Was tun gegen die Angst vor der Reise? Plötzlich kalte Füße

| 04. 09. 2017 | 8 Kommentare

Eigentlich war man doch Feuer und Flamme: Ab ins Ausland, raus von zu Hause, los geht’s! Aber ein paar Wochen oder Tage vor der Abreise macht sich plötzlich ein mulmiges Gefühl breit: Was, wenn mir etwas zustößt, mir das Geld ausgeht, ich Heimweh habe…? Ängste vor einem langen Auslandsaufenthalt sind ganz normal. Wir verraten, welche die verbreitetsten Reiseängste sind und wie man sich gegen sie wehren kann.

Junge Frau guckt nachdenklich in die Ferne

Plötzlich ist die Angst da…Was nun?

Reiseangst kann auch die größten Abenteurer packen. Typische Anzeichen vor der Abreise: schlaflose Nächte, plötzliche Schnappatmung und der heimliche Wunsch, dass sich irgendein Grund findet, die geplante Auslandszeit doch noch abzublasen. Angst soll uns vor Gefahren schützen, nicht unsere Träume blockieren. Sie ist also kein Grund, den Reiserucksack im Schrank zu lassen.

Um Ängste zu überwinden, gibt es verschiedene Strategien. Bewährt hat sich das sogenannte „Konfrontationstraining“: Du hast Angst vorm Reisen, dann reise! Setze dich der Situation aus, die dir Angst macht, und die Angst wird kleiner. Klingt vielleicht absurd, funktioniert aber in der Praxis tatsächlich oft ziemlich gut. Hilft aber natürlich erst mal nicht gegen die unangenehmen Angstgefühle in der Zeit vor der Reise. Doch was hilft?

Erstens: Entspannung

Um gegen die körperlichen und geistigen Reaktionen anzukommen, die mit der Angst verbunden sind, kannst du es erst einmal mit Entspannung versuchen. Wie früher vor Prüfungen in der Schule: Tee trinken, Yoga, Atemübungen… Was dir persönlich am besten liegt.

Zweitens: Information

Setze deiner Angst etwas Rationales entgegen. Daten und Fakten können Ängste minimieren. Hole also Informationen über die Gegend ein, in die du reist, und tausche dich mit Leuten aus, die selbst schon einmal für eine längere Zeit im Ausland waren.

Drittens: Vorbereitung

Es klingt banal, ist aber extrem hilfreich gegen die Angst: Triff alle notwendigen Reisevorbereitungen, und zwar möglichst rechtzeitig und gewissenhaft. Das Gefühl, gut vorbereitet zu sein und für bestimmte Situationen vorgesorgt zu haben, kann sehr beruhigend sein.

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Die Top 6 der typischen Ängste vor einer Reise… und wie man mit ihnen klarkommt

1Muss ich echt ins Flugzeug? Angst vorm Fliegen

Wenn man nicht wochenlang auf einem Frachtschiff verbringen will, um den Ozean zu überqueren, kommt man bei vielen Reisezielen nicht um einen Flug herum. Doch fast jeder vierte Deutsche hat Flugangst. Statistisch gesehen, ist das Flugzeug zwar das sicherste Transportmittel überhaupt, doch der Angst sind Statistiken egal. Das beste Gegenmittel lautet „Konfrontation“, sprich: Fliegen. Je öfter man einen sicheren Flug erlebt, desto kleiner wird die Angst. In schweren Fällen kann es jedoch ratsam sein, vorab ein Anti-Flugangst-Seminar am Flughafen zu besuchen. Auch die theoretische Auseinandersetzung mit der (wirklich sicheren!) Technik vom Fliegen kann helfen.

Während des Flugs selbst wird die Anspannung wahrscheinlich trotzdem da sein. Ein paar Tipps, um damit besser klarzukommen: Trage gemütliche Kleidung (ohne einschnürenden Kragen!). Trink keinen Alkohol auf dem Flug; entgegen verbreiteter Mythen trägt dieser nicht zur Entspannung bei, sondern kann sogar Panik verursachen. Wenn nötig, nimm sanfte, pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Johanniskraut. Gegen Übelkeit können Reisetabletten helfen. Um das Gedankenkarussell in deinem Kopf zu stoppen, lenke dich mit einem Film, Buch oder Musik ab.

Auch eine große Hilfe: Fliege gemeinsam mit einer vertrauten Person. Ob Partner oder beste Freundin – es ist ein gutes Gefühl, wenn jemand da ist, an dessen Hand man sich bei Turbulenzen festklammern kann.

2Passiert mir etwas? Angst vor Kriminalität

„Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie“, schrieb der Schriftsteller Erich Kästner. Und ja, mit ein bisschen Fantasie fällt einem sehr schnell vieles ein, was unterwegs passieren könnte: Raubüberfall, Vergewaltigung, Entführung. Einige Regionen haben einen besonders schlechten Ruf, was Kriminalität angeht. Bis zu einem gewissen Punkt hat diese Angst ihre Berechtigung. Denn natürlich kann unterwegs etwas passieren.

Deshalb gilt es, achtsam zu sein und sich an einige Sicherheitsregeln zu halten, unter anderem:

  • unsichere Stadtviertel meiden
  • nachts nicht alleine draußen herumlaufen
  • nur lizenzierte Taxis nutzen

Mit Menschenverstand kann man die Gefahren möglichst gering halten. Beruhige dich selbst, indem du realistisch bleibst: Nicht hinter jeder Ecke lauert ein Verbrecher. Häufig wird die Angst vor Kriminalität durch Nachrichten und Filme geschürt. So kommt es, dass beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, in Mexiko Opfer eines Verbrechens zu werden, häufig viel höher eingeschätzt wird, als sie es tatsächlich ist. Manchmal kann daher ein Blick auf Kriminalitätsstatistiken sogar beruhigend sein: Angeblich ist es drei Mal wahrscheinlicher, in Deutschland bei einem Autounfall zu sterben, als in Mexiko überfallen zu werden.

Und wenn ich mir was einfange? Angst vor Krankheiten und Gifttieren

Die Angst vor Krankheiten oder giftigen Tieren ist unter Reisenden aus Mitteleuropa sehr verbreitet. Gute Vorbereitung lindert die Angst: Lass dich vor der Reise von einem Arzt zu Risiken beraten und gegebenenfalls impfen. Stelle dir außerdem eine kleine Reiseapotheke zusammen, um schnell gegen Kopfschmerzen, Durchfall und Co. anzukommen. Nimm Desinfektionsspray und Insektenschutzmittel mit. Bei einer Reise ins außereuropäische Ausland empfiehlt es sich, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, damit du in schlimmeren Fällen auch unterwegs bedenkenlos einen Arzt aufsuchen kannst.

Wenn dir trotz dieser Vorbereitungen noch mulmig zumute ist, mach dir klar, dass die Angst meist schlimmer ist als die tatsächliche Situation: Brichst du dir im Ausland ein Bein oder wirst von einer Spinne gebissen (obwohl du immer brav in deinen Schuh geguckt hast), ist das zwar extrem unangenehm, doch mit der Hilfe von Mitreisenden, Einheimischen und Ärzten trotzdem zu meistern.

4Alles ist so unberechenbar! Angst vor dem Unbekannten und Unplanbaren

Ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt kann beängstigend sein, weil er so groß, so abstrakt und unplanbar erscheint. Ein gutes Gegenmittel: Denke die Reise in kleineren Einheiten, stelle dir ganz konkret die ersten Tage nach der Ankunft vor, entwirf vielleicht einen ungefähren Reiseplan. Das macht das Ganze greifbarer.

Auch gut: Sich mithilfe von Blogs, Reiseführern und Dokus schon ein wenig vertraut machen mit dem, was einen erwartet. Doch natürlich gehört die Ungewissheit zum Unterwegssein auch dazu. Das Unbekannte auf sich zukommen zu lassen, ist Teil des Reisens. Wie dieses Unbekannte wirklich aussieht, weißt du erst, wenn du es erlebst. Dann ist es real und du wirst damit klarkommen. Also versuche, diese unschöne Angst zu ignoriere und dir stattdessen die schönen Aspekte deiner Reise lebhaft vorzustellen.

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5Schaffe ich das alleine? Angst vor Einsamkeit und Heimweh

Die gewohnte Umgebung zu verlassen, in ein fremdes Land zu reisen, wo dir Menschen, Sprache, Sitten und Gebräuche unbekannt sind, kann Unsicherheit und Angstgefühle auslösen. Das ist normal. Sprich vor der Reise mit Freunden und Familie darüber. Und sei dir sicher: Sie werden dir auch aus der Ferne Halt geben.

Vielleicht kannst du dich gleich für deine erste Woche im Ausland zum Skypen mit einem guten Freund oder deinen Eltern verabreden. Und sage dir selbst: Die Herausforderung, alleine im Ausland unterwegs zu sein, ist Teil des Abenteuers. Du wirst garantiert daran wachsen. Außerdem: Du wirst nie wirklich alleine sein. Vielleicht wird es Momente geben, in denen du dich ein bisschen einsam fühlst. Dann lenke dich ab, lies oder unternimm etwas, schreib Tagebuch. Aber du wirst unterwegs ganz bestimmt viele neue Leute kennenlernen – überall, wo du bist, in Hostels, Bussen, in der High School, an deiner Einsatzstelle im Freiwilligendienst, beim Jobben, in der Gastfamilie…

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6Habe ich alles gut genug geplant? Angst vor Geldmangel und fehlender Ausrüstung

Du hast bestimmt alles gut geplant. Du hast eine Packliste erstellt, hast reichlich Geld angespart, oder? Trotzdem ist die Angst da. Das Gegenmittel: Sich konkret überlegen, was man machen könnte, wenn der befürchtete Fall eintritt. Wenn man etwas vergessen haben sollte? Nicht schlimm. Die meisten Dinge kannst du unterwegs irgendwo kaufen. Zahnbürste, Schuhe, Schlafsack – das alles gibt es nicht nur in Deutschland. Unverzichtbare persönliche Dinge kannst du dir notfalls per Post nachschicken lassen. Und wenn das Geld alle ist? Das passiert dir nicht, wenn du dein Gesamtbudget durch die geplanten Reisetage teilst und dich dann an deinen Tagessatz hältst. Und wenn es doch passiert? Können Verwandte dir etwas leihen? Findest du kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten? Du könntest couchsurfen oder für Kost und Logis vor Ort arbeiten. Irgendwelche Möglichkeiten gibt es immer.

Ziel Angstfreiheit?

Die Angst vor dem Reisen in den Griff zu bekommen, ist eine gute Sache. Doch es ist nicht das Ziel, tatsächlich die ganze Angst komplett loszuwerden. Denn Ängste haben ihren Sinn. Zumindest teilweise. Sie hindern einen daran, sich unüberlegt in Gefahren zu stürzen. Das Ziel ist also nicht völlige Angstfreiheit, sondern einen gesunden Umgang mit den Ängsten zu finden, der dich nicht mehr von deiner Auslandszeit abhält. Du wagst dein persönliches Abenteuer trotz des mulmigen Gefühls, trotz der Ängste. Das ist echter Mut. Und es wird dich garantiert voranbringen. Großes Plus: Die Angst wird unterwegs wahrscheinlich schrumpfen, wenn du merkst, dass du mit ihr und allem anderen, was dir begegnet, gut zurechtkommst.

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Kategorie: Allgemein, Reise, Tipps & Tricks

Janina Martens

Über den Autor ()

1991 im windigen Schleswig-Holstein geboren, reisebegeistert und von ständigem Fernweh geplagt, seit sie im Grundschulalter im Familienurlaub auf Bali Affen und Tempeltänzerinnen bestaunen durfte. Nach dem Abitur zog es sie für einen dreimonatigen Freiwilligendienst nach Costa Rica: Dort unterrichtete sie Jugendliche und Erwachsene in Englisch. Reicher um unvergessliche Erinnerungen, Spanisch-Kenntnisse sowie um die Erkenntnis, lieber vom Berufsziel „Lehrerin“ Abstand zu nehmen, kehrte sie nach Deutschland zurück. Von 2011 bis 2016 studierte sie Kulturwissenschaften (B.A.) und Kulturvermittlung (M.A.) an der Universität Hildesheim, mit einem Fokus auf Kulturjournalismus. Die Semesterferien nutzte sie für Redaktionspraktika bei ZDF und Deutsche Welle sowie für Backpacking in Ecuador und Sri Lanka – gemeinsam mit ihrem Inzwischen-Ehemann. Die beiden planen schon ihre nächste Reise; ganz oben auf der Liste stehen Chile und Argentinien. Janina ist seit Ende 2016 als freie Kulturmanagerin, Texterin und Journalistin unterwegs.

Kommentare (8)

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  1. Avatar Lisa sagt:

    Sehr schön verfasst und hat mir tatsächlich alleine schon beim Lesen geholfen, meine Angst vor dem work and Travel Abenteuer zu minimieren. Danke dafür!

  2. Avatar Maraite Nicols sagt:

    Fahre morgen alleine in Urlaub und mir ist die lust so schwer vergangen, würde am liebsten ablasen.
    Aber das geht ja nicht gut. Die Angst nur mit Senioren unterwegs zu sein und vl keinen zu kennen wär der Horror. Was soll ich tun????

    • Janina Janina sagt:

      Natürlich fährst du! 🙂 Urlaub ist immer eine super Sache. Und du hast es selbst in der Hand, nette (junge ;)) Leute kennenzulernen. Das kriegst du hin, keine Sorge.

      • Avatar Maraite Nicols sagt:

        Danke für die motivierenden worte die Busreise mit alten leute zu überstehen und vl neue leute kennen zu lernen, hoffentlich geht das gut. Nicolas

      • Avatar Nicolas Maraite sagt:

        Hallo Janina eine Woche später und am Ende eines gelungenen Urlaubs bedanken ich mich für die aufbauenden Worte am letzten Samsta. Gruss nicolas

  3. Avatar Sebastian sagt:

    Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Reiseangst ist wirklich weit verbreitet. Meistens legt es sich aber dann wenn man erstmal eine Weile unterwegs ist.
    Mit besten Grüßen,
    Sebastian

  4. Avatar Robert sagt:

    Ich habe das Webseite zufällig entdeckt und gelesen. Ich leide seit paar Jahren unter Reiseangst.Was ich hier gelesen habe, war ich begeistert. Ich fliege bald nach Südafrika. Ich werde schaffen. Dieses Reiseangst kann mich nichts stoppen;)
    Danke für das Webseite und Tipps 😉

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