Interview mit Bloggerin Stefanie George (Comfortzoneless.de) Australien & Manhattan versus Deutschland?

| 28. 10. 2016 | 0 Kommentare

In diesem Interview, möchten wir Stefanie George, Autorin des Blogs Comfortzoneless.de näher vorstellen. Sie ist schon viel rumgekommen und hat Deutschland dabei mehr und mehr den Rücken zugekehrt. Als analoge Nomadin hat sie bereits in Australien gelebt, bereiste anschließend Südostasien und lebt & arbeitet aktuell in Manhattan. Wie es dazu gekommen ist und warum sie ihre Festanstellung in Deutschland aufgegeben hat, hat Jane vom Work & Travel-magazin in Interview erfragt.

Blonde Frau vor australischem Strand

w&t/magazin: Hi Stefanie! Ich freue mich sehr, dass ich dich für unser Magazin interviewen darf. Stellst du dich kurz vor?  Woher kommst du?

Stefanie: Hallo und vielen Dank auch von meiner Seite. Ich heiße Stefanie und bin gebürtig aus Sachsen. Die letzten Jahre in Deutschland habe ich in Baden-Württemberg gewohnt. Dort brach ich die Zelte vor mehr als zwei Jahren ab und reiste nach Australien für eine Work&Travel-Erfahrung. Eigentlich sollte es nur eine Auszeit werden, aber seitdem habe ich in Deutschland nicht wieder Fuß gefasst.

Frau sitzt in Grünlandschaft Tasmaniens.

w&t/magazin: Und jetzt lebst du für 12 Monate in Manhattan! Wie kam es dazu? Wieso Australien damals … die USA heute?

Stefanie: Es war immer mein Traum, für eine Weile in New York City zu leben. Ich wollte mich unter die New Yorker mischen und mich eben wie eine fühlen. 2014 plante ich eine Auszeit und wollte den Traum verwirklichen. Zu der Zeit wollte mich New York aber noch nicht. Weg wollte ich trotzdem und so stieß ich auf Australien als Alternative. Trotz zweiter Wahl hat es mir so gut gefallen, dass ich nahezu die kompletten 12 Monate mit Arbeiten und Reisen verbracht habe. Noch während ich unterwegs war, öffnete sich die Tür nach New York. Das Bewerbungsinterview mit meinem jetzigen Arbeitgeber über Skype hatte ich im Treppenaufgang eines Hostels. Es ist verrückt, wie es dazu kam. Ich brauchte nur Geduld und Ambition. Und nun lebe ich meinen amerikanischen Traum.

Selfie von junge Frau vor der Manhattan Skyline (USA)

w&t/magazin: Woher kommt deine Motivation zum Reisen?

Stefanie: Ich glaube, dass der Auslöser ein Schüleraustausch nach Minnesota mit 16 war. Ich war jung und beeinflussbar und hatte das erste Mal für mehrere Monate am Stück in einem mir bisher fremden Land gelebt. Als ich zurückkam, war ich mir sicher, dass das nicht mein letzter langer Auslandsaufenthalt sein würde. Je mehr ich reiste, desto größer wurde die Leidenschaft.

w&t/magazin: Wo gefällt es dir besser? In Australien oder in den USA? Und wieso?

Stefanie: Das ist eine taffe Frage! Nach meinem High-School-Jahr und Auslandssemester in den USA schwärmte ich in hohen Tönen, wie cool und locker die Amis sind. Die Burger sind größer und das Dessert süßer.  Und dieser amerikanische Stolz faszinierte mich. Heute bin ich weniger euphorisch. Manchmal wünschte ich mir mehr Ordnung, weniger Salz im Essen und weniger Patriotismus. Für das Reisen bietet die USA die pure Vielfalt von Küsten, Bergen, urigen Regionen, Metropolen und Nationalparks. Backpacker kommen allerdings nicht so günstig von A nach B wie in Australien.  Arbeit und Reisen lassen sich in den USA nur mit zeitintensiver Vorbereitung, einem Stapel Papierarbeit für das Visum und Konsulatbesuchen realisieren.

Die klassischen gelben New York Taxis.

In Australien hat es mir sehr gut gefallen. Australien heißt für mich Outback, kleine Fischerdörfchen und verlassenen Buchten, wo Surfer auf den Wellen reiten. Auf der anderen Art begeisterten mich das künstlerische Melbourne und das gigantische Neujahrsfeuerwerk in Sydney. Die exotische Pflanzen- und Tierwelt ist ein Pluspunkt gegenüber den USA. Kängurus, Wombats und Schlangen habe ich so oft in freier Wildbahn gesehen. Work&Travel in Australien ist einfach geplant und realisiert. Man trifft Gleichgesinnte und auch für das knappe Budget gibt es Travel-Alternativen.

Felsenlandschaft in Australien

w&t/magazin: Würdest du sagen, dass du eine digitale Nomadin bist?

Stefanie: Nein, momentan verdiene ich mein Geld analog. Das kann sich jederzeit ändern. Ich finde, Möglichkeiten wie Working Holiday Visa, Praktika oder das Jobben gegen Unterkunft und Verpflegung sollte man geradezu wahrnehmen. Durch ortsgebundene Arbeiten verbindet man sich mit dem Land, lernt den Alltag kennen und schnuppert in ein internationales Arbeitsumfeld. Ich beobachte gerne die kleinen Dinge – wie eine Mittagspause in fremden Ländern abläuft, ob sich Kollegen gegenseitig unterstützen oder eher individuell arbeiten oder wie wichtig Pünktlichkeit und Ordnung sind. Ich fand es bisher spannend, Tätigkeiten zu machen, die nichts mit meinem Studium zu tun hatten.

w&t/magazin: Kannst du dir vorstellen, wieder in Deutschland Fuß zu fassen? Oder möchtest du vorerst noch weiter Reisen?

Stefanie: Ich muss sagen, dass ich aus der Ferne mein Heimatland mehr schätzen gelernt habe. Im Moment kann ich mir aber nicht vorstellen, wieder an einem Ort verankert zu sein. Ich denke manchmal, dass ich doch langsam mal wieder in einen festen Job mit Wohnung zurückkehren sollte und ich male mir aus, wie das wäre. Vielleicht finde ich in Gedanken ja Gefallen daran? Und dann frage ich mich, wie es weitergeht, wenn mich wieder das Fernweh packt. Dann kann ich ja nicht einfach abhauen. Dann bin ich sicher, dass ich noch nicht bereit bin, wieder Fuß zu fassen.

Junge Frau schaut aus Auto zur Küste

w&t/magazin: Welche Vorteile siehst du für dich persönlich, durch das Leben im Ausland? Was ist besser als in Deutschland?

Stefanie: In Australien wie auch in den USA schätze ich die Gastfreundlichkeit und Offenheit gegenüber Fremden und Touristen. Da wird schnell mal eingeladen und neue Bekanntschaften ergeben sich von selbst. Wie oft wurde ich in Australien mitgenommen, weil ich in den Regen gekommen bin oder mit meinem Gepäck wohl Mitleid erzeugte.

Die US-Amerikaner leben in einer gewissen Hinsicht ruhiger und stressfreier als wir Deutschen, wenn es um Akkuranz geht. Wenn die Fassade löchrig ist, wird einfach halbjährlich drüber gestrichen. Ich glaube auch an den American Dream. Ich denke, ein originelles Start-Up-Konzept kommt hier eher zum Durchbruch.
In Südostasien habe ich nicht gearbeitet aber durch das Reisen einen Einblick in das Leben bekommen. Ich mag die Einfachheit und Unbeschwertheit. Diese Menschen legen wenig Wert auf Materialismus und Prestige. Davon können sich westliche Nationen eine dicke Scheibe abschneiden. Es bedarf nicht viel um glücklich zu sein. In jedem Land, in dem ich nicht einfach durchreise, muss ich mich anpassen. Ich schaue hinter die Fassade von dem, was ich schon kenne oder gehört habe.

w&t/magazin: Gibt es auch Nachteile? Was ist an Deutschland besser?

Stefanie: An dem Stereotyp des strukturierten pünktlichen Deutschen ist etwas dran. Und das finde ich auch gut so. Meine internationalen Chefs waren immer froh darüber, dass ich Verpflichtungen und Absprachen einhalte und eine Aufgabe sowohl in ihrer Breite als auch Tiefe gründlich abarbeite. Dafür sind die Deutschen bekannt. Und darauf können wir stolz sein. Meetings werden in Deutschland auf den Punkt gebracht. In den USA wird viel geschwafelt.
In Deutschland kann man nicht so einfach aus der Spur fallen. Es gibt mehr Struktur und Organisation. Das Bezahlen an der Kasse geht ruckzuck, die Autobahn läuft gewöhnlich schnell und flüssig, für den Bus gibt es Fahrpläne und im Supermarkt ist jeder Artikel logisch angeordnet und vor allem ausgepreist. Das sind Dinge, die den deutschen Alltag einfacher machen, aber man nicht überall im Ausland erwarten kann. Das soziale Sicherheitssystem in Deutschland ist ein riesen Pluspunkt. Das merkt man erst, wenn man in einem Land für längere Zeit lebt, in dem ein gebrochenes Bein eine ganze Familie in den finanziellen Ruin bringen kann. Auch wenn noch jede Menge Nachholbedarf besteht, finde ich, dass wir sehr viel umweltbewusster sind als US-Amerikaner was Ressourcenverschwendung, Mülltrennung und Klimaanlagennutzung betrifft.

w&t/magazin: Würdest du jedem raten, für eine Zeit lang im Ausland zu leben/zu reisen oder zu jobben? Wenn ja, warum?

Stefanie: Auf jeden Fall! Es ist nie verkehrt, andere Menschen, die mit einer anderen Sprache, anderen Werten, anderer Religion, anderen Esskulturen und anderen Bildungsstrukturen aufgewachsen sind für eine Zeit lang zu beobachten und mit ihnen zu leben. Nicht für alle kommt es in Frage, auch tatsächlich in einem fremden Land zu leben und ortsabhängig zu arbeiten, sei es wegen Alter, Sprachbarrieren, heimischen Verpflichtungen oder schlicht dem fehlenden Reiz. Aber zumindest reisen sollte man. Ich habe nie gehört, jemand hätte eine Reise bereut. Reisen lehrt sehr viel, was uns unsere gewohnte Umgebung nicht lehren kann. Ich habe auf Alleinreisen erstmals angefangen, intensiv über mich selbst zu reflektierten. Mit Gedanken völlig allein zu sein kann schon mal Angst machen.

Meine Erfahrungen über das Alleinreisen habe ich in einem Beitrag zusammengefasst: zum Beitrag „Alleine Reisen als Frau

Eine Weile aus der Alltagsschleife zu entfliehen, die Informationsflut  zu stoppen und der Beschleunigung des Lebens entgegenzusteuern, ist wichtig. Aus der Ferne blickt man mit anderen Augen auf (Schein-)Probleme und plötzlich weiß man, welchen Dingen man im Leben mehr Priorität geben möchte.

Hier weiterlesen:

>> Die digitale Nomadin Julia Schneider im Interview

>> Isabelles Work and Travel Blog aus Australien

>> Erfahrungsberichte von Australien-Backpackern

>> Alle Infos zu Work and Travel in Australien im Überblick

>> Work-and-Travel-Australien.org – das Fachportal für Work and Travel in Australien

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Über den Autor ()

Nicht nur privat, sondern auch aus schulischer Sicht, zog es Jane schon früh ins Ausland. Besondere Aufmerksamkeit schenkte sie dabei vor allem dem europäischen Norden und dem englischsprachigen Ausland. Nach dem Abitur verbrachte sie deshalb direkt ein ganzes Jahr als Au-Pair in einer Gastfamilie in New Canaan, CT (USA). Im Anschluss studierte sie Anglistik und Germanistik in Düsseldorf. Geplagt vom Fernweh und dem ständigen Wunsch nach Abwechslung begann sie im Sommer 2012 die spanische Sprache zu lernen, da sie mehrere Länder in Südamerika bereisen möchte. In den letzten Jahren hat sie mehrwöchige Reisen nach Vietnam & Australien unternommen. Die Mitarbeit bei der INITIATIVE auslandszeit ermöglicht ihr die tägliche Auseinandersetzung mit spannenden Auslandszeiten und den verschiedensten Erfahrungen von Reisenden oder denen, die es noch werden wollen. Neben der Reiselust gehören Reiten, Joggen, Skifahren, Kochen und Fotografie zu ihren großen Leidenschaften.

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