehmt ihr von der Reise für die Zukunft mit?
Wir haben ein tolles Land bereist. Nicht nur die atemberaubende Natur und die Maorikultur haben wir ins Herz geschlossen, wir haben auch viele unglaublich tolle Menschen kennen gelernt, zu denen wir auch nach unserer Work & Travel-Zeit noch Kontakt halten wollen. Wir können sagen, dass wir, was das Leben angeht, selbstständiger und unabhängiger geworden sind, zum Beispiel haben wir uns allein einen Van gekauft und haben uns Jobs an Land gezogen, Routen geplant, sie wieder verworfen, das Kochen und Backen entdeckt, und gemerkt, wie sehr uns das Essen von Daheim fehlen kann. Außerdem sind wir auf den Geschmack des Reisens in fremden Ländern und das Ausbauen neuer Sprachen gekommen, was wir sehr gerne weiterführen wollen, sobald wir wieder Gelegenheit dazu finden. Asien wartet auf uns…

Interview: Simone Zettier

Den Blog findet ihr hier: http://vucukiwis.auslandsblog.de/

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Kategorie: Berichte & Interviews, Interviews, Work & Travel

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Über den Autor ()

Simone Zettier, hat an der TU Dortmund Journalistik und Amerikanistik studiert und mithilfe eines Tennisstipendiums ein Auslandssemester an der University of New Orleans/Louisiana eingelegt. Ihr Volontariat hat sie bei der "Glocke" (Oelde) absolviert und arbeitet seitdem als Freie Journalistin für diverse Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind "Wege ins Ausland", studentische Themen, Sport sowie "Stars und Sternchen". Privat wird sie ständig von Fernweh angetrieben - ihr Vater war Seemann - und reist daher so viel wie möglich. Lieblingsland: Israel, Lieblingsstadt: Barcelona, Lieblingsort: Foz do Iguacu (Brasilien)

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