Reich dank Geo-Arbitrage Was steckt hinter dem Begriff

| 10. 11. 2016 | 0 Kommentare

Das Konzept „Geo-Arbitrage“ ist in aller Munde, zumindest unter Backpackern, Langzeitreisenden und Digitalen Nomaden. Doch was genau steckt hinter dem umständlichen Begriff und was ist daran so toll?

Ein Mann arbeitet am Strand mit seinem Laptop und legt die Füße hoch

Was genau bedeutet Geo-Arbitrage?

Der französische Begriff „arbitrage“ bezeichnet in der Wirtschafts- und Finanzwelt die Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden zum gleichen Zeitpunkt an verschiedenen Orten mit dem Ziel der Gewinngenerierung. Übertragen auf die Welt des Reisens bedeutet das: Du machst dir die weltweiten Unterschiede im Preis-, Währungs- und Lohnniveau zunutze, indem du dein Geld in einem Land mit einer starken Währung verdienst und es in einem Land mit niedrigem Preis- und Lohnniveau ausgibst. Du verdienst also Euro oder Dollar und gibst thailändische Baht oder mexikanische Pesos aus. Das ermöglicht mitunter einen Lebensstil, den du dir zuhause nicht leisten könntest. Du kannst eine größere Wohnung mieten, jeden Tag in Restaurants essen und dich im Taxi oder Uber durch die Stadt bewegen.

Outsourcen von Dienstleistungen

Für Selbstständige und Unternehmer bedeutet Geo-Arbitrage außerdem, dass bestimmte Tätigkeiten in Länder mit niedrigem Lohnniveau ausgelagert werden, Stichwort „Outsourcing“. Über das Internet können sich selbstständige Online-Unternehmer oder Freelancer beispielsweise einen Virtual Assistant (VA) in Indien oder Bangladesh suchen, der verschiedene Routinetätigkeiten übernimmt. Der Online-Entrepreneur hat dadurch mehr Zeit für strategische Aufgaben und kann sein Unternehmen weiter vorantreiben. Der indische Assistent kostet dabei nur ein Bruchteil von dem, was der Unternehmer für einen deutschen Freelancer ausgeben müsste. Dadurch werden hohe Lohnkosten eingespart – dank Geo-Arbitrage.

Was bringt mir das?

Mithilfe der Geo-Arbitrage kannst du dir nicht nur einen viel luxuriöseren Lebensstil leisten, du kannst alternativ auch einfach viel Geld für ein bestimmtes Vorhaben sparen oder dir deinen Einstieg in die ortsunabhängige Selbstständigkeit enorm erleichtern. Wenn du davon träumst, dein Geld ortsunabhängig als Freelancer oder Online-Entrepreneur zu verdienen, kann dir die Geo-Arbitrage enorm dabei helfen, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Denn erfahrungsgemäß braucht es eine Weile, bis du ortsunabhängig dein Geld verdienst. Du musst dir erst einen zuverlässigen Kundenstamm aufbauen, dir ggf. die notwendigen Skills aneignen, eine eigene Website basteln, Portfolio erstellen und so vieles mehr. Insbesondere, wenn du als Online-Unternehmer mit einem eigenen Projekt durchstarten möchtest, brauchst du Geduld und einen langen Atem. Das ist so viel leichter, wenn sich deine laufenden Kosten in Grenzen halten. In Ländern wie Thailand, Vietnam oder Ecuador werden deine Geldreserven viel länger halten und du kannst sogar schon den Traum eines Digitalen Nomaden leben, auch wenn deine ortsunabhängige Selbstständigkeit noch nicht viel Geld einbringt.

Geld sparen durch Reisen

 In der Tat ist es durch Geo-Arbitrage oft viel günstiger, zu reisen als zuhause zu bleiben. So verrückt das auch klingen mag, so gut wie jeder Langzeitreisende wird das bestätigen. Egal wie sparsam du bist, zuhause hast du jede Menge Fixkosten: Du musst deine Miete zahlen, die Nebenkosten, die GEZ, Handy-Vertrag, Versicherungen und diverse weitere Abos und Verträge. Wenn du es clever angehst und frühzeitig planst, kannst du die meisten Abos, Verträge und Versicherungen während deiner Reisezeit kündigen oder vorübergehend stilllegen. Für deine Wohnung oder das WG-Zimmer suchst du dir einen Zwischenmieter und kannst damit, wenn gewünscht, oft auch noch ein kleines Plus erwirtschaften. In vielen Ländern in Zentral- und Südamerika, in Asien und Afrika sowie mitunter auch in Süd- und Osteuropa gibst du im täglichen Leben viel weniger aus als in Deutschland. Das gilt vor allem für Slow Traveller, die viel Zeit an einem Ort verbringen und dort wie Locals leben. Wenn du auf Reisen auch Geld verdienen möchtest, ist es ohnehin am sinnvollsten, länger an einem Ort zu bleiben.

Was sind die Schattenseiten der Geo-Arbitrage?

Das Konzept der Geo-Arbitrage hört sich für viele erstmal fantastisch und verlockend an. Zweifelsohne bringt es ortsunabhängigen Freelancern und Online-Unternehmern eine Menge Vorteile. Jedoch gibt es auch einige Schattenseiten, die du bedenken solltest, bevor du die weltweiten Preis- und Lohnunterschiede für dich ausnutzt. Wenn es dir hauptsächlich darum geht, Geld zu sparen und möglichst lange mit deinen Ersparnissen über die Runden zu kommen, solltest du auch zusätzliche Ausgaben beachten, die durch die Verlagerung deines Wohnsitzes ins Ausland entstehen. In vielen Ländern benötigst du ein kostenpflichtiges Visum, darüber hinaus schmälern Flugkosten, Auslandsversicherungen und weitere Reiskosten den finanziellen Vorteil. Du solltest daher gut durchrechnen, wie groß der finanzielle Gewinn für dich wirklich ist. Als Faustregel gilt: Desto länger der geplante Auslandsaufenthalt dauert, je eher lohnt sich die Ausnutzung der Geo-Arbitrage.

Das richtige Land wählen

Auch bei der Wahl des Ziellandes musst du vorsichtig sein: Beispielsweise kannst du in Ecuador sehr gut von ca. 1.000 Euro im Monat leben, während das im Nachbarland Brasilien viel schwieriger ist. Auch in Asien und Zentralamerika gibt es mitunter erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern. Recherchiere daher vorab unbedingt die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für dein Zielland, beispielsweise auf numbeo.com, der größten Datenbank für Lebenshaltungskosten weltweit.

Standards und Erwartungen runter schrauben

Auch auf andere Standards musst du in außereuropäischen Ländern gefasst sein. Beispielsweise ist das Internet in vielen Teilen der Welt deutlich langsamer als bei uns. Das ist meist vor allem in Ländern mit niedrigem Preis- und demzufolge Entwicklungsniveau der Fall, also die Top-Destinationen der maximalen Geo-Arbitrage-Ausnutzung. Besonders für Leute, die bei ihrer Online-Tätigkeit auf schnelles Internet angewiesen sind, kann das sehr frustrierend sein. Auch die Unterkünfte sind oft sehr einfach und bieten nicht immer eine stabile Internetverbindung, vor allem, wenn du mit kleinem Budget unterwegs bist. Sicherlich findest du in Thailand oder Ecuador ein Zimmer für 5 Dollar die Nacht, doch deine Erwartungen und Standards solltest du dann deutlich runter schrauben. Auch mit der tropischen Hitze, die in den meisten Ländern mit vorteilhafter Geo-Arbitrage herrscht, kommen nicht alle zurecht. Am Strand hält es bei der Hitze zwar jeder gut aus, wirklich produktiv arbeiten können dort aber nur wenige.

Vereinbarkeit von Arbeiten und Reisen

Wenn es dein Ziel ist, ein ortsunabhängiges Business aufzubauen, viel Geld zu verdienen und nebenbei die Welt zu bereisen – denk noch mal nach. Zwar wird dieser Traum von einigen Digitalen Nomaden so verkauft, doch sieht die Realität meist anders aus. Es ist nämlich tatsächlich ziemlich schwierig, all diese Dinge miteinander zu kombinieren. Den wenigstens gelingt es, während des Reisens wirklich produktiv zu arbeiten und das kann ziemlich frustrierend sein. Du solltest dich also darauf einstellen, dir im Ausland lieber einen festen Wohnsitz zu suchen oder deine Fähigkeit, Reisen und Arbeiten zu kombinieren, vorab im kleinen Rahmen testen.

Outsourcing in Billiglohn-Länder

Die Idee des Outsourcings in Billiglohn-Länder ist fester Bestandteil der Ausnutzung von Geo-Arbitrage und wird genauso heftig kritisiert. Die Idee dahinter ist simpel: Indem ungeliebte, stupide Aufgaben an Menschen in Indien, Pakistan oder anderen „Entwicklungsländern“ outgesourct werden, sparen digitale Nomaden und andere Unternehmer viel Geld ein. Beispielsweise kannst du dir auf einschlägigen Websites im Internet ein Logo für ca. fünf Dollar erstellen lassen. Allerdings solltest du dir Frage stellen, ob du da wirklich mitmachen möchtest. Einerseits kommen die Menschen in weniger entwickelten Ländern durch deine Aufträge überhaupt an ein paar Dollar, andererseits sind die Löhne teils menschenunwürdig. Das ist eine schwierige Gratwanderung und du solltest eine bewusste Entscheidung treffen, ob das für dich und dein Business infrage kommt.

Fazit

Geo-Arbitrage ist im Grunde ein genauso simples wie geniales Konzept: Durch die effiziente Ausnutzung der weltweiten Lohn- und Preisunterschiede kannst du deutlich mehr Lebensqualität gewinnen, ohne dafür ein höheres Gehalt erzielen zu müssen. Gerade Neulingen erleichtert es den Einstieg in die ortsunabhängige Selbstständigkeit ungemein. Jedoch solltest du dir auch die Schattenseiten der Geo-Arbitrage anschauen und bewusst entscheiden, was für dich infrage kommt und was eher nicht.

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Kategorie: Allgemein, Tipps & Tricks

Julia Schneider

Über den Autor ()

Julia Schneider ist seit ihrem einjährigen Work & Travel-Aufenthalt in Australien direkt nach dem Abitur mit dem Reisevirus infiziert. Deshalb studierte sie Tourismus-Management in den Niederlanden sowie Kulturwissenschaften an der Viadrina in Frankfurt/Oder und Madrid. Sowohl während des Studiums als auch danach nutzte Julia jede Gelegenheit, neue Länder, Kulturen und Sprachen zu entdecken. Am liebsten ist sie in Südamerika und Osteuropa unterwegs. Seit 2012 arbeitet sie ortsunabhängig als freie Texterin, Online-Redakteurin und Journalistin. Ihre Schwerpunkthemen sind Reisen, Arbeiten & Leben im Ausland, digitale Nomaden und Nachhaltigkeit. Auf ihrem persönlichen Blog und Herzensprojekt www.roadheart.com schreibt sie am liebsten über Selbstverwirklichung und persönliche Entwicklung, die innere Stimme / Intuition, bodenständig gelebte Spiritualität und einen bewussten Lifestyle.

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