Für die Ausbildung ins Ausland

| 12. 01. 2018 | 0 Kommentare

Wer nach seiner Ausbildungszeit schon mit ersten Auslandserfahrungen glänzen kann, verzeichnet damit einen dicken Pluspunkt in seinen Bewerbungsunterlagen. Allerdings ist es in jungen Jahren ein gewaltiger Schritt, die Ausbildung oder wenigstens Teile davon, in einem anderen Land mit anderer Sprache und anderen Gepflogenheiten zu absolvieren. Möglichkeiten, einen solchen Plan in die Tat umzusetzen, gibt es jedenfalls genug.

Junge Frau vor einer Anzeigetafel

Das duale Ausbildungssystem, das Azubis in Deutschland durchlaufen müssen, hat durchaus seine Vorteile. Praktische Erfahrungen im Ausbildungsbetrieb sammeln und das theoretische Hintergrundwissen zusätzlich in der Berufsschule vertiefen – ein solches System lässt sich nicht in vielen anderen Ländern finden. Genau die liegt darin allerdings auch ein nicht ganz unerhebliches Problem: In anderen Ländern, selbst im europäischen Ausland, gibt es häufig Unterschiede bezüglich der Ausbildungsinhalte, Stundenpläne und Prüfungsordnungen.

Für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung bedeutet das, im Gegensatz zu einem Auslandssemester während des Studiums, eine ziemliche Hürde. Besonders die Anerkennung von erbrachten Leistungen kann sich bei der Rückkehr nach Deutschland als schwierig erweisen. Andererseits ist es in Zeiten der Globalisierung gewissermaßen eine Selbstverständlichkeit, schon beim Berufseinstieg die eine oder andere Auslandserfahrung vorweisen zu können.

Grundsätzlich gewährt das Berufsbildungsgesetz daher deutschen Azubis, bis zu einem Viertel ihrer Lehrzeit in einem anderen Land zu verbringen – und sich diese Zeit anschließend in Deutschland anrechnen zu lassen. Tatsächlich gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Auslandsaufenthalt während der Ausbildung zu gestalten.

Motivation und Voraussetzungen für die Ausbildung im Ausland

Die Gründe und Motivationen für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung unterscheiden sich natürlich prinzipiell nicht von anderen Gelegenheiten, wie etwa die erste berufliche Erfahrung auf internationalem Parkett machen zu können – mit dem Ziel, damit später bei möglichen Arbeitgebern punkten zu können. Denn im Grunde genommen machst du ja im Rahmen der Ausbildung nichts anderes – du hast halt nur noch keine vollständige fachliche Qualifikation, sondern lernst neben den Leuten, der Kultur und der Sprache auch noch die für dich relevanten Arbeitsprozesse kennen.

Aber Einblicke in den (Arbeits-)Alltag der Einheimischen und deren Lebensart sind längst nicht alles, ein längerer Auslandsaufenthalt kann dich und deine persönliche Entwicklung in vielfacher Weise beeinflussen:

  • Du kannst deinen Horizont erweitern, weil du in einem anderen Land zwangsläufig einen ganz neuen Blick auf die Dinge entwickelst.
  • Du bekommst zwar Hilfe, musst dich aber auch oft genug eigenständig um anfallende Probleme kümmern. Auf diese Weise wirst du aber schnell sehr viel selbständiger – und selbstbewusster.

Tipp: Wenn du dir wegen deiner Sprachkenntnisse nicht ganz sicher bist, lässt sich das Auslandspraktikum möglicherweise mit einem Sprachkurs verbinden.

Ist dein Entschluss gefasst, einen Teil deiner Ausbildung im Ausland zu verbringen, solltest du vorher allerdings einige wichtige Aspekte bedenken. Beispielsweise sollten der Zeitpunkt und der Zeitrahmen mit dem Fortlauf deiner Ausbildung in Einklang zu bringen sein, damit es nicht zu Verzögerungen kommt oder du vor der Zwischenprüfung aus dem Lernen herausgerissen wirst.

 

Diese Kriterien sind wichtig für dein Auslandspraktikum

 

Außerdem solltest du deine Pläne mit allen wichtigen Personen und Stellen besprechen. Familie, Freunde und nicht zuletzt die Berufsschule und dein Ausbildungsbetrieb müssen oder sollten informiert werden. In allen Fällen geht es letztlich darum, die Menschen an den Gedanken zu gewöhnen, dass du für einige Wochen oder vielleicht sogar Monate nicht da bist. Dazu braucht es gerade im Betrieb womöglich einige Überzeugungskraft, denn hier bist du ja trotz deines Azubi-Status als Arbeitskraft eingeplant.

Lege dir also besser einige überzeugende Argumente zurecht, wenn du deinem Chef von dem Wunsch eines Auslandsaufenthalts erzählst – es gibt sie immerhin in großer Zahl:

  • Du kannst die Ausbildungsinhalte erweitern, indem du beispielsweise neue Werkstoffe, neue Verarbeitungsmethoden oder neue Technologien und deren Anwendungsfelder kennenlernst.
  • Die neuen Kenntnisse und Fähigkeiten bringst du nicht nur selbst in deinem Ausbildungsbetrieb ein, du könntest sogar einen Wissenstransfer an deine Kollegen einleiten, etwa im Rahmen einer ausführlichen Berichterstattung oder Präsentation.
  • Die erworbenen Sprachkenntnisse kommen nicht nur dir selbst, sondern unter Umständen auch dem Betrieb zu Gute, etwa im Umgang mit internationalen Kunden oder Mitarbeitern mit einer anderen Herkunft.

Für gewöhnlich dürften deine Chefs aber wissen, wie vorteilhaft eine ausgedehnte Auslandserfahrung nicht nur für dich, sondern auch für den Betrieb haben kann. Solltest du trotzdem befürchten, etwas knapp an guten Argumenten – und vielleicht auch an Informationen zu sein – hilft dir möglicherweise der Besuch einer Jobmesse weiter. Hier kannst du allerlei Wissenswertes über dein Wunschland, den dortigen Arbeitsmarkt, die Lebensweise erfahren und schon erste Hilfestellungen bekommen. Dann musst du dir nur noch überlegen, in welchem Rahmen du deine Auslandserfahrung tatsächlich machen möchtest.

Während der Ausbildung ins Ausland: Die Möglichkeiten

Eine Gruppe Auszubildender steht um ein Gerät

Ob mit einer Gruppe oder alleine, eine Herausforderung ist ein Auslandspraktikum immer.

Denn die Zeit im Ausland kannst du während deiner Ausbildung in unterschiedlicher Weise verbringen. Die gängigste Form ist und bleibt allerdings das Auslandspraktikum.

Das Auslandspraktikum

Ob alleine oder in einer Gruppe, ob für wenige Wochen oder doch lieber ein paar Monate, mit einem Auslandspraktikum hast du eine ganze Reihe von Wahlmöglichkeiten, um einen auf dich und deine Vorstellungen perfekt abgestimmtes Programm zu finden.

Hinweis: Je nach Anbieter des Auslandspraktikums wirst du ohnehin als Teil einer Gruppe in das Zielland geschickt. Das hat natürlich den Vorteil, mit der neuen Situation nicht alleine klarkommen zu müssen. Darüber hinaus sind solche Programme oft mit einem gemeinsamen Freizeitprogramm vor Ort gekoppelt, das beispielsweise von der Partnerberufsschule organisiert wird.

Ansprechpartner gibt es jedenfalls genug, von den Unternehmen und Berufsschulen über die Industrie- und Handelskammern bis hin zu Stiftungen gibt es viele Anbieter von Praktikumsprogrammen:

  • Seit 2009 gibt es zum Beispiel die Initiative „Berufsbildung ohne Grenzen“, die das Bundesarbeitsministerium, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK und der Zentralverband des Deutschen Handwerks ins Leben gerufen haben. Im Rahmen des Projekts helfen Mobilitätsberater dabei, die richtigen Schritte hin zur Auslandserfahrung zu machen.
    Das Angebot gilt übrigens nicht nur für junge Menschen, die gerade noch in der Ausbildung stecken. Auch Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder Ausbilder und Berufsschullehrer finden hier eine Möglichkeit, ihre Kenntnisse im Ausland zu vertiefen. Zugleich finden die Betriebe eine Anlaufstelle, wenn diese von sich aus die Auslandserfahrung ihrer Azubis unterstützen möchten.

Tipp: Wenn du schon vor dem Beginn deiner Ausbildung planst, in deren Verlauf eine Zeit im Ausland zu verbringen, sind die Industrie- und Handelskammern ohnehin der beste Ansprechpartner für dich. Hier erhältst du alle notwendigen Informationen, welche Ausbildungen überhaupt im Ausland möglich sind.

  • Eine weitere wichtige Anlaufstelle für Azubis mit Auslandsambitionen ist die Datenbank der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung IBS. Hier findest du Praktikumsangebote innerhalb und außerhalb Europas, für unterschiedlich lange Zeiträume. Die Datenbank liefert Ergebnisse nach deinem bisherigen beruflichen oder schulischen Werdegang, der gewünschten Form des Aufenthalts, dem Berufszweig, in dem du arbeiten und dich weiterbilden möchtest und der Dauer der Auslandserfahrung.
  • Auch die Europäische Union hat mit Erasmus+ ein Förderprogramm entwickelt, dass jungen Leuten durch die Bank das gemeinsame Lernen und Arbeiten in den Bereichen Bildung, Jugend und Sport ermöglicht. Ein Bestandteil des Programms: Die Ausbildung wenigstens zum Teil in einem anderen EU-Land zu
    Junge Koch-Auszubildende richten Teller an

    Wer schon während der Ausbildung über den Tellerrand hinausblickt, profitiert auch im Berufsleben davon.

    verbringen. Dazu braucht es allerdings zwei Voraussetzungen – du musst mindestens 18 Jahre alt sein und du müsstest dich an die für dich zuständige Berufsschule, deinen Ausbildungsbetrieb oder die IHK bzw. HWK wenden. Denn du selbst kannst dich nicht auf das Erasmus+-Stipendium bewerben.

Ansonsten gibt es noch eine Reihe weiterer Ansprechpartner und Organisationen, die dir bei deinem Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung Hilfestellung geben können. Zum Beispiel hat der DIHK eine Liste nützlicher Adressen zusammengestellt, falls du noch Fragen hast oder schon nach einem bestimmten Ansprechpartner suchst.

Abgesehen davon bleibt dir immer noch die Möglichkeit, dich an Jugendwerke und Austauschprogramme zu wenden, die ebenfalls Praktika für Azubis anbieten, dazu gibt es den Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V., der sich allerdings vorwiegend an junge Menschen richtet, die ihr Praktikum im sozialen Bereich absolvieren möchten.

Ausbildung mit Doppelabschluss

Eine sehr gefragte Kombination von Ausbildung und Auslandserfahrung ist die Ausbildung mit Doppelabschluss. Die ist besonders für junge Menschen interessant, die in Grenzregionen leben, also etwa in unmittelbarer Nähe der Benelux-Staaten. Der große Vorteil: Die Azubis erhalten bei dieser grenzüberschreitenden Ausbildungsform sowohl den deutschen Abschluss wie auch den des Partnerlandes.

Ein Beispiel hierfür ist etwa die sogenannten binationale Ausbildung, die von der IHK Aachen angeboten wird und zwar für den Ausbildungsgang Industriekaufmann/-kauffrau. Gleichzeitig können die Absolventen den französischen Abschluss „Brevet de Technicien Supérieur (BTS) Comptabilité/Gestion“ vorweisen. Tatsächlich ließe sich diese Ausbildung noch mit weiteren Zusatzqualifikationen aufwerten.

Die Vorteile der deutsch-französischen Ausbildung liegen auf der Hand, denn sie bietet für die gesamte Ausbildungszeit

  • die Möglichkeit zum Erwerb interkultureller Kompetenzen,
  • die Europaqualifikation,
  • Zweisprachigkeit,
  • den vom dualen System gewohnten Praxisbezug,
  • den anerkannten Doppelabschluss,
  • und zu guter Letzt aus allen diesen Gründen sehr gute berufliche Aussichten diesseits und jenseits der deutsch-französischen Grenze.

Einen Haken, neben der fachlichen Beschränkung auf diesen einen Ausbildungsberuf, hat das Programm allerdings. Die Voraussetzung zur Teilnahme ist die Allgemeine Hochschulreife. Wenn du also kein Abitur vorweisen kannst, bleibt dir „nur“ die Option, dich nach anderen Projekten umzuschauen.

Junge Auszubildende am Schreibtisch

Um die internationale Zusatzqualifikation zu erhalten, müssen unter anderem darauf zugeschnittene Unterrichtsfächer belegt werden.

Immerhin – die gibt es tatsächlich, meist sind es einzelne Berufsschulen, die mit Partnerschulen zusammenarbeiten und die schon mit einem mittleren Schulabschluss angefangen werden können. Informationen rund um die Möglichkeiten der binationalen Ausbildung kannst du zum Beispiel unter sprung-ins-ausland.de finden. Dahinter steckt die Jugendstiftung Baden-Württemberg und die dazugehörigen Berater.

Internationale Zusatzqualifikation mit Auslandsaufenthalt

Etwas anders als die Ausbildung mit Doppelabschluss funktioniert die internationale Zusatzqualifikation. Die kannst du nämlich im Rahmen der „normalen“ dualen Berufsausbildung erhalten, üblicherweise in Handwerksberufen oder in kaufmännischen Tätigkeitsfeldern. Du musst nur die entsprechenden Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen ausfindig machen (wende dich hierzu am einfachsten wieder an die für dich zuständige IHK oder HWK).

Der Unterricht an der Berufsschule wird dann um zusätzliche Fächer mit einem internationalen Schwerpunkt (etwa Warenrecht oder Marketing) erweitert, außerdem fällt der Fremdsprachenunterricht intensiver aus. Vor dem Abschluss mit anerkanntem Zertifikat über deine Spezialisierung ist ein mehrwöchiges Auslandspraktikum ein Muss für den erfolgreichen Verlauf der Ausbildung.

Die ganze Ausbildung im Ausland?

Tatsächlich ist sogar möglich, die Ausbildung komplett im Ausland zu absolvieren. In einem solchen Fall allerdings greifen einige Besonderheiten, was unter anderem damit zusammenhängt, dass es duales Ausbildungssystem, wie du es aus Deutschland kennst, eigentlich nur noch in der Schweiz gibt. In anderen, selbst europäischen Ländern, wird die Berufsausbildung anders organisiert und mit großer Wahrscheinlichkeit sogar regional unterschiedlich reguliert. Die Fragen, die du dir deshalb im Vorfeld stellen solltest, lauten deshalb:

  • Ist der Abschluss, den ich im Ausland erwerben kann, gleichwertig mit einem, den ich bei einem (in Deutschland) anerkannten Ausbildungsberuf erhalten kann?
  • Welche Unterschiede gibt es hinsichtlich der Inhalte und der Qualität der Ausbildung?
  • Welchen Stellenwert hat der ausländische Abschluss, wenn ich mich damit nach dem Ende der Ausbildung als Berufseinsteiger bei deutschen Firmen bewerben möchte?
  • Besteht die Möglichkeit, die ausländische Ausbildung in Deutschland anerkennen zu lassen?

Um die letzte Frage gleich zu beantworten: Ja, eine solche Anerkennung ist möglich, sie ist nur unter Umständen nicht immer ganz einfach. Grundsätzlich sorgt aber das Anerkennungsgesetz schon seit 2012 dafür, dass du auch mit einer im Ausland abgeschlossenen Berufsausbildung in Deutschland arbeiten kannst. Die wichtigsten Informationen rund um die Anerkennung beruflicher Qualifikationen aus dem Ausland findest du unter anderem bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen ZAB.

Junge Frau startet in ihre Ausbildung im Ausland

Die verschiedenen Außenhandelskammern helfen dabei, wenn nicht nur ein Teil der Ausbildung im Ausland absolviert werden soll.

Ansonsten verläuft die Stellensuche wahrscheinlich etwas anders, als es bei einer Ausbildung in Deutschland üblich ist. Erster Ansprechpartner ist nämlich nicht direkt der Betrieb, bei dem du deine berufliche Qualifikation erwerben willst, sondern vielmehr die Außenhandelskammern des von dir gewünschten Landes. In manchen Fällen kannst du dort sogar deine Bewerbung hinterlegen, aus der die Kammer ein Profil erstellt. Das wird dann wiederum an deutsche Firmen im Ausland weitergeleitet, die auf deine Wünsche passen könnten. Die Firmen ihrerseits wählen dann, ganz wie gehabt, potenziell geeignete Kandidaten aus.

Tipp: Informiere dich auch frühzeitig über Möglichkeiten, deine Finanzmittel während des Auslandsaufenthaltes aufzubessern. Denn die Ausbildungsvergütung ist auch im Ausland nicht höher als in Deutschland. Das bedeutet, dass sie je nach Stadt oder Land, kaum ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Du musst also davon ausgehen, selbst bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt höhere Kosten tragen zu müssen. Es besteht aber kein Grund zur Sorge, denn für solche Fälle gibt es eigene Förderprogramme, die finanzielle Unterstützung bieten.

Zusammenfassung: Die Rahmenbedingungen für den Auslandsaufenthalt

Als Zwischenfazit noch einmal die wichtigsten Fakten, auf die du bei der Planung (und Durchführung) eines Auslandsaufenthaltes während der Ausbildung achten musst.

  • Von den genannten Ausnahmefällen (binationale Ausbildung oder vollständige Auslandsausbildung) abgesehen, kann maximal ein Viertel der Ausbildungszeit im Ausland absolviert werden.
  • Der Auslandsaufenthalt muss als Ausbildungsmaßnahme in den Ausbildungsvertrag aufgenommen werden.
  • Für die Ausbildungsvergütung während des Auslandsaufenthaltes ist weiterhin der Ausbildungsbetrieb zuständig. Allerdings kann der Betrieb, der dich aufnimmt, gegebenenfalls einen Teil davon übernehmen.
  • Die Kosten für die Reise und die Unterkunft musst du selbst tragen – wende dich deshalb rechtzeitig an geeignete Förderprogramme.
  • Bei der Berufsschule musst du für den Zeitraum des Auslandsaufenthaltes eine Freistellung beantragen, versäumten Stoff wirst du nacharbeiten müssen.
  • Dein Berichtsheft musst du auch im Ausland weiterführen.

Nicht nur für den Lebenslauf: Ausbildungsleistungen richtig dokumentieren

Einerseits verbessert ein Auslandsaufenthalt zwar die Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt, andererseits macht man damit womöglich auch in anderen Ländern Eindruck. Damit die erbrachten Leistungen und vorhandenen Kompetenzen aber richtig dokumentiert und damit nachweisbar sind, sollten sie schon während der Ausbildung im sogenannten Europass festgehalten werden. Denn der ist zumindest auf dem europäischen Arbeitsmarkt eine echte Hilfe.

Das richtige Dokument für den richtigen Zweck

Der von der Europäischen Union kostenlos angebotene Europass umfasst eigentlich verschiedene Dokumente, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und unterschiedliche Zwecke erfüllen. Insgesamt sind es fünf:

  • Europass Lebenslauf
    Dieser dient sozusagen als zusammenfassendes Dokument für eine Bewerbung im EU-Raum.
  • Europass Sprachenpass
    Der gibt Auskunft darüber, wie gut du eine Fremdsprache verstehen, sprechen und schreiben kannst.
  • Europass Mobilität
    Damit werden alle Lern- und Arbeitserfahrungen dokumentiert, die du bereits im Ausland gesammelt hast.
  • Europass Zeugniserläuterungen
    Hiermit lassen sich Ausbildungsinhalte und Abschlüsse im ganzen EU-Raum besser vergleichen.
  • Europass Diploma Supplement
    Dieses letzte Dokument dient vornehmlich der europaweiten Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen.

Die Europass-Dokumente sind allerdings nicht nur für Studenten und Azubis gedacht, von ihnen können im Prinzip alle EU-Bürger profitieren, die grenzüberschreitend arbeiten und lernen wollen. Wichtigste Voraussetzung ist die Vereinbarung der Inhalte und Themen für den Auslandsaufenthalt, denn nur durch diese Maßnahme der Qualitätssicherung kann gewährleistet werden, dass am Ende für alle Beteiligten – also nicht nur für dich, sondern auch für die ausbildenden Unternehmen – ein Mehrwert herauskommt.

Der Europass Mobilität

Obwohl gerade für die Zeit nach dem Ende deiner Ausbildung auch der Europass Lebenslauf interessant wird, ist vorläufig der Europass Mobilität noch wichtiger. Der gilt für alle, die im Ausland einen Lernabschnitt verbringen. Da dieser Begriff recht großzügig definiert wurde, umfasst er nicht nur Praktika oder Teile der Ausbildung, sondern eben auch Weiterbildungen oder Auslandssemester – gegebenenfalls hast du also während deiner beruflichen Laufbahn auch später noch Verwendung dafür.

Wenn du den Europass nutzen möchtest, solltest du das rechtzeitig bei deinem Ausbildungsbetrieb und deiner Berufsschule anmelden. Denn mit wenigen Ausnahmen kann der Europass Mobilität nicht von Einzelpersonen beantragt und ausgefüllt werden, dafür ist die Einrichtung verantwortlich, die dich entsendet. Damit das so schnell und unkompliziert wie möglich funktioniert, hat das Nationale Europass Center eine Datenbank angelegt, die einen einfachen Zugang zum Dokument gewährt.

Einfach mehr wert. Der Europass Mobilität mit Lernergebnissen.

Quelle: youtube.com

Welchen Nutzen hat der Europass Mobilität?

Auslandserfahrungen werden für die berufliche Karriere immer wichtiger und davon sind auch Berufseinsteiger nicht ausgenommen. Die bringen allerdings wenig, wenn sie nicht adäquat in ein Bewerbungsverfahren eingebracht werden können. Im Lebenslauf das ausländische Unternehmen anzugeben, in dem man einen Teil der Ausbildung verbracht hat, ist da unter Umständen wenig aussagekräftig.

Der Europass hilft dir deshalb dabei, die angeeigneten Fähigkeiten und Kompetenzen deutlich besser und umfassender zu dokumentieren. Potenzielle zukünftige Arbeitgeber wiederum erhalten so einen tieferen Einblick in die Erfolge deines Auslandsaufenthaltes und können dessen Wert besser einschätzen – außerdem kannst du mit dem Europass ziemlich sicher sein, dass deine Erfahrungen im Ausland auch wirklich in einem Bewerbungsgespräch thematisiert werden. Dadurch sollten die Bewerbungschancen am Ende steigen.

Keine Zeit für den Auslandsaufenthalt? Die Möglichkeiten nach der Ausbildung

So groß die Vorteile für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung auch sein mögen, es gibt in vielen Fällen sicher nachvollziehbare Gründe, warum er nicht zustande kommt. Schlimm ist das allerdings nicht, denn nach der Ausbildung wartet eine Reihe weiterer Möglichkeiten, den Lebenslauf mit internationalen Erfahrungswerten aufzupolieren:

Diese Möglichkeiten hast du für deinen Auslandsaufenthalt

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Jana Kucharczyk

Über den Autor ()

Jana Kucharczyk bekam schon seit früher Kindheit ein Gefühl für die unterschiedlichen Länder und Kulturen dieser Welt. Bereits ab 5 Jahren durfte sie internationale Geschäftsreisen ihres Vaters begleiten und erhielt so ganz persönliche Einblicke in die Besonderheiten jedes Landes. Im Laufe der Jahre konnte sie mit ihrer Familie schon Namibia, Südafrika, Kanada und viele Länder Europas bereisen und hat mittlerweile selbst eine lange Reiseliste. Da Jana kurze Urlaube nicht ausreichen um all die Länder und Kulturen richtig kennenzulernen, wagt sie zusammen mit ihrem Freund jetzt den Schritt in ein ortsunabhängiges Leben.

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