Der ultimative Kulturguide für Kanada Dos und Don'ts für einen Kanadatrip ohne Fettnäpchen

| 23. 09. 2015 | 1 Kommentar
Zuschauer Einshockeyspiel in Kanada

Nicht nur Hockey ist in Kanada besonders

Viel Natur, viel Wildnis, grenzenlose Weiten und dazwischen viele freundliche Menschen. Dazu noch mit einer sehr ähnlichen Kultur, erscheint das Land des Ahornblattes und der Holzfällerhemden als ideale Destination für einen Auslandaufenthalt. Ohne potentiellen Kulturschock kann doch hier eigentlich nichts schief gehen, oder? Aber wer sich die Mühe macht, auch einmal hinter das Augenscheinliche zu schauen, erfährt viele kleine kulturelle Eigen- und Besonderheiten, die das Land noch spannender machen. Diese Besonderheiten zu kennen, kann eigentlich nur hilfreich sein. Wir haben Euch einen kleinen Kulturguide für Kanada zusammengestellt, mit dem ihr garantiert alle Fettnäpfchen sicher umschifft.   

 

Fußgänger in Toronto

Auch im Gedränge bleiben Kanadier meist freundlich

Die kanadische Freundlichkeit

Die Kanadier sind von Natur aus sehr freundlich, höflich und respektvoll. Ein Ruf der ihnen nicht nur vorauseilt, sondern auch regelmäßig für scherzhafte Häme vom großen Bruder den USA sorgt. Dabei ist die etwas ruhigere und reserviertere Art der Kanadier, gerade im Vergleich zu den Amerikanern, für uns Westeuropäer durchaus angenehm. Man sagt instinktiv „please“ und „thank you“, worauf erwartet wird mit einem ebenso freundlichen „you are welcome“ oder „no problem“ zu antworten. Auch wenn der Gehweg in Toronto überfüllt ist, manövriert der Kanadier rücksichtsvoll durch den dichten Fußverkehr. Und wenn es dann doch einmal zur Kollision kommt, wird sich sofort mit einem ehrlichen „Sorry“ entschuldigt – und das egal ob man selbst schuld war oder nicht.

 

Eishockey Fan in Kanada

Hockey ist in Kanada eine ernste Angelegenheit

Hockey is no joke

In einem Land, in dem Religion so gut es geht aus der Öffentlichkeit heraus gehalten wird und Privatsache bleibt, ist Eishockey, oder einfach Hockey, das verbindende Element der Kanadier. Jeder hat zu Hockey eine Meinung, jeder hat ein Lieblingsteam, jeder hat es schon mal gespielt und wenn es gegen die Amerikaner geht, fiebert das ganze Land mit. Es ist der heilige Gral der Kanadier und abschätzige Bemerkungen darüber werden als dreiste Blasphemie betrachtet. Also, auch wenn Fußball weltweit immer noch Nummer 1 ist, in Kanada gilt: Hockey is Canada’s game and Hockey is no joke!

 

How are you?

Die Standard-Begrüßung in Kanada. Ob im Supermarkt, bei der Buchung einer Tour, am Telefon oder beim Treffen mit Freunden – Ohne geht es nicht. Etwas überrumpelt überlegt der Deutsche instinktiv was er nun darauf antworten soll. Die Nachfrage ist aber lediglich als Höflichkeit zu verstehen und verlangt nach keiner richtigen Antwort. Ein einfaches „Fine, thank you“, vielleicht gefolgt mit einem erwiderndem „..and you?“ reicht hier vollkommen aus. Du wirst sehen, das Ganze ist relativ ansteckend. Im Nu wirst auch Du damit anfangen und wildfremde Leute fragen wie es ihnen geht.

 

Notre Dame Kathedrale in Montreal, Kanada

Notre Dame in Montreal. Trotzdem blieb Religion Privatsache.

Die Sache mit der Religion

Kanada ist ein sehr liberales und offenes Land. Egal ob über Umweltschutz, Politik, die Schwulenehe oder heikle Themen wie Abtreibung – über alles darf offen diskutiert werden. Mit Ausnahme von Religion. Auch wenn das Land zu mehr als zwei Dritteln christlich ist, bleibt Religion eine Angelegenheit, die die Kanadier gerne aus der Öffentlichkeit heraus halten. Es ist jedermanns Privatsache und soll es auch bleiben. Viele Konflikte der Neuzeit sind religiös motiviert. Die Kanadier sind ein sehr friedliebendes Volk und wollen dieses Konfliktpotential so gut es geht entschärfen. Letztlich möchte man in Kanada einfach in Frieden und Harmonie miteinander leben. Und wenn diese Taktik dazu beiträgt, warum nicht?

 

Schuhe aus!

Wenn Du bei Kanadiern zu Hause eingeladen bist, heißt es an der Tür die Schuhe auszuziehen. Das Ganze rührt von den langen und oft schneereichen kanadischen Wintern her, in denen man sich Schnee und Matsch nur ungern ins Haus holen möchte. Aber auch im Sommer bleibt diese Angewohnheit eher die Norm als die Ausnahme. Stell Dich am besten darauf ein und checke Deine Tennissocken nochmal auf Löcher bevor du losgehst. Im Notfall kannst Du natürlich Deinen kanadischen Gastgeber auch fragen, ob Du die Schuhe ausziehen sollst oder nicht.

 

Totems Standley Park vVancouver

Totems der First nations im Vancouver Stanley Park

Die Indianer

In Deutschland ein durchaus  gängiger Begriff, wird der englische Begriff „Indian“ von den kanadischen Ureinwohnern oft als beleidigt aufgefasst. Anerkannter und weitaus politisch korrekter sind die Begriffe „Natives“ oder „First Nations“. Ähnlich verhält es sich mit den Natives in den nördlichen Provinzen Kanadas, die korrekterweise als Inuit und nicht als Eskimos bezeichnet werden. Generell ist dieses Kapitel der kanadischen Geschichte sehr heikel, vielschichtig und komplex. Sich als außenstehender ein Urteil zu erlauben kann fast nur schief gehen, von daher seid lieber etwas zurückhaltend. Ein interessiertes Nachfragen ist in Ordnung. Seid aber nicht überrascht, wenn sich Eure Gesprächspartner darauf angesprochen dann doch eher zurückhaltend verhalten.

 

Out and about – Der kanadische Akzent

Das kanadische Englisch ist leicht anders als das amerikanische. Besonders deutlich wird dies an Wörtern wie „Out“, „About“ oder „House“. Glaub uns, die Kanadier wissen um diesen Umstand und müssen nicht nochmals darauf aufmerksam gemacht werden. Das hat auch in diesem Fall der große Nachbar aus dem Süden bereits zu Genüge getan. Also, einfach hinnehmen, nicht imitieren und nicht darüber lustig machen.

 

Flaggen Kanada, Quebec und Montreal

Québec, Kanada, Montreal – Frankophone Besonderheiten

Sonderfall Québec

In Québec wird zum Großteil Französisch gesprochen und für uns oft überraschend, viele Franko-Kanadier sprechen tatsächlich kein oder nur kaum Englisch. Nicht selten trifft man in Québec auf das gleiche Phänomen wie in Frankreich, wo ein Kommunikationsversuch auf Englisch Reaktionen von Skepsis bis zur totalen Verweigerung hervorrufen kann. Ähnlich wie bei unserem europäischen Cousin, kann Dich auch hier ein bisschen Französisch sehr weit bringen. Allein der Versuch wird lobend zur Kenntnis genommen und macht gleich vieles einfacher. Sieh es positiv: In Kanada kannst du während eines Trips gleich zwei Sprachen aufpolieren.

 

Richtig tippen

Nein, wir reden hier nicht vom Ausfüllen eines Fußball-Wettscheins. Es geht um das Trinkgeld, dem Tip, und wie man das Thema richtig handhabt. Der Tip ist gerade für kanadische Kellner ein integraler Bestandteil des Gehalts (was in der Regel sehr niedrig ist). So muss z.B. der Kellner am Ende des Tages andere Servicemitarbeiter, wie zum Beispiel Hilfskräfte und die Köche, quasi ausbezahlen. Diese Abgabe ist immer fällig und wird auf Basis der Einnahmen, nicht der Tips berechnet. Wenn also niemand tipt, kann es sogar sein, dass der Kellner Geld verliert. 15% des Vorsteuer-Betrags sind in Kanada die Norm, 20% für sehr guten Service. Unser Tipp: Schaut beim Kalkulieren einfach auf die Rechnung und nehmt die ausgewiesene GST (Mehrwertsteuer) von 5% einfach mal drei.

 

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Kategorie: Specials, Tipps & Tricks

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Seit er sich erinnern kann, ist Philipp mit dem Virus Wanderlust infiziert. Schon während der Schulzeit hat er ein Jahr als Austauschschüler im Mittleren Westen der USA verbracht. Nach dem Abitur hielt ihn nicht mehr viel und es ging erneut in die USA um mit seinem Gastbruder das Land zu erkunden. Nach dem Studium in Münster und Malta ging es zunächst für ein halbes Jahr nach Australien. Auf dem Work and Travel Visum zog es ihn quer durch den siebten Kontinent, wo sich der Anteil an Work im Vergleich zu Travel nach eigener Aussage aber eher in Grenzen hielt. Nach gut sechs Jahren in der Marketingbranche war es erneut Zeit auszusteigen. Philipp kündigte und reiste für ein Jahr durch ganz Südostasien. Seine Reise dokumentierte er in Bildern und Reportagen auf seinem Reiseblog ESCapology.eu, welches er auch noch heute weiterführt. Daneben schreibt Philipp für verschiedene Online-Portale und hin und wieder Reisemagazine.

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